Leitungswasser-Qualität ist abhängig von den Hausleitungen

Zwei Drittel aller Deutschen greifen gern zu Leitungswasser, um ihren Durst zu löschen. Einige trinken fast ausschließlich das Wasser aus dem Kran, viele gelegentlich und nur wenige verzichten komplett darauf.

Bei alten Wohngebäuden ist es möglich, dass sich Blei im Wasser befindet

Wie eine GfK-Umfrage ergeben hat, gehört das Trinken von Leitungswasser zum Alltag der meisten Deutschen. 30,2 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, ausschließlich oder regelmäßig Leitungswasser zu konsumieren, 37,6 Prozent tun es gelegentlich.

Dabei wird in den östlichen Bundesländern häufiger zum Wasserglas gegriffen als im Westen; vor allem in Thüringen und Brandenburg, wo über die Hälfte der Befragten alltäglich Leitungswasser trinkt. Zudem scheinen Großstädter tendenziell mehr Kranwasser zu konsumieren als die Bewohner kleiner Ortschaften; von jenen trinken 9,2 Prozent überhaupt kein Leitungswasser.

Keimfreies Leitungswasser?

Leitungswasser gilt in Deutschland als sicheres Lebensmittel. Aber stimmt das? - In der Regel schon, wie Experten bestätigen. Das Trinkwasser gehört zu den am stärksten kontrollieren Lebensmitteln überhaupt und ist zu annähernd 100 Prozent bedenkenlos genießbar und von hervorragender Qualität.

Das kühle Nass aus den Leitungen der Wasseranbieter ist also sauber. Trotzdem kommt teilweise verunreinigtes Wasser aus dem Hahn in öffentlichen Gebäuden oder im eigenen Zuhause. Der Haken liegt hier auf den letzten Metern des Wasserwegs: Im Leitungssystem der Gebäude kommt das Wasser mit verschiedensten Materialien in Kontakt.

Die Rohrleitungen sind oft verschmutzt oder marode, ohne dass der Hausbesitzer es ahnt. So wird auch das sauberste Trinkwasser noch mit Keimen und Erregern versetzt, kurz bevor es aus dem Wasserhahn sprudelt.

Keime können jedoch auch durch so genannte Strahlregler ins Wasser gelangen

Mischdüsen sind Nährboden für ungesunde Keime

Die Idee ist gut: Strahlregler machen das Wasser weicher und reduzieren den Verbrauch. Die beliebten Luftsprudler sind aber auch ein hygienisches Risiko. In Tests überschritten vier von zehn Mischdüsen die erlaubte Keimzahl für Trinkwasser.

Wasser ist ein kostbares Gut. Viele Haushalte versuchen deshalb, ihren Verbrauch zu senken - mit kleinen Strahlreglern. Diese Mischdüsen werden einfach an den Hahn geschraubt und vermengen das durchströmende Wasser mit Luft. Der Strahl wird weicher, und die Rechnung sinkt. Die Wirbler reichern das Wasser aber nicht nur mit Sauerstoff an - sie bieten auch einen Nährboden für ungesunde Keime.

Wasser sauber - Düse schmutzig

Die Wasserqualität in Deutschland ist eine der besten weltweit. Was aus dem Hahn fließt, kann bedenkenlos getrunken werden - wenn keine Mischdüse angeschraubt ist. Bereits 2007 zeigte ein Test, dass sich in den Perlatoren ein gefährlicher Biofilm bilden kann.

Vier von zehn Proben aus Privathaushalten waren so belastet, dass sie nicht mehr Trinkwasserverordnung entsprachen. Teilweise wurden die Grenzwerte um das 100-Fache überschritten. Ein Sprudler gab sogar 3.000 Mal mehr Keime ab als erlaubt.

Gefährlicher Biofilm

Anders als Rohrleitungen bieten die Mischdüsen mit ihren feinen Plastiknetze einen idealen Nährboden für Bakterien. Je weiter sich der Biofilm ausbreitet, desto mehr Keime werden mit in das Wasser gespült.

Eine niedrige Keimbelastung ist für gesunde Menschen unproblematisch. Steigt die Keimzahl oder ist das Immunsystem geschwächt, etwa bei Kindern, Kranken oder älteren Menschen, können die Verunreinigungen zu Verdauungsproblemen führen. Im Extremfall müssen die Betroffenen sich erbrechen und leiden unter Durchfall.

Die Wasserqualität checken

Schon kleine Tricks können dabei helfen, den Kontakt mit stärker verkeimtem Wasser zu vermeiden: Wenn eine Leitung längere Zeit nicht genutzt wurde, sollte das Wasser kurz durchgelaufen lassen werden, denn hier ist die Keimgefahr besonders hoch.

Tipp: wenn das Wasser merklich kühler wird, ist es frisch. Das Gleiche gilt für ältere Armaturen, die häufig mit Nickel, Chrom oder Zink belastet sind.

Wer sich nicht sicher ist, wie es um die Wasserqualität im eigenen Zuhause steht, kann das auch von Experten testen lassen. Dafür gibt es private und staatliche Prüfinstitute, die in der Regel für 60 bis 80 Euro einen ausgiebigen Rundumcheck des Leitungswassers anbieten.

Tests, die sich nur auf Schwermetalle beziehen, werden teilweise für unter 30 Euro durchgeführt. Besonders wichtig ist das für Eigentümer von Immobilien - auch für Vermieter, denn sie sind verantwortlich für die Qualität der häuslichen Wasserleitungen.

