Enzian in der Natur und Heilkunde

In vielen Volksliedern wird er besungen und man bringt ihn immer in Verbindung mit den Alpen. In der Pflanzenheilkunde nimmt der zu den Bitterstoffdrogen gehörige Gelbe Enzian (Gentiana lutea) eine bedeutendere Rolle ein als der Blaue Enzian, da man ihm eine größere Heilwirkung zuschreibt. Durch Heinos "Blau blüht der Enzian" ist der Enzian vielen bekannt.

Merkmale, Arten, Standorte, Inhaltsstoffe und Verwendung von Enzian als Heilmittel

Schon im 5. und 4. Jahrhundert vor Christus war der Enzian bekannt; er wurde bei Rheuma und Gicht eingesetzt. Im Mittelalter fand er zusätzlich bei Magenerkrankungen und als Wurmmittel Verwendung. Der berühmte Pfarrer Kneipp war sogar der Meinung, dass man mit Salbei, Wermut und Enzian eine gesamte Apotheke ersetzen kann.

Der Enzian heißt mit botanischem Namen Gentiana und er gehört zu der Familie der Enziangewächse. Als heilkräftig bezeichnet man hauptsächlich den Gelben Enzian, dessen botanische Bezeichnung Gentiana lutea lautet. Volkstümlich kennt man ihn unter den Namen

  • Anzianwurzel
  • Bergfieberwurzel
  • Bitterwurzel
  • Darmwurzen
  • Gelbsuchtwurzen
  • Halunkenwurz
  • Istrianswurzel
  • Jänzene
  • Jäuse
  • Sauwurz
  • Zergang und
  • Zinzalwurz.

Arten

Es gibt weltweit bis zu vierhundert Enzian Arten; neben dem Gelben Enzian zählen auch

  • der Kochsche Enzian
  • der Alpen-Enzian
  • der Schwalbenwurz-Enzian
  • der Bayerische Enzian
  • der Kurzblatt-Enzian
  • der Clusius-Enzian
  • Kreuz-Enzian und
  • Tauern-Enzian

dazu.

Merkmale

Blauer Enzian
Blauer Enzian auf Gebirgswiese

Der Enzian ist eine Gebirgspflanze und eine ausdauernde krautige Staude. Die armdicke Wurzel ist tief greifend und kann bis zu einem Meter lang werden. Der hohle Stängel trägt kreuzgegenständige und große graugrüne Blätter mit einem glatten Blattrand. Die Blätter sind im unteren Bereich kurz gestielt, im oberen Bereich ungestielt; sie weisen eine ausgeprägte Nervatur auf.

Der Stängel wächst aufrecht und kann eine Wuchshöhe bis zu über einem Meter erreichen. Die Pflanze wächst sehr langsam und es kann Jahre dauern, bis sie blüht, dafür erreicht sie eine hohe Lebensdauer. Der Enzian wächst quirlig in mehreren Etagen, in den Blattachseln der Hochblätter stehen die gelben Blüten in Trugdolden.

Die Blütezeit ist von Juni bis August, aus den Blüten entwickeln sich Schoten welche die Samen enthalten.

Standorte

Man findet Enziane hauptsächlich in den Gebirgen der Nordhalbkugel, aber auch in den Anden. In den Alpen wachsen etwa fünfunddreißig verschiedene Arten. Der Gelbe Enzian ist in den Alpen und anderen Hochgebirgen in Mittel- und Südeuropa verbreitet. Da er immer seltener wurde, steht er unter Naturschutz; inzwischen haben sich die Bestände etwas erholt. Der Enzian gedeiht am besten

  • auf einem nährstoffarmen, kalkhaltigen und humosen Boden
  • mit einer regelmäßigen Feuchte.

Er mag keine pralle Sonne und bevorzugt

  • einen halbschattigen Standort.

Inhaltsstoffe

Zu seinen Hauptbestandteilen gehören unter anderem

  • Alkaloide
  • Berberin
  • Bitterstoffglykoside und
  • Gerbstoffe.

