Lungenwürmer - Befall, Symptome und Therapie einer Paragonimiasis

Anatomie - Grafik der menschlichen Lunge

Der Lungenegel Paragonimus westermani verursacht beim Menschen eine Paragonimiasis

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  • von Paradisi-Redaktion

Lungenwürmer oder Lungenegel sind Parasiten, die sowohl Menschen als auch Tiere befallen. Die wichtigste Lungenwurmart beim Menschen ist der "Paragonimus westermani". Er verursacht einen Lungenwurmbefall, die sogenannte Lungen-Paragonimiasis, deren Beschwerden Ähnlichkeiten mit einer Tuberkulose aufweisen und zwingend behandelt werden müssen. Übertragen wird der Parasit meist durch den Verzehr roher Schalentiere. Erfahren Sie hier alles Wichtige über den Lungenwurm beim Menschen und das Krankheitsbild Paragonimiasis.

Was sind Lungenwürmer?

Der Lungenwurm oder Lungenegel ist auch als Paragonimus bekannt. Er zählt zu den Saugwürmern (Trematoden). Beheimatet ist der Parasit vor allem in Ost- und Südostasien. Doch auch in Afrika und Südamerika kommt er vor.

Humanpathogene Lungenwurmarten

Einige Arten der Lungenwürmer können beim Menschen Erkrankungen verursachen. Dabei handelt es sich in erster Linie um den Paragonimus westermani.

  • Paragonimus westermani
  • Paragonimus africanus
  • Paragonimus kellicotti
  • Paragonimus uterobiläterus
  • Paragonimus heterotremus
  • Paragonimus ecuadoriensis

Paragonimus westermani

Vom Paragonimus westermani wird beim Menschen die Lungen-Paragonimiasis (Lungenegelkrankheit) hervorgerufen. Schätzungen zufolge leiden rund um den Erdball ca. drei Millionen Menschen unter dieser Erkrankung.

Beheimatet ist der Paragonimus westermani vorwiegend in Japan, China, Taiwan, Korea, Thailand, Laos, Indien, Indonesien, Sri Lanka, den Philippinnen sowie in ehemaligen Sowjetstaaten. Weitere Arten kommen in Afrika und Lateinamerika vor.

Merkmale des Paragonimus westermani

Ausgewachsene Lungenegel weisen die Form eines kaffeebohnenförmigen, fleischigen Egels auf und haben eine bräunliche Färbung. Die Saugwürmer erreichen eine Länge zwischen 8 und 16 Millimetern sowie eine Breite zwischen 4 und 8 Millimetern. Gleichzeitig erreichen sie einen Umfang von 2 bis 6 Millimetern.

Bei den Lungenegeln handelt es sich um Zwitter, die in Zysten der Lungen leben. Nur in seltenen Fällen werden andere Körperregionen wie das Gehirn oder die Bauchorgane befallen. In der Regel wandern die Parasiten paarweise in die bindegewebsartigen Kapseln der Lunge ein und besiedeln sie.

Lebenszyklus des Paragonimus westermani

Lungenwürmer in Katzen und Hunden

Fleischfressende Tiere wie Hunde oder Katzen können ebenfalls von den Lungenwürmern befallen werden. Auch bei den Tieren siedeln sich die Parasiten in Lungenzysten an. Dort werden von ihnen Eier hergestellt. Weil die Hunde oder Katzen die Eier aushusten oder mit dem Kot ausscheiden, können sie ins Freie gelangen. Dringt ein Ei bis ins Süßwasser vor, kommt es nach drei Wochen zum Entstehen einer Wimpernlarve (Miracidium). Ist die Larve ausgeschlüpft, sucht sie sich einen neuen Zwischenwirt.

Zwischenwirt Schnecke

Bevorzugte Opfer der Lungenegel sind in erster Linie Wasserschnecken. Dabei handelt es sich zumeist um Exemplare der Familien Hydrobiidae, Thiaridae, Pleurociridae sowie Pachychilidae. Innerhalb der Schnecke setzt sich die Entwicklung des Lungenwurms in unterschiedlichen Stadien, die die Bezeichnung Redien tragen, fort. Schließlich gehen aus den Larven Zerkarien hervor, die die Schnecke anschließend verlassen.

Süßwasserkrabben und Krebse als Zwischenwirte

Als Zerkarien suchen sich die Lungenegel Süßwasserkrabben oder Krebse als neue Zwischenwirte und befallen sie. In deren Muskeln oder anderen Organen kapseln sich die Parasiten als Metazerkarien ein.

