24. August 2010
In einem Herzzentrum werden Kinder und Erwachsene behandelt, die an angeborenen Herzfehlern leiden, einen Herzinfarkt hatten, eine Herzmuskelschwäche oder einen Herzklappenfehler haben oder auch Patienten, die eine schwere koronare Herzerkrankung (KHK), ein Aneurysma, schwere Herzrhythmusstörungen oder andere Herzerkrankungen haben.
Bei Kindern werden in einem Herzzentrum überwiegend angeborene Herzfehler behandelt. Teilweise werden die Behandlungen bereits kurz nach der Geburt vorgenommen, in anderen Fällen im Säuglingsalter.
Je nach Alter und Beschwerden des Patienten werden im Herzzentrum verschiedene Untersuchungen durchgeführt, bis die Diagnostik abgeschlossen ist. Der behandelnde Arzt fragt den Patienten nach seinen Beschwerden und horcht den Herzschlag mit dem Stethoskop ab. Auch Blutdruck und Puls werden bei dem Herzpatienten gemessen. In jedem Fall wird auch ein EKG geschrieben. Dies kann zum einen als Ruhe-EKG erfolgen, bei dem der Patient für eine kurze Zeit ruhig auf einer Liege liegt oder auch als Belastungs-EKG. Beim Belastungs-EKG wird das EKG unter Belastung geschrieben, während der Patient auf einem Ergometer sitzt und in die Pedale tritt. Auch das Anlegen eines Langzeit-EKGs ist häufig nötig. Die Elektroden werden dazu auf die Brust des Patienten geklebt und mit einem kleinen Gerät verbunden, das der Patient einen Tag lang am Körper trägt.
Auch ein Ultraschall des Herzens wird im Rahmen der Diagnostik durchgeführt. Die Ärzte können hier erkennen, wie die Herzklappen arbeiten, wie das Herz durchblutet wird und ob angeborene Fehlbildungen bestehen. Bei der Doppler-Untersuchung kann ebenfalls festgestellt werden, wie das Herz durchblutet wird.
Sehr häufig wird in einem Herzzentrum auch ein Herzkatheter durchgeführt. Diese Untersuchung ist dann nötig, wenn z.B. vom behandelnden Arzt verengte Herzkranzgefäße am Herzen vermutet werden. Für die Untersuchung wird im Bereich der Leiste ein kleiner Schnitt vorgenommen, durch den der Katheter eingeführt wird. Vorsichtig schiebt der Arzt den Katheter zum Herzen hin. Während der Untersuchung kann der Arzt ein Kontrastmittel in das Blutgefäß spritzen und auf einem Röntgenbild erkennen, ob das Blutgefäß Engstellen hat. Während dem Herzkatheter kann auch eine Behandlung vorgenommen werden. Sieht der Arzt eine Engestelle, so führt er einen winzigen Ballon in das Blutgefäß ein und bläst diesen an der Engestelle auf, so dass diese wieder geweitet wird. Meist werden dann Platzhalter, so genannte Stents, an diese Stelle gesetzt, so dass sich das Blutgefäß hier nicht wieder verengen kann.
Ist ein Blutgefäß an einer Stelle derart verengt, dass die Behandlung mit einem Stent oder dem Ballon nicht mehr ausreichend ist, so ist eine Bypassoperation notwendig. Der Bypass ist eine Brücke über das verengte Blutgefäß. Das Blut wird durch den Bypass um die Engestelle herumgeleitet, so dass es wieder normal fließen kann. Für den Bypass können sowohl körpereigene als auch künstliche Materialien verwendet werden. Je nachdem, wo der Bypass gelegt werden muss, können die operierenden Ärzte eine Arterie oder Vene des Patienten an einer anderen Stelle entnehmen und an die Engstelle implantieren. Nur wenn dies nicht möglich ist, werden künstliche Bypässe gelegt, die jedoch meist eine geringere Lebensdauer haben. Der Eingriff wird unter Vollnarkose und unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt.