Medizinische Verwendung

Gelbe Enzian (Gentiana lutea)
Hilft hervorragend als Magenmittel

Zur medizinischen Verwendung kommen die Wurzeln und Wurzelstöcke, die man mit lateinischem Namen als Gentianae radix bezeichnet. Sie enthalten viele Bitterstoffe und weisen einen Bitterwert von mindestens 10.000 auf. Das heißt, dass Enzian in einer Verdünnung von 1:10.000 noch bitter schmeckt. Dies macht den Gelben Enzian zu einem hervorragenden Magenmittel.

Wirkung

Die Hauptwirksubstanz des Enzians sind seine Bitterstoffe. Diese regen reflektorisch die Sekretion von Speichel- und Magensaft an. Auch die Gallesekretion wird durch Enzian beeinflusst. Er wirkt

  • appetitanregend
  • blähungswidrig
  • verdauungsfördernd
  • antibakteriell
  • kräftigend und
  • anregend.

Anwendungsgebiete und -risiken

Er hilft bei

Er fördert den Gallefluss und regt die Speichel- und Magensaftsekretion an, darf aber bei einem gereizten Magen oder Magen- und Darmgeschwüren nicht angewendet werden. Er stärkt den Kreislauf, soll aber bei zu hohem Blutdruck nicht eingenommen werden. Zudem kann es bei empfindlichen Personen während der Anwendung zu Kopfschmerzen kommen.

Anwendungsart

In der Regel wird der Gelbe Enzian

eingenommen. Für einen Enziantee wird ein Teelöffel Enzianwurzel mit 1/4 Liter Wasser fünf Minuten gekocht. Dieser Tee sollte mäßig warm vor den Hauptmahlzeiten getrunken werden. Patienten, die den bitteren Geschmack des Tees nicht mögen, können auch auf Fertigpräparate zurückgreifen. Auch der

hilft kurativ bei Verdauungsproblemen und man kennt

Vorwiegend in Bayern gibt es Enzianbrennereien, in denen der berühmte und traditionelle Enzianschnaps gebrannt wird. Man kennt ihn auch als appetitanregenden Magenbitter und Aperitif.

Quellen:

  • Andrew Chevallier: Das große Lexikon der Heilpflanzen: 550 Pflanzen und ihre Anwendungen, Dorling Kindersley Verlag GmbH, 2017, ISBN 3831032327
  • Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen: Botanik, Drogen, Wirkstoffe, Anwendungen, Kosmos, 2004, ISBN 3440093875
  • Mannfried Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen: Gesund durch die Heilkräfte der Natur, Nikol Verlagsgesellschaft, 2013, ISBN 3868201912
  • Karin Buchart, Miriam Wiegele, Andreas Leitner: Die Natur-Apotheke: Das überlieferte und neue Wissen über unsere Heilpflanzen, Servus, 2019, ISBN 9783710401718
  • Vital Experts: HEILPFLANZEN - Das Naturheilkunde Buch, 2019, ISBN 1713160064
  • Ursel Bühring: Alles über Heilpflanzen: Erkennen, anwenden und gesund bleiben Kindle Ausgabe, Verlag Eugen Ulmer, 2007, ISBN 3800149796
  • Ursel Bühring: Heilpflanzenrezepte: Die besten aus der Freiburger Heilpflanzenschule, Verlag Eugen Ulmer, 2014, ISBN 3800179962
  • Siegrid Hirsch: Kräuter-Rezeptbuch: Hausmittel & Salben, Säfte & Marmeladen, Kräuterwein & Liköre, Essig & Öl, Freya, 2014, ISBN 3902540001
  • Peter Emmrich: Kurzcharakteristik Die Kraft der Heilpflanzen, Weg zur Gesundheit, 2017, ISBN 3925207317
  • Bernhard Uehleke, Johannes Mayer, Kilian Saum: Handbuch der Klosterheilkunde: Neues Wissen über die Wirkung der Heilpflanzen. Vorbeugen, behandeln und heilen, Zabert Sandmann, 2008, ISBN 3898832260
  • Peter Spiegel: Das BLV Heilkräuter-Buch: Gesundheit aus der Natur, BLV, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH, 2013, ISBN 3835409751

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