Laborwerte - Grundlegende Hinweise zum Verstehen von Laborbefunden

Einen wichtigen Bestandteil der medizinischen Diagnostik stellen Laboruntersuchungen dar. Für den Laien sind die Laborwerte bza. Laborbefunde jedoch meist nur schwer zu verstehen. Es handelt sich in der Regel um Untersuchungsergebnisse von Blut- oder auch Urin- und Stuhlproben. Besonders die Blutprobe dient der Überprüfung von Funktionen wichtiger Organe. Lesen Sie alles Wissenswerte über Laborwerte.

Wissenswertes zu Laboruntersuchungen: Laborwerte verstehen leicht gemacht

Laborwerte - Eine Definition

Spricht man von Laborwerten oder Laborbefunden, sind damit die Untersuchungsergebnisse von

gemeint. Am häufigsten werden Blutuntersuchungen durchgeführt, bei denen man in einem Laboratorium unter anderem die Funktionen von wichtigen Organen wie

überprüft. Das schriftliche Resultat dieser Untersuchungen ist für die meisten Patienten jedoch nur schwer zu verstehen. So beinhaltet der Laborbefund zahlreiche Ziffern und Abkürzungen, die das genaue Verständnis ziemlich erschweren.

Kleines und großes Blutbild: Laborwerte des Blutes wie Hämoglobin, GPT oder CK

Die Blutuntersuchung zählt zu den wichtigsten Diagnosemaßnahmen, bei denen Laborwerte eine wichtige Rolle spielen. Unterschieden wird in kleines und großes Blutbild. Dabei sind besonders folgende Werte von Bedeutung:

Auch die Werte zahlreicher Hormone können im Blut gemessen werden, wie etwa

  • ACTH
  • Cortisol
  • FSH
  • Insulin
  • Progesteron
  • Prolaktin
  • Testosteron
  • Thyroxin

Beispiel: Laborwerte Blutgerinnung

Um die Blutgerinnung beurteilen zu können, werden unterschiedliche Messungen vorgenommen. Dazu zählen Faktoren wie Blutungszeit, artrielle Thromboplastinzeit und INR-Wert. Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Beispiel: Laborwerte BS (Blutsenkung)

Bei der Untersuchung der Blutsenkung beobachtet man das natürliche Verhalten des Blutes. Dabei liegt der Fokus auf festen und flüssigen Blutbestandteilen bzw. der Geschwindigkeit, in der sich beide voneinander trennen. Lesen Sie hier alles Wissenswerte über die Blutsenkung.

Beispiel: Laborwerte GFR (Glomeruläre Filtrationsrate)

Mit der glomerulären Filtrationsrate wird das Klärvermögen der Niere beschrieben. Damit ist die Filterfunktion gemeint, also inwieweit die Niere für die Entgiftung des Körpers sorgen kann.

Häufig wird in diesem Zusammenhang auch von Clearance (Klärfähigkeit) gesprochen. Damit wird angegeben, wie schnell die Niere dazu in der Lage ist, unterschiedliche Substanzen aus dem Blut zu entfernen.

Kreatinin gilt als hauptsächlicher Stoff, um eine Aussage darüber treffen zu können. Zu den notwendigen Faktoren zur Schätzung der Kreatinin-Clearance zählen

  • Alter
  • Geschlecht
  • Körpergewicht und
  • Keratininwert im Blutserum

Folgende Aussagen können dabei getroffen werden:

  • > 90 ml/min: normaler oder erhöhter GFR
  • 60 bis 89 ml/min: geringgradiger Funktionsverlust
  • 30 bis 59 ml/min: mittelgradiger Funktionsverlust
  • 15 bis 29 ml/min: schwerer Funktionsverlust
  • < 15 ml/min: Nierenversagen

Beispiel: Laborwerte CRP

Ist die Rede von CRP, meint man damit das C-reaktive Protein, welches bei Entzündungen in größeren Mengen im Blut nachweisbar ist. Ein normaler CRP-Wert liegt bei weniger als 5 mg/l bzw. 0,5 mg/dl. Alle Altersgruppen und beide Geschlechter sind dabei einbezogen. Weitere Informationen zum CRP-Wert im Blut erhalten Sie hier.

