Wundstarrkrampf - Ursachen, Symptome und Behandlung

Wundstarrkrampf äußert sich durch heftige Krampfanfälle der Muskeln. Die Diagnose ergibt sich für den Arzt meist aus den charakteristischen Symptomen. Tetanus wird durch Bakterien verursacht. Die Erkrankung endet trotz Behandlung oft tödlich.

Die Entstehung von Wundstarrkrampf und wie man Tetanus erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Tetanus, häufig auch unter der Bezeichnung Wundstarrkrampf bekannt, gehört zu den mit Abstand gefährlichsten Infektionskrankheiten, vor der es sich durch eine Tetanus-Impfung unbedingt zu schützen gilt. Denn nicht selten verläuft diese Krankheit mit tödlichem Ausgang.

Erreger dieser Erkrankung ist das im Erdboden befindliche Bakterium Clostridium tetani. Bei Verletzungen kann es in den menschlichen Organismus gelangen und sich dort vermehren, wenn kein Sauerstoff in die Wunde gelangt. Daher ist die Gefahr bei größeren oder sehr tiefen Wunden besonders groß, an Wundstarrkrampf zu erkranken.

Die Bakterien vermehren sich und sondern ein Nervengift ab, welches über das Blut ins Gehirn oder Rückenmark gelangt. Durch das Gift kann es zu starken Muskelkrämpfen oder Lähmungserscheinungen im gesamten Körper kommen, woran der Betroffene schlimmstenfalls zu ersticken droht. Es ist also nicht direkt der Tetanus-Erreger an sich, von dem die Gefahr ausgeht, sondern von seinem abgesonderten Nervengift.

Der Zeitpunkt, an dem die ersten Symptome auftreten, ist bei jedem Betroffenen unterschiedlich und nicht vorauszusehen. Es kann durchaus 3-4 Wochen, aber eventuell auch nur einen Tag dauern, ehe die typischen Krankheitserscheinungen auftreten.

Vor allem ältere Menschen ohne Impfauffrischung sind gefährdet

Laut Angaben der WHO sterben jährlich etwa 1 Million Menschen weltweit an einer Tetanus-Infektion. In Deutschland ist der Wundstarrkrampf überaus selten, da die Durchimpfungsquoten sehr gut sind.

Dennoch kommt es auch hierzulande aufgrund mangelnden Impfschutzes immer wieder zu Infektionen mit dem Tetanus-Erreger. Insbesondere ältere Menschen sind gefährdet, da sie häufig einem falschen Sicherheitsgefühl aufliegen, bei kleinen Verletzungen nicht zum Arzt gehen und dadurch die Auffrischung des Tetanusschutzes versäumen.

Clostridium tetani ist auf der ganzen Welt verbreitet, findet sich in Schmutz, Staub, im Erdreich, im Darmtrakt von Wiederkäuern und zum Teil in Exkrementen. Schon winzige Verletzungen durch Nägel, Holzsplitter oder Dornen sowie Hautabschürfungen und sogar Hühneraugen können Wundstarrkrampf auslösen, wenn der Erreger in die Blutbahn gelangt und sich ausbreitet.

Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nicht möglich. Der Erreger C. tetani ist extrem widerstandsfähig und immun gegen Desinfektionsmittel. Die Tetanus-Impfung gehört zu den wichtigsten überhaupt, deshalb sollte der Tetanusschutz auch mit zunehmendem Alter regelmäßig überprüft werden.

Ursachen

Als den Wundstarrkrampf auslösender Erreger gilt das Bakterium Clostridium tetani, welches sich lediglich in sauerstofffarmer Umgebung vermehren kann. Mit dem Tetanuserreger kann man sich infizieren, wenn man eine kleine Wunde hat und diese durch Schmutz, zum Beispiel von der Erde, von Steinen oder von Kot von Tieren verunreinigt wird.

Die Bakterien treten über die Wunde in den Körper ein und gelangen so zum Gehirn, von wo aus die heftigen Krämpfe verursacht werden. Wenige Tage bis zu zwei Monate, nachdem man sich mit den Bakterien infiziert hat, bricht die Erkrankung aus. Je kürzer die Inkubationszeit ist, also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung, desto ernstzunehmender ist die Erkrankung und desto heftiger fallen die Krämpfe aus.

Verlauf

Wie die Erkrankung verläuft, hängt davon ab, wie viele Erreger in die Wunde gelangt sind. Leichte Erkrankungen dauern etwa einen Monat, sehr schwere Erkrankungen können auch drei Monate andauern.

Sehr häufig treten im Rahmen der Erkrankung Komplikationen auf, die etwa bei jedem dritten tödlich enden. Durch die Krämpfe können die Betroffenen oftmals nicht mehr atmen und ersticken.

Während der Krämpfe treten auch oft Brüche an den Wirbelkörpern auf. Auch wenn Tetanus frühzeitig erkannt wird und der Patient sofort in ein Krankenhaus auf die Intensivstation kommt, kann die Hilfe bereits zu spät kommen.

Symptome

Wundstarrkrampf, meist auch Tetanus genannt, äußert sich anfangs durch Symptome wie

Im Verlauf der Krankheit bilden sich Krämpfe an den Muskeln des Kiefers (was ähnlich aussieht wie ein dauerndes Lachen) und schließlich nach und nach des ganzen Körpers. Auch das Schlucken bereitet dem Patienten Schmerzen.

