16. September 2010
Armagnac gilt heutzutage als der kleine Bruder des Cognac. Wie konnte es aber zu dieser - eher als abfällig einzustufenden - Bezeichnung kommen?
Die erste urkundliche Erwähnung von Armagnac geht bis ins Jahre 1461 zurück. Diese lässt sich heutzutage im französischen Musée de l' Armagnac in Condom vorfinden, also jener Region, die bis heute für diese Sorte des Weinbrandes berühmt ist. Doch warum kam es ausgerechnet in diesem Gebiet zur Herstellung eines Produkts, das heutzutage als die älteste französische Spirituose gilt?
Die Branntweinproduktion konnte in dieser Region auf eine lange Geschichte zurückblicken, da diese Region an drei Kulturkreise angrenzte, die alle hierfür wichtigen Techniken perfektioniert hatten. So sind in diesem Zusammenhang einerseits die Maurer zu nennen, die für ihre Destillationstechniken bekannt waren. Die Gallier rühmten sich wiederum ihrer Handwerkskunst, welche im Falle der Armagnacproduktion bei der Fassproduktion von Bedeutung war. Die Römer verfügten letztlich über ausgereifte Weinbaukenntnisse, also dem Grundwerkzeug für die Produktion dieses Getränks. Nichtsdestotrotz war der Armagnac zu dieser Zeit nicht das Genussmittel, als welches dieser heutzutage angesehen wird. Vielmehr handelte es sich hierbei offiziell um ein Arzneimittel. Ein Missbrauch als Genussmittel dürfte innerhalb der Gesellschaft natürlich trotzdem an der Tagesordnung gestanden haben.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Armagnac schließlich zum Exportschlager. So war dieser Branntwein weitaus länger haltbar und leichter zu lagern als klassischer Wein, für welchen diese Region ursprünglich bekannt war. Aufgrund des steigenden Bekanntheitsgrades und der Tatsache, dass der Armagnac zu einer eigenen Schnapssorte aufstieg, wurden schließlich im Jahre 1909 Regelungen erlassen, welche dessen Herstellung spezifizierten und definierten. So darf dieser bis heute lediglich in den Regionen Bas-Armagnac, Ténarèze und Haut-Armagnac produziert werden. Des Weiteren wird dessen Herkunft und Qualität heutzutage durch die Appelation Contrôlée untersucht. Bei dieser handelt es sich um ein Kontrollorgan aus Teilregionen Frankreichs und der Schweiz, welches auf landwirtschaftliche Güter spezialisiert ist.
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