Beispiel: Laborwerte LDL und HDL

Auch über den Cholesterinspiegel lassen sich mit den Blutwerten Aussagen treffen. Es wird "gutes" von "schlechtem" Cholesterin unterschieden. Lesen Sie hier, welche Cholesterinwerte im Normbereich liegen, und welche Auswirkungen Abweichungen davon haben können.

Ziel und Zweck von Laborwerten

Laborbefunde sind für die medizinische Diagnostik überaus wichtig. Bestimmt werden die Laborwerte aus verschiedenen Gründen. Dazu gehören vor allem

  • das Diagnostizieren von Krankheiten
  • Vorsorgeuntersuchungen
  • das Kontrollieren des Therapieverlaufs oder
  • die Klärung der Operationsfähigkeit des Patienten.

Interpretiert werden die Laborbefunde vom behandelnden Arzt. Dieser gibt die Laboruntersuchung in Auftrag. Doch auch für den Patienten kann es wichtig sein, die Laborwerte zu verstehen.

Beurteilung von Laborwerten im Vergleich zu Normwerten

Die Bestimmung von Messwerten in Körperflüssigkeiten wie etwa Blut dient somit der Diagnose einer Krankheit oder der Beobachtung eines Verlaufs. Um aussagen zu können, wann ein Wert als auffällig eingestuft wird, bedient man sich einer bestimmten Richtgröße: die Beurteilung der Laborwerte erfolgt stets im Vergleich zu Normalwerten bzw. Normwerten oder auch Referenzbereichen.

Laborwerte im Normbereich/Referenzbereich

Ein Laborwert, der bei einem gesunden Menschen gemessen wird, wird bei einem anderen Menschen zur selben Zeit, ebenso bei derselben Person zu einer anderen Zeit, unterschiedlich ausfallen. Es gibt natürliche Schwankungen, die im Normalbereich einzuordnen sind. Dieser Bereich wird auch als Norm- oder Referenzbereich bezeichnet.

Die Ermittlung des Bereichs für einen Laborwert erfolgt, indem dieser Wert bei zahlreichen Menschen gemessen wird - der Bereich mit 95 Prozent der Werte wird als Referenzbereich bezeichnet. Bei fünf Prozent der gesunden Personen liegt ein höherer oder geringerer Messwert vor, sodass die Bezeichnung "Referenzwert" eher zutreffend ist als "Norm-" bzw. "Normalwert".

Es gibt zahlreiche Faktoren, die den Normbereich beeinflussen. Dazu zählen vor allen Dingen Alter und Geschlecht. Möglich sind auch Unterscheidungen der Grenzen je nach Labor.

Eine Fehlinterpretation lässt sich vermeiden, indem man eine Messung mehrfach wiederholt, wenn das Ergebnis eine Über- oder Unterschreitung des Referenzbereiches anzeigt. Bei bestätigter Abweichung gilt es, den Wert sorgfältig zu überwachen.

Die Aussagen von Laborbefunden

Laborwerte zur Untersuchung von Blut, Urin, Stuhl und Speichel
Bestandteile der Laboruntersuchungen

Zur korrekten Deutung eines Laborbefundes ist es wichtig, den Patienten stets individuell zu betrachten. Ein einzelner Wert für sich sagt normalerweise noch nicht viel aus. Kombiniert man die einzelnen Werte jedoch miteinander, ergibt sich ein eindeutigeres Bild.

So lassen sich dadurch Rückschlüsse auf bestimmte Krankheiten ziehen. Eine wichtige Rolle spielt auch das Material, aus dem eine Laborprobe gewonnen wird.

Bestandteil von Laboruntersuchungen sind in der Regel Blut, Urin oder Stuhl. Mitunter werden aber auch Speichelproben entnommen.

  • Im Rahmen von Blutuntersuchungen bestimmen die Labortechniker die Blutwerte. Dazu gehören zum Beispiel der Hämoglobingehalt, die Anzahl der Blutkörperchen oder die Eisenwerte.
  • Stuhluntersuchungen dienen unter anderem dazu, Bakterienarten zu bestimmen.

