Zu viele Antibiotika-Verschreibungen an Kinder, Senioren und Städter

Auch bildungsferne Schichten nehmen laut Meta-Studie zu häufig Antibiotika ein

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  • von Paradisi-Redaktion
Rote, orangefarbene und weiße Tabletten neben oder in ihren Blistern

Bereits seit vielen Jahren warnt die Medizinwelt, dass zu viele Antibiotika genommen werden. Durch den leichtsinnigen Umgang können sich resistente Keime bilden, die dann zu tödlichen Infektionen führen, die vorher vermeidbar gewesen wären. Eine aktuelle Statistik zeigt, dass die Einnahme in Deutschland noch immer zu häufig erfolgt. Zwei Gruppen sind besonders betroffen: Kinder und alle, die in Städten leben.

Für ihre Auswertung nutzten die Forscher 73 ältere Studien zum Thema. Alle hatten analysiert, wie häufig die Ärzte im ambulanten Bereich ein Antibiotikum verschreiben. Insgesamt wurden fast 600 Variablen, etwa Region, Alter der Patienten etc., untersucht.

Kinder und Senioren erhalten häufiger Antibiotika

Es zeigte sich, dass Kinderärzte überdurchschnittlich häufig ein Rezept mit Antibiotika ausstellen. Auch Senioren erhalten etwas häufiger als Erwachsene zwischen 20 und 60 Jahren ein Antibiotikum.

Im direkten Vergleich zwischen urbanen und ländlichen Regionen liegen die Städter vorn. Vermutlich liegt dies an der besseren Abdeckung mit Arztpraxen, vermuten die Forscher. Auf dem Land gehen die Menschen aufgrund längerer Wege seltener zum Arzt und erhalten entsprechend insgesamt seltener Rezepte.

Mehr Antibiotika-Konsum in bildungsfernen Schichten

Interessant war zudem der Zusammenhang zwischen Bildungsniveau der Patienten und der Antibiotika-Einnahme. Demnach sinkt der Konsum bei höherem Bildungsstand. Hier glauben die Wissenschaftler, dass Patienten mit hoher Bildung sich eher darüber informieren, wann Antibiotika sinnvoll sind. Viele wissen beispielsweise, dass die Mittel allein gegen Bakterien wirken und daher bei einem grippalen Infekt keinerlei positive Wirkung haben. Bildungsfernere Schichten wissen nicht, dass Antibiotika bei Viren nichts bewirken und die meisten klassischen Erkältungen viral bedingt sind.

Das beleuchtet natürlich nicht den Aspekt der ärztlichen Verantwortung. Vor allem die Hausärzte stehen in der Pflicht, ihren Patienten nur dann Antibiotika zu verschreiben, wenn dies zwingend notwendig ist.

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