Wissenswertes über Absinth - Herstellung, Sorten, Trinkweisen und Verwendung als Heilmittel

Der Absinth kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. So wurde dieser zunächst als Heil- und später als Genussmittel eingesetzt. Doch welche Stationen durchlief der Absinth während seiner jahrtausendlangen Entwicklung?

Zu den Inhaltsstoffen zählen z.B. Anis, Wermut, Fenchel oder Melisse

Geschichte

Absinth kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Der Name leitet sich dabei vom französischen "absinthe" ab, welches in etwa der deutschen Bedeutung von Wermut entspricht. Die Kräuter, welche auch heute noch zur Absinthproduktion herangezogen werden, stellten bereits fast viertausend Jahre vor Christus beliebte Heilpflanzen dar.

Dass es sich bei deren Einsatz nicht zwangweise um einen reinen Placebo Effekt handelte, konnten heutige Studien mit Morbus Crohn Patienten nachweisen. In den folgenden Jahrtausenden kam es immer wieder zum Einsatz dieser Kräuter.

Die Erfindung des heutigen Absinths ließ aber noch bis ins 18. Jahrhundert auf sich warten. So kam es im schweizerischen Bezirk Val-de-Traver zur ersten schriftlichen Fixierung des Rezepts für Absinth. Nichtsdestotrotz wurde dieses auch damals noch als ein medizinisches Heilmittel und nicht als Genussmittel eingesetzt.

Inhaltsstoffe und Herstellung

Zur Herstellung von Absinth wird sehr viel Alkohol benötigt. Untersuchungen zufolge ist auch genau dieser Alkoholgehalt der Grund dafür, dass der Absinth nur in Maßen getrunken werden sollte, zumal der Alkoholgehalt auch unterschiedlich sein kann. Je nach Herstellungsart und Hersteller kann er bei 40 Prozent liegen, es gibt jedoch auch Getränke mit mindestens 80 Prozent Alkoholgehalt.

Neben dem Alkohol sind im Absinth noch

enthalten. Ein Teil dieser Grundzutaten, zumeist der Wermut und Anis, werden in Neutralalkohol eingeweicht, welcher in der Regel einen Alkoholgehalt von rund 50-70 Prozent aufweisen sollte. Nach diesem Einweichungsprozess wird die Gesamtmasse destilliert. Dabei kommt es vor allem zu einer Trennung von Bitterstoffen, welche zuvor primär aus dem Wermut diffundiert sind.

Dem Destillat werden nun die restlichen Kräuter hinzugeben, welchen beispielsweise das Ysop angehört. So erreicht der Produzent neben der Verfärbung, welche für den Absinth typisch ist, auch noch feine geschmackliche Veränderungen des Gesamtprodukts.

Je mehr Alkohol, desto mehr Thujon

Vom Wermut wird ein ätherisches Öl verwendet, das Thujon enthält. Früher war man der Ansicht, dass nur der Thujon Schuld daran war, dass die Menschen nach dem Genuss von Absinth

und diverse weitere Beschwerden bekamen. Hohe Mengen Thujon haben auch definitiv schwere gesundheitliche Schäden zur Folge, da Thujon ein sogenanntes Nervengift ist. Thujon alleine verursacht diesen Rauchzustand jedoch nicht.

Seit genau festgelegt wurde, wie viel Thujon in alkoholischen Getränken enthalten sein darf, ist auch bei uns der Absinth wieder erhältlich. Je mehr Alkohol ein Getränk beinhaltet, desto höher darf sein Thujon-Gehalt sein, so die Verordnung. Den höchsten Gehalt an Thujon dürfen so genannte Bitterspirituosen enthalten.

Treten nach dem übermäßigen Genuss eines Absinths dennoch die bereits genannten Begleiterscheinungen auf, so ist dies nicht auf den Thujon sondern auf den hohen Alkoholanteil im Getränk zurückzuführen.

Absinth als Heilmittel

Wermut zählt zu den Heilpflanzen und

  • wirkt harntreibend und entzündungshemmend und
  • stärkt das Nervensystem.

Außerdem wird

Zusätzlich hat Wermut auch

  • eine fiebersenkende Wirkung.

Kontraindikation

Vorsicht hingegen ist geboten, wenn Wermut ohne ärztliche Hilfe oder ohne Rücksprache mit einer Hebamme in der Schwangerschaft eingenommen wird: Wermut regt die Gebärmuttertätigkeit an und könnte somit vorzeitige Wehen auslösen. Seine positiven Wirkungen kann der Wermut nur dann entfalten, wenn er in Maßen eingenommen wird.

Absinth als Genussmittel

Die Wandlung des Absinth zum Genussmittel vollzog sich erst in den 1860ern des bürgerlichen Frankreich. So etablierte sich der Absinth als preisgünstiges alkoholisches Getränk, welches vor allem während der Mittagszeit in geringen Mengen konsumiert wurde. Neben seiner Verbreitung fiel vor allem auch die Herausbildung einer eigenen Trinkkultur auf, welche sich in diesen Jahrzehnten zu festigen begann.