Nach und nach verkrampfen immer mehr Muskeln. Auch die Muskeln der Ausscheidungsorgane sind betroffen, so dass der Patient schließlich weder Urin noch Stuhl abgeben kann. Durch die starren Muskeln während der Krämpfe hat der Patient starke Schmerzen

Ein Krampf dauert zwar meist nur etwa zwei Minuten, doch die Krämpfe treten fast ununterbrochen auf. Der Patient hat hohes Fieber und starke Atemprobleme durch die Krämpfe an der Muskulatur der Atmung.

Äußere Reize wie Licht oder Geräusche begünstigen einen Krampfanfall. Gelangt der Wundstarrkrampf in den Rippen- und Zwerchfellbereich, drohen Atemnot und Ersticken. In schweren Fällen kann es zu einem Wirbelsäulenbruch kommen. Betroffene haben starke Schmerzen, da sie bei einem Krampfanfall nicht bewusstlos werden. Im Endstadium der Erkrankung ist es dem Patienten nicht mehr möglich zu sprechen.

Diagnose

Die Diagnose Tetanus kann der Arzt bereits aufgrund der geschilderten Symptome stellen. Bestehen Zweifel an der Diagnose, können die Erreger auch durch einen Abstrich aus der Wunde bestimmt werden, durch die die Erreger in den Körper gelangt sind.

Therapie

Patienten mit Wundstarrkrampf erhalten ein Antibiotikum in sehr hoher Dosis. Die Behandlung findet auf einer Intensivstation im Krankenhaus statt.

Die Wunde, durch die die Bakterien in den Körper gelangt sind, muss umfassend gereinigt und offen gelassen werden, damit Sauerstoff in die Wunde gelangen kann. Da die Patienten Schwierigkeiten beim Atmen haben, wird auf der Intensivstation eine Atemmaske mit Sauerstoff angelegt oder - je nach körperlichem Zustand des Patienten - eine künstliche Beatmung eingeleitet.

Der Patient erhält eine Tetanusimpfung mit einem Wirkstoff, um seinen Körper anzuregen, Antikörper gegen die Erkrankung zu bilden. Zusätzlich wird dem Patienten ein Mittel gespritzt, das die Erreger, die noch auf dem Weg zum Gehirn sind, aufhalten kann.

Gegen die Muskelkrämpfe erhält der Patient ebenfalls Medikamente. Zusätzlich wird der Patient mit weiteren Medikamenten ruhig gestellt, während er in einem ruhigen und dunklen Raum liegt.

Trotz durchgemachter Erkrankung ist der Patient nicht immun gegen die Tetanusbakterien. Erfolgt nach erfolgreicher Behandlung keine Tetanusimpfung, kann der Patient nach kurzer Zeit erneut an Wundstarrkrampf erkranken.

Vorbeugung

Tetanus gehört heutzutage zu den Routineimpfungen, die bei jedem Säugling durchgeführt werden. Auch jeder Erwachsene sollte darauf achten, die Impfung regelmäßig auffrischen zu lassen.

Dank der Impfung gibt es heutzutage kaum mehr Fälle von Wundstarrkrampf. Zum vollständigen Schutz sind beim Erwachsenen drei Impfungen im Abstand von sechs Wochen und einem halben Jahr notwendig.

Säuglinge werden alle vier Wochen insgesamt viermal geimpft. Dann erfolgt eine weitere Impfung im Kindergartenalter von etwa fünf Jahren.

Sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Kindern erfolgt nach der Grundimmunisierung alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung. Meist wird die Tetanusimpfung mit der Impfung gegen Diphtherie kombiniert.

Verletzt man sich nun und es gelangt Schmutz in die Wunde, ist entscheidend, wann die letzte Tetanusimpfung stattgefunden hat. Ist sie länger als fünf Jahre alt, wird in jedem Fall aufgefrischt.

Auch wenn Zweifel bestehen, tendieren die Ärzte zur Auffrischung, um kein Risiko einzugehen. Die Tetanusimpfung wird von allen Krankenkassen gezahlt und zählt zu den wichtigsten Impfungen.

Wie wirkt die Tetanus-Impfung?

Gelangt der Tetanus-Erreger in den Körper, bildet er dort zwei Bakteriengifte. Für die Auslösung der typischen Symptome ist das Toxin Tetanospasmin verantwortlich.

Bei einer aktiven Tetanus-Impfung wird der Stoff Tetanol gespritzt, welchen man als eine mildere Form des Bakteriengifts Tetanospasmin bezeichnen kann, welcher keine Erkrankung hervorruft. Dennoch bildet das Immunsystem Antikörper dagegen. Wenn man sich nun mit dem Tetanus-Erreger ansteckt, greift das Immunsystem auf diese Antikörper zurück (und produziert auf schnellstem Wege neue) und bekämpft das Toxin.

Es gibt auch die passive Tetanus-Impfung; dabei werden bereits fertige Antikörper injiziert. Diese Impfform kommt zur Anwendung, wenn offene Wunden vorliegen, jedoch kein aktiver Impfschutz besteht. Der Impfstoff, der dabei angewendet wird, ist Tetagam. Er verhindert die Symptome oder kann sie zumindest lindern.

Quellen:

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  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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