Verwendete Einheiten: Abkürzungen bei Laborwerten

Aufgrund von verschiedenen Normsystemen mit Orientierung an diversen Messsystemen kam es nicht selten zu Verwirrungen, was die Einheiten der Laborwerte betrifft. Seit dem Jahr 1971 gibt es ein System mit internationaler Gültigkeit, welches mit SI-Einheiten arbeitet, benannt nach dem Système International d’Unité. Genutzt werden die Kenngrößen

  • Meter (m)
  • Kilogramm (kg)
  • Sekunde (s) und
  • Stoffmenge (mol).

Volumenangaben sollten in Litern gemacht werden. Bei Stoffmengen sollte man Femtomol pro Liter (fmol/l) bis Mol pro Liter (mol/l) verwenden und Stoffmassen sind am besten in Picogramm pro Liter (pg/l) bis Gramm pro Liter (g/l) anzugeben.

Deutschlandweit verwendet man das SI-System vor allen Dingen in wissenschaftlichen Texten. Alte Einheiten, wie g/dl statt mmol/l werden jedoch immer noch oft in der Praxis oder im Krankenhaus genutzt.

In der folgenden Tabelle geben wir eine Übersicht über mögliche Einheiten.

Einheiten von Laborwerten - Beispiele
EinheitAbkürzungentspricht...
1 Gramm pro Deziliterg/dl1 Gramm pro 100 Milliliter
1 Milligramm pro Dezilitermg/dl1 Tausendstel Gramm pro Deziliter
1 Mikrogramm pro Deziliterµg/dl1 Millionstel Gramm pro Deziliter
1 Nanogramm pro Deziliterng/dl1 Milliardstel Gramm pro Deziliter
1 Milligrammäquivalent pro Litermval/l1 Tausendstel der Stoffmenge, die
einem Referenzatom (Wasserstoff) gleichgesetzt ist,
pro Liter
1 Milliliterml1 Tausendstel Liter
1 Mikroliterµl1 Millionstel Liter
1 Nanoliternl1 Milliardstel Liter
1 Pikoliterpl1 Billionstel Liter
1 Femtoliterfl1 Billiardstel Liter
1 Pikogrammpg1 Billionstel Gramm
1 Millimol pro Litermmol/l1 Tausendstel Mol pro Liter

Laborbefunde richtig deuten

Möchte der Patient einen Laborbefund näher erläutert haben, sollte er seinen behandelnden Arzt bitten, ihm die Werte zu erklären. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, eine zweite Meinung von einem anderen Mediziner einzuholen.

Von zahlreichen Laboratorien werden die Befunde auf grafische Weise dargestellt. Das heißt, dass Werte, die nicht mehr als normal gelten, rot gekennzeichnet sind, was sogleich auffällt.

Allerdings hat diese Vorgehensweise den Nachteil, dass sich manche Ärzte gar nicht mehr mit den Werten, die sich noch im Normalbereich befinden, beschäftigen und sie womöglich übersehen. Fallen dem Patienten Werte auf, die noch knapp im normalen Bereich liegen, sollte er seinen Arzt dazu befragen.

Hilfreich zum Verstehen von Laborbefunden kann auch entsprechende Literatur sein, in der die Materie dem Laien verständlich erklärt wird. Darüber hinaus bieten zahlreiche Gesundheits-Webseiten im Internet Erläuterungen der verschiedenen Abkürzungen und Begriffe von Laborbefunden an. Sich allein auf diese zu verlassen, stellt jedoch keinen sinnvollen Ersatz für einen Arztbesuch dar.

Keine eindeutige Diagnose allein durch Laborwerte

Nur weil ein Laborwert außerhalb des Normwertes liegt, muss noch keine Erkrankung vorliegen. Andersherum sind Werte im Normbereich kein Garant dafür, dass die entsprechende Person tatsächlich gesund ist. Eine Krankheit zu diagnostizieren oder auszuschließen, ist allein durch die Laborwertbestimmung nicht möglich.

Es müssen stets mehrere Diagnoseschritte und Befunde zusammenspielen. Dabei kommt es auf

  • eine Anamnese
  • die körperliche Untersuchung
  • die Befragung des Patienten zur Krankengeschichte und
  • weitere Untersuchungsmethoden

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