  • Der geringe Preis
  • die ausgeprägten Trinkrituale und
  • nicht zuletzt auch die starken Auswirkungen auf den menschlichen Geist

dürften dazu beigetragen haben, dass Absinth von da an auch als ein Getränk der Dichter und Künstler galt. So widmeten beispielsweise allein Manet und Van Gogh dem Absinthtrinken ein eigenes Werk.

Negative Aspekte führen zum Verbot

Mit der Verbreitung des Absinth stiegen allerdings auch dessen Gegner. Diese führten ins Feld, dass Absinth aus den Menschen Wahnsinnige mache, die zu Gewalttaten bereit seien und ein Suchtverhalten entwickeln würden. Daneben galt dieses Genussmittel auch als ein Auslöser für Epilepsie und Tuberkulose.

Zum Verbot führte schließlich aber erst ein Mord, der im Absinthrausch vollzogen wurde und über welchen flächendeckend in großen Teilen Europas berichtet wurde. Dem nahezu europaweiten Verbots, welches Anfang des 20. Jahrhunderts in Kraft trat, wurde mit Brennereien im Untergrund begegnet.

Heutige Rechtslage

Seit den 90er Jahren gilt in vielen Ländern der EU die Rechtslage als ungewiss. So war es einerseits vielen Anbietern möglich, die Zutaten so weit vom ursprünglichen Rezept abzuwandeln, dass das Endprodukt als legaler Absinth verkauft werden darf.

In anderen Ländern, beispielsweise Großbritannien, ist lediglich die Produktion, nicht aber der Verkauf von Absinth strafbar. Dies führte wiederum zu zahlreichen Importen, insbesondere aus dem osteuropäischen Raum.

Absinthsorten

Zunächst einmal haben zahlreiche Absinthsorten, welche in Getränkemärkten vorzufinden sind, wenig mit dem ursprünglichen Absinthrezept gemeinsam. So werden bei diesen die Geschmacks- und Farbgebung weniger durch eine sorgfältige Wahl der Zutaten, als vielmehr durch den gezielten Einsatz von Geschmacks- und Konservierungsstoffen erreicht.

Nichtsdestotrotz gibt es auch heute noch einige Sorten, welche hohe Qualitätsstandards mit geschmacklicher Reinheit vereinbaren. In zahlreichen Tests schnitt so beispielsweise der Cami Toulouse Lautrec Absinth aus Tschechien sehr gut ab. Neben

  • Tschechien

gelten aber auch

als Produzenten von hochwertigen Absinthprodukten.

Trinkweisen und -rituale von Absinth

Nicht nur früher sondern auch heute noch wird der Absinth im Rahmen verschiedener Rituale getrunken. Diese nennen sich z.B. tschechische oder Schweizer Trinkweise.

Frankreich

Vor über 150 Jahren gab es in Frankreich ein spezielles Ritual, wie und wann Absinth getrunken wurde. Zwischen 17 und 19 Uhr trafen sich sowohl reiche als auch arme Franzosen in den Kneipen ein, um ihren täglichen Absinth zu trinken. Dazu standen große Wasserbehälter auf den Tischen, die für das Trinken des Absinths benötigt wurden.

Sobald das bestellte Glas Absinth vor den Franzosen stand, legten sie einen speziellen Löffel mit einem Stück Zucker auf das Glas und ließen von den Wasserbehältern Wasser auf den Löffel tropfen. Das Wasser löste den Zucker und tropfte in den Absinth. Dadurch verfärbte sich das grüne Getränk milchig.

Aber auch noch heute wird dieses alkoholhaltige Getränk im Rahmen von Ritualen eingenommen. Das Ritual der Franzosen hat sich bis in die heutige Zeit hinein gehalten und wird heutzutage als "französisches Trinkritual" bezeichnet. Der Absinth wird hier - wie oben beschrieben - mit kaltem Wasser und Zucker vermischt und dann getrunken. Das Mischungsverhältnis variiert dabei.

Tschechien

Besonders spektakulär ist die "tschechische Trinkweise". Hier wird ein Stück Würfelzucker in das Glas Absinth getaucht und wieder herausgenommen. Anschließend legt man den getränkten Zucker auf einen Absinthlöffel und zündet den Zucker an. Dadurch karamellisiert der Zucker und wird dann in den Absinth gegeben.

Schweiz

Die "Schweizer Trinkweise" ist hier weniger spektakulär. Der Absinth wird dabei lediglich mit eiskaltem Wasser vermischt und dann getrunken. Etwas aufwändiger hingegen ist das "Brouille Trinkritual". Dazu wird nicht nur ein Glas Absinth benötigt, sondern auch ein spezieller Aufsatz aus Glas. Durch diesen Aufsatz läuft das eiskalte Wasser in den grünlichen Absinth und erzeugt so das perfekte Aussehen des Getränkes.

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  • Wermut - wormwood 03 © LianeM - www.fotolia.de

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