14. April 2010
Als Prothesen bezeichnet man medizinische Geräte, mit dessen Hilfe ein verlorener Körperteil wie z.B. ein Arm oder Bein ersetzt werden soll. Die Prothese kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.
Mit Hilfe von Prothesen können Funktionen eines bestimmten Körperteils oder Sinnesorgans ersetzt werden. Am häufigsten kommen Prothesen bei verlorenen Gliedmaßen wie Armen, Beinen, Händen oder Füßen zur Anwendung.
Der Versuch, durch Verletzungen oder Amputationen verloren gegangene Körperteile mithilfe von künstlichen Gliedmaßen zu ersetzen, wurde schon vor langer Zeit unternommen. So verwendeten bereits die alten Ägypter um 2000 v. Chr. einfache Prothesen zu diesem Zweck. Im Mittelalter benutzte man Holz oder Eisen für künstliche Gliedmaßen. Besondere Bekanntheit erlangte dabei das Holzbein, das Beinamputierten die Fortbewegung ermöglichte. Der berühmte Götz von Berlichingen (1480 – 1562) verlor während eines Krieges eine Hand und ließ sich 1504 eine spezielle Prothese anfertigen, mit der er ein Schwert fassen und sogar damit kämpfen konnte, was für die damalige Zeit sensationell war. Auch der berüchtigte Pirat Barbarossa Horuk ließ sich seine verloren gegangene Hand durch eine eiserne Hakenprothese ersetzen. Die starren Prothesen ließen sich bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts jedoch nur mit einer gesunden Hand bewegen. Danach entwickelte Peter Baliff eine Methode, mit der die noch vorhandene Muskelkraft eines amputierten Arms genutzt werden konnte. Dazu wurden Seilzüge um Ellenbogen und Schultern gewickelt, wodurch die Finger der Prothese bewegt werden konnten. Allerdings mussten sich die Prothesenträger dabei sehr verrenken.
Durch die beiden verheerenden Weltkriege des 20. Jahrhunderts kam es zu einer Vielzahl von verstümmelten Opfern, wodurch die Entwicklung der Prothesen vorangetrieben wurde. Dabei entwickelte der berühmte deutsche Chirurg Ferdinand Sauerbruch (1875–1951) den so genannten Sauerbruch-Arm. Diese Prothese machte sich die Kraft der Bizepsmuskulatur zunutze. Dazu legte man durch den Oberarmmuskel des Patienten einen Hauttunnel an. Durch diesen Tunnel schob man dann ein Elfenbeinstift, der als Bewegungsüberträger des Oberarmmuskels fungierte, in die Prothese ein. Durch das Anspannen des Muskels wurde der Stift angehoben und die Hand konnte zu einem Griff geschlossen werden.
In den 80er Jahren entwickelte man erstmalig Fremdkraftprothesen mit Elektromotoren, mit denen einfache Bewegungen und Griffe durchgeführt werden konnten. In der heutigen Zeit lassen sich mithilfe von mikroprozessorgesteuerten Arm- und Beinprothesen auch komplexere Bewegungen und sogar sportliche Aktivitäten ausüben.
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