Zentraler Venenkatheter (ZVK) - Funktion, Zugangswege und Risiken

Der zentrale Venenkatheter (ZVK) oder auch zentralvenöser Katheter stellt eine Form des Venenkathers dar, welchen man über eine größere Vene bis kurz vor den rechten Herzvorhof schiebt. Mithilfe dieses Katheters können der zentrale Venendruck gemesssen sowie Lösungen oder Medikamente injziert werden. Er verbleibt meist nur kurz im Körper des Patienten. Das Anlegen erfolgt im Rahmen eines minimal-invasiven Eingriffs. Lesen Sie alles Wissenswerte über den Zentralvenenkatheter.

Gracia Sacher
Von Gracia Sacher

Zentraler Venenkatheter - Merkmale und Funktion

Als zentralen Venenkatheter (ZVK), auch

  • zentralvenöse Katheter
  • Cavakatheter
  • Kavakatheter
  • Zentralvenenkatheter sowie
  • zentralvenöser Zugang

genannt, bezeichnet man einen dünnen Schlauch aus Kunststoff. Dieser gelangt über eine Vene der oberen Körperhälfte in das Venensystem und wird bis zur oberen oder unteren Hohlvene vor dem rechten Herzvorhof eingeführt.

Port-, Hickmann- und Broviac-Katheter: Wie lange bleiben zentrale Venenkatheter in der Vene?

Es gibt ZVKs, welche lediglich eine kurze Verwendung finden. Des Weiteren findet man untertunnelte Katheter, die länger im Körper verbleben. Zu diesen zählen

  • Portkatheter
  • Hickmann-Katheter und
  • Broviac-Katheter.

Broviac-Katheter und Hickman-Katheter

Eine spezielle Art von Kathetern sind der Broviac-Katheter und der Hickman-Katheter. Dabei handelt es sich um zentrale Venenkatheter aus Silikon. Sie kommen als Langzeit-Katheter zur Anwendung.

Man verwendet sie, um

  • Infusionen
  • dünnflüssige Medikamentenzubereitungen oder
  • höherviskose Lösungen

zu verabreichen.

Zentralvenöser Druck und Infusionen: Wann legt man einen Zentralvenenkatheter?

Im Gegensatz zu einem peripheren Venenkatheter ist es mit einem zentralen Venenkatheter möglich,

  • Nährstofflösungen
  • Medikamente oder
  • Elektrolytlösungen

über die Vene zuzuführen. Außerdem lässt sich mit ihm der zentralvenöse Druck (ZVD) messen. Allerdings ist der Einsatz eines zentralen Venenkatheters auch mit mehr Aufwand und Risiken verbunden. Daher muss für die Anwendung eines ZVK eine konkrete Indikation bestehen.

Vorzüge des ZVKs

Das Legen von Zentralvenenkatheters hat mit der direkten Stoffeinleitung seine Vorzüge und kommt vor allem bei Infusionen, die eine kurze und am Herzen liegende Wirksamkeit aufweisen und bei solchen, welche zu einer starken Reizung der Venen führen können.

ZVKs können auch dann gelegt werden, keine anderen Nageln über andere Venen gelegt werden können, oder auch bei Langzeitinfusionen. Wichtig ist der Einsatz bei Patienten auf der Intensivstation, da hierbei auch Sauerstoffsättigung im Blut sowie der zentrale Venendruck gemessen werden können.

Was ist der zentrale Venendruck?

Der zentrale Venendruck beschreibt den Blutdruck, der in den Hohlvenen vor dem rechten Vorhof des Herzens herrscht. Mithilfe der Werte lassen sich Aussagen über die Herzleistung sowie das Blutvolumen treffen.

Die Normwerte liegen hierbei bei drei bis neun Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Zu einem Anstieg kommt es, wenn das Herz keine richtige Pumpleistung mehr vollbringen kann, oder wenn es zu einer Blockierung des Blutflusses kommt, beispielsweise durch Hindernissen in den Gefäßen. Der Druck sinkt bei einer zu geringen Menge an Blut.

Anwendungsgebiete von zentralen Venenkathetern

Der Einsatz eines zentralen Venenkatheters kann aus unterschiedlichen Gründen erfolgen. Dazu gehören

So lassen sich mit dem zentralen Venenkatheter Luftansammlungen in der rechten Herzgegend absaugen.

Kontraindikation des zentralen Venenkatheters

Nicht zum Einsatz kommen darf ein zentraler Venenkatheter bei

In der Regel führt man eine Katheterisierung mit einem ZVK nur bei sehr kranken Menschen durch. Daher können Risiko und Nutzen nötigenfalls miteinander abgewogen werden.