Je nach gestellter Diagnose kann das Implantieren eines Herzschrittmachers notwendig werden. Ein Herzschrittmacher wird von den Herzzentren meist dann während einer Operation unter den Brustmuskel gesetzt, wenn ein Patient unter schweren Herzrhythmusstörungen leidet und das Herz somit unregelmäßig schlägt. Der Herzschrittmacher ist ein kleines Gerät, das mit einer speziellen Batterie betrieben wird, die etwa sechs bis 14 Jahre lang hält. Für den Eingriff erhält der Patient eine örtliche Betäubung. Der operierende Arzt setzt einen Schnitt unterhalb des Schlüsselbeines und führt hier über eine bestimmte Vene, die dort verläuft, die Elektroden des Schrittmachers ein. Während mehrerer Röntgenaufnahmen kann der Arzt beurteilen, ob die Elektroden richtig sitzen. Der Schrittmacher selbst wird dann meist unter dem Brustmuskel eingepflanzt. Regelmäßig muss sich der Patient nun untersuchen lassen, wie lange die Batterie des Gerätes noch anhält. Auch diese Messungen werden in den Herzzentren durchgeführt. Ist ein Austauschen der Batterie notwendig, so geschieht auch dies in einem Herzzentrum.
Auch ein Defibrillator kann implantiert werden, wenn das Herz des Patienten immer wieder aufhört zu schlagen. Das Gerät sorgt für einen regelmäßigen Herzschlag. Auch dieser Defibrillator wird unter den Brustmuskel implantiert. Regelmäßig muss auch hier die Leistungsfähigkeit der Batterie überprüft werden.
Im Herzzentrum werden auch viele andere Operationen wie z.B. Herzklappenersatzoperationen oder Korrekturen von angeborenen Herzfehlern durchgeführt. Babys und Kinder werden in der Kinderkardiologie behandelt, da hier meist kleinere Geräte zur Behandlung notwendig sind und die Ärzte eine spezielle Ausbildung benötigen.
Bei schweren Herzerkrankungen kann auch eine Herztransplantation notwendig werden. Der Patient benötigt in diesem Fall das Herz eines Organspenders.
Während einer Herzoperation ist häufig der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine notwendig. Dies ist dann der Fall, wenn die Operation am offenen Herzen durchgeführt wird. Während dieser Eingriffe ist meist nötig, dass das Herz aufhört zu schlagen, so dass der operierende Arzt die Operation millimetergenau vornehmen kann. Auch Blut darf bei diesen Eingriffen nicht durch das Herz fließen. Die Arbeit von Lunge und Herz übernimmt während der Operation die Herz-Lungen-Maschine. Die Maschine wird dazu für kurze Zeit in den Kreislauf des Körpers eingebaut, so dass das Blut, das normalerweise durch Herz und Lunge fließt, durch die Maschine fließt.
Die meisten Herzzentren bieten Spezialsprechstunden für Eltern herzkranker Kinder z.B. in den Bereichen Sport, Rhythmusstörungen, fetale Echokardiografie oder im Bereich Genetik-Kardiologie an.
In einem Herzzentrum arbeiten viele verschiedene Fachärzte wie Internisten mit dem Schwerpunkt Kardiologie, Kinderkardiologen, Herzchirurgen, Gefäßchirurgen, Radiologen, Angiologen, Anästhesisten und Psychologen. Auch sehr viele nicht-medizinische Mitarbeiter sind in den Herzzentren tätig. Dazu gehören Gesundheits- und Krankenpfleger (Krankenschwestern), Operationsschwestern, Kinderkrankenschwestern, Mitarbeiter des Sozialdienstes, Zivildienstleistende, medizinische Fachangestellte, Ernährungsberater, Physiotherapeuten und viele Reinigungskräfte.
In den Herzzentren werden viele sehr teure Geräte zur Behandlung der Patienten benötigt. Schwerkranke Patienten oder Patienten, die gerade operiert wurden, werden auf der Intensivstation behandelt. Dort sind sämtliche Arten von Beatmungsmaschinen und Kreislaufüberwachungsgeräte vorhanden.
Die meisten Herzzentren sind zudem nach Fachgebieten wie Herz- und Gefäßchirurgie, Herz- und Kreislauferkrankungen, angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie aufgeteilt. Die Kliniken haben etliche Operationssäle, Untersuchungs- und Behandlungsräume, eine Radiologieabteilung und ein Labor. Da die meisten Operationen in einem Herzzentrum millimetergenau durchgeführt werden müssen, unterstützen spezielle Operationsroboter die Ärzte bei ihrer Arbeit.
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