Übergang zum Endwirt

Als Endwirte der Lungenwürmer dienen sowohl Menschen als auch Tiere, von denen rohe Schalentiere gefressen werden. Die Paragonimidae verfügen als Metazerkarien über die Fähigkeit, die Wand des Zwölffingerdarms zu durchdringen und Leber oder Bauchhöhle zu befallen. Über das Zwerchfell können die Parasiten in die Lunge eindringen, wo sie eine Kapsel bilden, in der ihre Heranreifung zu einem erwachsenen Lungenwurm erfolgt. Bis die Eiablage beginnt, dauert es ca. 8 bis 10 Wochen.

Theoretisch sind die Lungenegel imstande, ein Alter zwischen 10 und 20 Jahren zu erreichen. In den meisten Fällen kommt es jedoch schon nach ein paar Jahren zu ihrem Absterben.

Gefährliches Schneckenessen

Eine Schnecke auf Holzbrett im Garten im Regen
Gartenschnecke © Nailia Schwarz - www.fotolia.de

Was anfing wie eine harmlose Mutprobe, endete auf der Intensivstation: ein 21-jähriger Australier verschluckte vor den Augen seiner Freunde eine rohe Gartenschnecke. Jetzt kämpft er dank einer seltenen Parasiteninfektion ums Überleben.

Die Infektion wurde allerdings nur indirekt durch die Schnecke verursacht. Offensichtlich hatte sie zuvor Rattenkot aufgenommen, der Larven des Ratten-Lungenwurms enthielt. Diese konnten dann ungehindert schlüpfen, in das Gehirn des jungen Mannes kriechen und schwere Hirnschwellungen und -entzündungen verursachen.

Paragonimiasis

Kommt es durch die Lungenwürmer zu einer Erkrankung, sprechen Mediziner von einer Paragonimiasis oder Paragonimose. Auch der Begriff endemische Hämoptyse findet mitunter Verwendung. Dabei treten Beschwerden auf, die Ähnlichkeit mit einer Tuberkulose haben.

Symptome einer Paragonimiasis

Wird auch der Darm von den Parasiten in Mitleidenschaft gezogen, besteht das Risiko von Durchfall sowie Schmerzen beim Stuhlgang. Via Blutbahn kann der Lungenwurm manchmal bis zu anderen Organen gelangen und dort Beschwerden hervorrufen. Wird das Rückenmark in Mitleidenschaft gezogen, drohen gar Lähmungen.

Bei einer Beteiligung des Gehirns leiden die Patienten oft unter

Wird auch die Haut befallen, kann dies die Bildung von kleinen Knötchen (Granulomen) unter der Haut nach sich ziehen. Dringt der Lungenegel bis zum Herz vor, besteht die Gefahr, dass die Infektion einen tödlichen Ausgang nimmt.

Diagnose einer Paragonimiasis

Besteht Verdacht auf einen Lungenwurmbefall, führt der Arzt in einem Labor eine mikroskopische Analyse von Stuhl- und Sputumproben durch. Außerdem finden serologische Tests statt, um Antikörper gegen die Parasiten nachzuweisen.

Bestätigen lässt sich die Diagnose durch den Nachweis der großen Wurmeier innerhalb von Sputum oder Stuhl. Mitunter werden die Eier auch in der Peritoneal- oder Pleuraflüssigkeit entdeckt. Zusätzliche Hinweise können Röntgenaufnahmen ergeben, die aber nicht als diagnostisch wegweisend gelten.

Therapie einer Paragonimiasis

Die Behandlung einer Paragonimiasis findet durch die Gabe von Medikamenten wie Praziquantel statt. Dieses Arzneimittel gehört der Wirkstoffgruppe der Anthelmintika an. Der Patient nimmt das Medikament zwei Tage lang drei Mal täglich zu sich. In schweren Fällen lässt sich die Dosis auch erhöhen. In manchen Fällen sind zudem mehrere Therapiezyklen notwendig.

Liegen Hautläsionen oder selten vorkommende Gehirnzysten vor, muss mitunter eine Operation erfolgen.

Prävention einer Paragonimiasis

Um nicht an einer Paragonimiasis zu erkranken, wird empfohlen, niemals Fleisch von Krebs oder Süßwasserkrabben zu verzehren, das nicht zuvor vollständig durchgegart wurde. Marinieren und Pökeln reicht als vorbeugende Maßnahme nicht aus.

Lungenwürmer bei Tieren

Der Lungenwurm tritt nicht allein beim Menschen auf, sondern kann auch verschiedene Säugetiere in den betreffenden Ländern befallen. Dazu gehören neben Haustieren wie Hunde, Katzen und Schweine auch verschiedene Raubtiere wie Wildkatzen, Wölfe, Füchse, Panther, Tiger, Leoparden, Marder, Biber, Waschbären, Nerze sowie krabbenfressende Mungos.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: menschliche lunge © sebastian kaulitzki - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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