Düsen regelmäßig reinigen

Um eine gute Wasserqualität zu garantieren, empfehlen Experten, auch bei Mischdüsen das Wasser vor dem Gebrauch kurz laufen zu lassen. Außerdem sollten Verbraucher ihre Strahlregler regelmäßig abschrauben und reinigen. Gegen Verkalkungen hilft ein Essig-Bad, das auch viele Bakterien zuverlässig abtötet.

Ein festes Intervall für diese Maßnahme gibt es nicht. Erste Ablagerungen erkennt man bereits daran, dass der Wasserstrahl nicht mehr weich aus dem Hahn strömt. Spätestens, wenn sich am Perlator eine Kalkschicht zeigt, ist aber eine Reinigung fällig. Für Arztpraxen bietet der Handel mittlerweile Düsen mit spezieller Laminarstrahltechnik, die den Keimen keinen Rückzugsraum bieten.

Blei im Trinkwasser - auch in Ihrem Haus?

In Sachen Schwermetall bereitet vielen Menschen besonders Blei einen Grund zur Sorge. Mitunter ist es möglich, dass Trinkwasser noch Blei in einem Maß enthält, das der Gesundheit schadet. Denn noch nicht überall wurden die ehemals verbauten Bleirohre oder Teilstücke im Rohrsystem, welche Blei enthalten, ausgetauscht. Seit 1.12.2013 gibt es jedoch einen neuen Richtwert für Blei im Trinkwasser, den Sie gegebenenfalls sogar einklagen können.

Vor allem schwangere Frauen, Säuglinge und Menschen mit chronischen Erkrankungen sind durch das Schwermetall gefährdet. Das Blei im Trinkwasser kann unter anderem zu Lähmungserscheinungen und Funktionsstörungen des Gehirns führen, denn Blei ist ein Nervengift.

Kleine Heimfilter sind nur dann eine Hilfe gegen das Blei im Trinkwasser, wenn die Kartuschen regelmäßig ausgetauscht werden. Ansonsten kann sich das Blei darin in gefährlichem Maße anreichern, wodurch Sie dann eine extrem giftige Substanz erhielten - alles andere jedenfalls als gesundes Trinkwasser. Doch was können Sie stattdessen tun?

Stellen Sie fest, ob Ihr Trinkwasser Blei enthält

Vor allem im Norden und Osten Deutschlands wurden noch bis 1973 Bleirohre verbaut. In Süddeutschland waren diese bereits ab 1878 verboten. In einer nicht repräsentativen Auswertung von 2010 stellte die Stiftung Warentest einen jeweils erhöhten Bleigehalt im Trinkwasser in den Regionen um Hamburg, Kiel, Bremen, Berlin, Potsdam, Magdeburg und Leipzig fest.

Ob in Ihrem Haus noch grundsätzlich Bleirohre verlegt wurden, können Sie leicht selber feststellen. Sehen Sie sich die Rohrausgänge von Wand zur Wasseruhr an. Sind diese rund gebogen, statt im rechten Winkel verlegt? Und hören sich die Rohre beim Klopfen dumpf und nicht metallisch an? Dann sind es Bleirohre und Sie müssen etwas unternehmen, damit diese ausgetauscht werden.

Der Eigentümer ist gefordert

Schreiben Sie Ihren Vermieter, bzw. den Eigentümer des Hauses an und fordern Sie ihn mit einer angemessenen Fristsetzung von etwa 14 Tagen auf, Ihnen die Unbedenklichkeit Ihres Trinkwassers zu attestieren. Dabei ist seit 1.12.2013 ein Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter nicht zu überschreiten.

Reagiert der Hauseigentümer nicht in angemessener Frist, können Sie bei Ihren Wasserwerken selbst ein Gutachten in Auftrag geben. Dies kostet in der Regel für Haushalte mit Schwangeren, Kleinkindern und Säuglingen nichts. Ansonsten nehmen die meisten Wasserwerke nicht mehr als etwa 20 Euro dafür.

Stellt sich ein laufend erhöhter Bleigehalt in Ihrem Trinkwasser heraus, können Sie Ihren Hauseigentümer dazu auffordern, bis zu einer angemessenen Frist die Rohre auszutauschen. Ansonsten können Sie bereits in diesem Schreiben eine Mietminderung wegen einem schweren Mangel der Mietsache ankündigen, die Sie jedoch erst nach Ablauf der gesetzten Frist (am besten nach Rücksprache mit einem guten Anwalt) wahrmachen. Um wie viel Prozent Sie Ihre Mietzahlung dann später tatsächlich kürzen, kann Ihnen am ehesten ein Anwalt in Mietangelegenheiten berechnen.

Hohe Werte, obwohl im Haus keine Bleirohre vorhanden sind?

Sollte bei Ihrem Trinkwasser ein mehrfach erhöhter Bleigehalt gemessen werden, obwohl Sie in Ihrem Haus selbst keine Bleirohre entdecken können, kann die Quelle auch im öffentlichen Wassernetz bestehen. Denn auch dort gibt es in manchen Regionen noch Verbindungs- oder Teilstücke, die aus Blei bestehen.

Dann sollten Sie sich unbedingt von einem Anwalt beraten lassen, was zu tun ist. Sicher geht es dann auch Ihren Nachbarn ebenso und auch bei diesen werden erhöhte Werte gemessen. Vielleicht können Sie eine gemeinschaftliche Besprechung in die Wege leiten, damit Sie sich gemeinsam für den Austausch dieser Bleirohre einsetzen können.

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