Augenprothese (Glasauge)

Die Augenprothese, auch als Glasauge oder künstliches Auge bezeichnet, wird nach dem Verlust eines Auges in die Augenhöhle gesetzt, um den kosmetischen Mangel wieder auszugleichen. Die Herstellung eines Glasauges erfolgt in reiner Handarbeit, um ein möglichst natürliches Erscheinungsbild zu erhalten. Informieren Sie sich über die Herstellung und die Merkmale einer Augenprothese.

Kunstauge: Wissenswertes zu Arten von Augenprothesen

Augenprothese (Glasauge) - Merkmale und Funktion

Bei einer Augenprothese, auch als Glasauge oder Kunstauge bezeichnet, handelt es sich um einen kosmetischen Augenersatz. Auch die medizinische Versorgung der enukleierten Augenhöhle ist dadurch möglich.

Die Anfertigung einer Augenprothese erfolgt durch einen geprüften und ausgebildeten Okularisten. Eine solche Prothese wird individuell angepasst. Zu den verwendeten Materialien zählen Kunststoff oder Kryolithglas.

Der Mensch verfügt über fünf Sinne, von denen jener des Sehens nahezu die höchste Bedeutung besitzt: Wir hören, riechen oder tasten unsere Umwelt nicht nach Gefahren ab, sondern benutzen das Auge, um unsere Schritte gezielt zu setzen und Risiken zu vermeiden. Der Verlust der Sehkraft erfordert jedoch einen künstlichen Ersatz.

Bereits in der antiken Vorzeit war es insbesondere in den hohen Kulturen Ägyptens, Chinas und Roms bekannt, dass ein verlorenes Auge durch eine Prothese ersetzt werden konnte. Im Gegensatz zu den künstlichen Gliedmaßen für die Beine oder Arme wurde dabei aber seit Anbeginn auf sehr wertvolle Rohstoffe zurückgegriffen. Nicht selten trugen die Betroffenen Halbedelsteine oder Perlen an jener Stelle, an der einst das Auge saß.

Auch damit lässt sich die Wichtigkeit unserer Sehstärke sehr gut symbolisieren – nichts weniger als die kostbarsten Materialien wurden eingesetzt, um den Verlust halbwegs zu kompensieren. Im Laufe der Jahrhunderte machte die Forschung jedoch viele Fortschritte und setzt heute auf preiswertere Ressourcen.

Leben mit einem Auge aus Glas

Mittlerweile werden keine Edelsteine mehr verwendet, sondern ein Modell aus Glas angefertigt. Der Prozess ist dabei nicht nur sehr zeitaufwendig, sondern erfordert auch ein erhebliches Vorwissen. So dauert die Erstellung eines solchen Exemplares nicht selten mehrere Monate.

Doch der Aufwand lohnt sich. Denn die perfekte Passform und die Nachahmung des Originals können dafür sorgen, dass dem Betrachter kein Unterschied zwischen dem echten und dem künstlichen Auge auffällt. Den Betroffenen wird damit ein erheblicher seelischer Druck genommen, können sie doch ihren Alltag künftig so bestreiten, dass ihr Manko nicht sichtbar ist.

Die verlorene Sehstärke lässt sich bei allen Mühen aber dennoch nicht rekonstruieren. Das einmal eingebüßte Auge kann selbst nicht ersetzt werden.

Die Augenprothese zum kosmetischen Zweck

Dem Glasauge kommt somit eine ästhetische Funktion zu. Es soll die Augenhöhle verschließen und den Verlust des Augapfels nicht erkennbar werden lassen. Daneben übernimmt das Modell einen weiteren Zweck: es

  • versorgt das in der Höhle liegende Gewebe
  • versiegelt es und
  • schützt es damit vor äußeren Einflüssen.

So könnte etwa das Tragen einer Augenklappe schnell unhygienisch werden und Schadstoffe durch das Gewebe hindurch an die offene Wunde dringen lassen. Jedoch ist auch das Glasauge selbst den Bedingungen der Umwelt oder des Fehlgebrauchs ausgesetzt.

Staub und eine falsche Handhabung können die Oberfläche zerkratzen und somit für Beeinträchtigungen sorgen. Eine jährliche Versorgung oder sogar Auswechslung des Auges ist daher angeraten.

Herstellung einer Augenprothese

Die Lehrzeit der Spezialisten, die als

  • Okularisten
  • Augenprothetiker
  • Kunstaugenhersteller oder
  • Augenkünstler

bezeichnet werden, beträgt sechs bis sieben Jahre. Sie benötigen ein künstlerisches Talent und müssen manuelle Fertigkeiten mitbringen. Die Anfertigung der Augenprothesen erfolgt hierzulande seit mehr als 150 Jahren in reiner Handarbeit.

Als Rohling für die Prothese nutzt man eine aus einem Rohrstück geblasene Hohlkugel. Diese gilt es, in Bezug auf die Farbe und jedes weitere Detail an das verbliebene Auge anzupassen. Dabei trägt man schmelzende, teils mehrfarbige Glasstäbe durch Fadenanlegen, Wischen und Tupfen auf, um somit

  • die Bindehautgefäßstruktur
  • die Färbung der Lederhaut sowie
  • die Iris im kleinsten Detail

zu kreieren. Die Glaskugel kann sich während der Arbeit zusammenziehen, sodass das Rohr währenddessen gedreht werden muss. Die Größenformung und -haltung erfolgt durch Erwärmen sowie dosiertes Blasen mit dem Mund.

Ziel ist das Formen einer Art Schale. Somit muss ein Teil der Kugel zuletzt noch durch Saugen eingezogen werden.

Abnutzung der Augenprothese

Die Erneuerung der Oberfläche eines künstlichen Auges aus Kryolithglas muss durchschnittlich nach einem Jahr erfolgen. Die glatte Oberfläche kann jedoch durch gewisse Faktoren schneller abgenutzt werden, so etwa durch Veränderungen der Tränenflüssigkeit, Staub oder Schmutz. Wichtig ist, auf eventuelle Reizungen des Augenlids zu achten und das Auge rechtzeitig zu wechseln - anderenfalls kann es zu größeren Schäden kommen.

Eine längere Nutzungsdauer weist ein Auge aus Kunststoff auf. Es ist bruchfest und kann nachpoliert werden. Die Herstellung ist dafür deutlich teurer.

Kosten des Glasauges und Kostenübernahme durch die Krankenkassen

Das Glasauge gilt als medizinisches Hilfsmittel. Somit wird es von den Krankenkassen vollständig übernommen. Die Herstellung dauert etwa eine Stunde und beläuft sich auf etwa 300 Euro.

Mit anderen Prothesen kombinierbar

Dem gängigen Mythos, bei dem Glasauge handele es sich um eine Kugel, gilt es indes entgegenzutreten: Vielmehr wird das Modell in Form einer gebogenen Schale entworfen und lediglich auf die Augenhöhle aufgesetzt. Der Hohlraum selbst erfährt daher keine Füllung – die direkt an den Nervenenden anschließende sowie auf dem Gewebe sitzende Kugel könnte nämlich weitere gesundheitliche Einschränkungen mit sich führen.

Die Schale selbst kann im Übrigen mit anderen Prothesen oder Epithesen – also rein ästhetischen körperlichen Nachahmungen – verbunden werden. Das ist etwa dann der Fall, wenn nicht alleine das Auge verloren wurde, sondern auch die Partien der Stirn, der Nase oder der Wangen dem Verlust zum Opfer fielen und ebenfalls rekonstruiert werden müssen.

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Quellenangaben
  • Glass eye © Max Tactic - www.fotolia.de

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