Venenzugang: Legen und Zugangswege des zentralen Venenkatheters

Der zentrale Venenkatheter lässt sich über verschiedene Venen in den Körper einführen. Jeder einzelne Zugangsweg weist sowohl Vorteile als auch Nachteile auf.

Am häufigsten wird der ZVK über

  • die Vena subclavia oder
  • die Vena jugularis interna

eingeführt. Als weitere Zugangswege kommen

  • die Vena jugularis externa
  • die Vena basilica
  • die Vena femoralis und
  • die Vena brachiocephalica

infrage.

Bei der Wahl der Punktionsstelle gilt es, bestimmte Faktoren zu berücksichtigen. Dazu gehören zum Beispiel

  • der spätere Verwendungszweck wie parenterale Ernährung
  • eine Chemotherapie oder ein Volumenersatz
  • die allgemeinen Bedingungen beim Anlegen des ZVK
  • der Zustand des Patienten sowie
  • die Druckverhältnisse im venösen System.

Ablauf: Den zentralen Venenkatheter legen

Der zentrale Venenkatheter wird im Rahmen eines minimal-invasiven Eingriffs gelegt. Zuvor erfolgen einige Untersuchungen, wie etwa die Blutabnahme sowie das EKG. Auch die Bestimmung der Blutgerinnungswerte ist typisch; fehlen darf zudem nicht die Aufklärung über den Ablauf sowie mögliche Risiken.

Als erstes werden gewisse Orientierungspunkte gesucht und markiert; manchmal verabreicht man dem Patienten ein leichtes Schlafmittel. Während des Eingriffs führt der Arzt ein EKG durch.

Man betäubt und desinfiziert die Punktionsstelle und sticht dann mit einer besonderen Punktionsspritze in die Vene. Die Nadel verfolgt man über Ultraschall.

Die Spritze liegt richtig, wenn man das venöse Blut sehr leicht aufziehen kann. Nach der Entfernung schiebt man einen Führungsdraht über die Nadel; letztere entfernt man anschließend. Über diesen Draht führt man dann den ZVK ein und schiebt ihn im Rahmen der Seldinger-Technik an die Zielposition.

Den zentralen Venenkather kann man über ein EKG überprüfen. Er wird schließlich gespült, um auf diese weise Reste von Blut zu entfernen. Dann fixiert man ihn mit einer Naht.

Der Zugang wird mittels sterilem Verband oder Pflaster vor Infektionen geschützt. Zum Schluss wird eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs gemacht, um die richtige Lage zu sichern und mögliche punktionsbedingte Verletzungen der Lunge oder des Brustfells auszuschließen.

Mögliche Risiken beim Legen des zentralen Venenkatheters

Zu den Risiken beim Legen des ZVKs gehören - neben den zuvor erwähnten Verletzungen von Lunge oder Brustfell -:

Viggo legen: Wissenswertes zum peripheren Venenkatheter

Beim peripheren Venenkatheter handelt es sich um eine Variante, die meist in eine Vene auf dem Handrücken oder in der Ellenbeuge eingelegt wird. Man verwendet den peripheren Venenkatheter

  • zur intravenösen Verabreichung von Medikamenten
  • zur parenteralen Flüssigkeitshterapie oder
  • zur Bluttransfusion.

Die Versorgung mittels dieses Katheters ist allgemein über mehrere Tage möglich. Ein dauerhafter Zugang wird hingegen ein Langzeitkatheter, etwa in Form eines Protkatheters, verwendet. Weitere Informationen zum peripheren Venenkatheter erhalten Sie hier.

  • N. Eckert Zentraler Venenkatheter: Der Zugangsweg sollte individuell gewählt werden, Deutsches Ärzteblatt, 2016, Volume 113, Issue 5
  • Hardy-Thorsten Panknin Zentraler Venenkatheter: Infektionsrisiko bei pädiatrischen Patienten, Kinderkrankenschwester, 2013, Volume 32, Issue 8
  • Horst Gross Tunnelfahrt zum Herz - Praxisanleitung: Zentraler Venenkatheter (ZVK), Georg Thieme Verlag KG, 2012, Volume 17, Issue 01
  • Hardy-Thorsten Panknin Vorgehensweise beim Anlegen zentraler Venenkatheter: Wodurch werden Infektionen am sichersten vermieden?, Kinderkrankenschwester, 2006, Volume 25, Issue 11
  • M. Wolff, M. Buess, M. Henrich, J. Stella Zentraler Venenkatheter - Schritt für Schritt, Georg Thieme Verlag KG, Intensivmedizin up2date, 2017, Volume 13, Issue 02

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