6. Juli 2006
Von Andreas Neubert
Er ist der Kaffee Italiens, der Espresso. Hocharomatisch sendet er sein Aroma aus einer kleinen dickwandige Tasse und kitzelt Nase und Gaumen der Espresso-Freunde. Mit etwas Zucker und heiß ist der kleine Schwarze mehr als ein Genuss. Südländische Lebensart der leichten Art. Espresso entfaltet aber auch eine sehr breite Wirkung, die Mediziner und Ernährungswissenschaftler beschäftigen.
Der Espresso heißt nicht Espresso, weil er express, also eben mal schnell zubereitet wird – so eine Variante der Namensentschlüsselung. Die Bedeutung des Wortes leitet sich von "espressivo" ab und soll darin liegen, dass das heiße Genussgetränk ausdrücklich für den Gast zubereitet wurde. Heute ist das Espressomachen durch die Maschinen in vielen Haushalten allgemein leichter. Andererseits bedeutet espressivo ja ausdrucksstark und passt genau auf die Geschmacksqualität. Andere wiederum behaupten, dass die Bezeichnung doch mit der schnellen Zubereitung zu tun hat.
Schnell zubereitet ist der Espresso ja wirklich. Der Wasserdampf hat nur etwa 20 bis 30 Sekunden Kontakt mit dem Espressopulver. Das garantiert das hohe Aroma und den hohen Anteil an Kaffeeöl. In hohem Maße außen vor bleiben dabei Bitter- und Reizstoffe. Am Ende des Maschinengangs steht der aromareiche Inhalt mit einer krönenden Crema in der kleinen dickwandigen und vorgewärmten Espresso-Tasse. Und die ist auch schnell ausgetrunken, denn das kultige Getränk ist nur heiß ein Genuss.
Das Coffein - das übrigens wegen der Stärke der Röstung und der kleinen Tassen geringer als beim Kaffee ist - und andere Inhaltsstoffe des Espressos sollen eine breite Wirkung entfalten. Von schlaffördernd bis ermunternd. Schmerzhemmend, Erhöhung des guten HDL-Cholesterins bei Übergewicht, Senkung des Brustkrebsrisikos bei Frauen, aber auch Steigerung von Nervosität und Angstzuständen, Schlaflosigkeit, roter Kopf oder reduzierte Durchblutung des Herzmuskels. In der CALM-Studie 2005 amerikanischer Forscher und anderen Untersuchungen wurde mit Vorurteilen aufgeräumt, dass Kaffee Blutdruck, Pulsfrequenz, Body-Mass-Index, Blutzuckerspiegel, Insulinmenge und verschiedene Blutfettwerte negativ beeinflusst.
Übrigens wirkt Espresso laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei regelmäßigen Kaffeetrinkern nicht entwässernd. Das oft dazu servierte Glas Wasser gleicht demnach nicht den Wasserhaushalt aus, sondern soll die Geschmackszellen quasi waschen, neutralisieren – für den nächsten Genuss-Schluck Espresso.
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