22. Oktober 2010
Von Andreas Hadel
Seit Mitte der 90er Jahren zeigt eine bestimmte Substanz eine immer größer werdende Präsenz in den Regalen der Body-Shops und in den Theken der Fitness-Studios: Tribulus Terrestris. Was zunächst wie der Name eines Mitstreiter an Spartakus' Seite klingt, ist in Wirklichkeit ein potentes Kraut, das als Supplement in seiner Wirkung der Schlagkraft des ruhmreichen Gladiators in nichts nachsteht.
Tribulus Terrestris findet seit jeher in Asien in der traditionellen Medizin seine Anwendung. Während sich der Ausbreitungsraum der Pflanze ursprünglich auf China und Indien begrenzte, findet man das Heilkraut mittlerweile auch in großen Teilen der USA als Teil der natürlichen Flora. Die Sowjetunion verwertete in den 80er Jahren die Erkenntnisse seines kommunistischen Bruderlandes und setzte eigene Forschungen und Untersuchungen an der Pflanze fort. Als nach dem Zusammenbruch des Ostblocks immer Osteuropäische Sportler von der immensen Effektivität berichteten, wurde auch das Interesse der westlichen Sportwissenschaftler an Tribulus geweckt. Seit 1995 befindet sich das Kraut aus den chinesischen Bergen auf einen offenbar unaufhaltsamen Siegeszug durch die Welt der Supplemente.
Allgemein kommt Tribulus Terrestris häufig in extrahierter Form als Entzündungshemmer und Anti-Oxidant zum Einsatz. Irakische Mediziner konnten nachweisen, dass sich damit zum Beispiel bakterielle Erkrankungen in der Harnröhre gezielt behandeln lassen. Weiterhin konnte bei der Einnahme von Tribulus auch eine aphrodisierende Wirkung beobachtet werden. Tierversuche haben zudem gezeigt, dass die Einnahme einen Anstieg des intrakavernösen Drucks verursachen kann. Das deutet daraufhin, dass die Einnahme von Tribulus Terrestris für Männer mit Erektionsstörungen Erleichterung verschaffen könnte. Auf Grund seiner anti-oxidativen Wirkung wird Tribulus auch mit der Präventation einiger Krebsarten in Verbindung gebracht. Konkrete Studien stehen dazu jedoch noch aus. Ebenso wie für Fälle, in denen die Einnahme zu einer erfolgreichen Bekämpfung von Nierensteinen, Bluthochdruck oder Schuppenflechten führte.
Forschungsergebnisse bulgarischer und russischer Wissenschaftler weisen darauf hin, dass der regelmäßige Konsum von Tribulus Terrestris zu einer Erhöhung des Testosteron-Spiegels und der DHEA-Werte führen kann. Diese Beobachtung begründet die Wissenschaft mit den in der Pflanze vorkommenden Phytochemikalien Dioscin, Protodioscin und Diosgenin, die die Freisetzung von Hormonen begünstigen und so eine anabole Wirkung erzielen. Die Erhöhung der Testosteron-Werte kann nicht nur ein gesteigertes Muskelwachstum mit sich bringen, sondern auch die Trainingsaggressivität erhöhen. Nicht ohne Grund also, wurde Tribulus unter Leistungssportlern als "Geheimwaffe" bezeichnet, bevor es schließlich den Sprung in die Supplement-Regale schaffte und populär wurde.
Problematisch bei all den Studien, die Tribulus eine positive Wirkung auf die Trainingsleistung bescheinigen, ist jedoch, dass sie nur an Tieren durchgeführt wurden. Bei Versuchsreihen mit menschlichen Probanden fielen die Ergebnisse geringer aus.
Obwohl bisher noch keine negativen Nebenwirkungen bekannt geworden sind, wird Personen mit einer hormonabhängigen Erkrankung wie Brust- oder Prostatakrebs von einer Einnahme abgeraten.
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