Otosklerose - Ursachen, Symptome und Therapie

Bei der Otosklerose handelt es sich um eine degenerative Ohrenerkrankung. Dadurch kann es zu Schwerhörigkeit und Taubheit kommen.

Frauen zwischen 20 und 40 Jahren sind am häufigsten von der Otosklerose betroffen

Die Bezeichnung Otosklerose entstammt dem Griechischen. Übersetzt bedeutet der Begriff "Ohrverhärtung". Gemeint ist damit eine Verwachsung des Steigbügels, des innersten Gehörknöchelchens, mit dem Knochen.

Dies wirkt sich negativ auf die Beweglichkeit der Gehörknöchelchenkette aus und führt zu Beeinträchtigungen der Schallübertragung. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer kontinuierlichen Verschlechterung des Hörvermögens.

In Deutschland leidet etwa ein Prozent der Bevölkerung unter Otosklerose. Besonders betroffen von der Ohrenerkrankung sind Frauen zwischen 20 und 40 Jahren. Bei Männern zeigt sie sich dagegen seltener.

Mögliche Ursachen

Die genauen Ursachen der Otosklerose sind bislang nicht bekannt. Es wird angenommen, dass eine Störung von bestimmten Stoffwechselvorgängen zu Knochenwucherungen im Ohr führt.

Da die Otosklerose in manchen Familien gehäuft vorkommt, nehmen Mediziner an, dass genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei ihrer Entstehung spielen. Nicht selten entwickelt sich eine Otosklerose bei schwangeren Frauen, sodass wahrscheinlich auch hormonelle Einflüsse Auswirkungen auf die Umbauvorgänge im Ohr haben. Als weitere mögliche Auslöser gelten Virusinfektionen wie Mumps, Röteln oder Masern sowie Autoimmunprozesse des Körpers.

Folgen

Die Veränderungen, zu denen es bei einer Otosklerose kommt, zeigen sich nur am Felsenbein (Pars petrosa). Dabei handelt es sich um eine knöcherne Struktur, von der das Innenohr umgeben wird.

In den meisten Fällen setzen die Veränderungen am Übergang vom Mittelohr zum Innenohr, den man als ovales Fenster bezeichnet, ein. Dort befindet sich der so genannte Steigbügel (Stapes), ein beweglich befestigtes Gehörknöchelchen.

Aufgabe des Steigbügels ist die Übertragung von Schallschwingungen auf die Innenohrflüssigkeit. Kommt es im Rahmen der Otosklerose zu entzündungsartigen Veränderungen, hat dies das Wachstum von Knochen und Gewebe innerhalb dieses Bereiches zur Folge. Dadurch wird jedoch die Fußplatte des Steigbügels gewissermaßen eingemauert, sodass der Steigbügel an Beweglichkeit einbüßt.

Dies hat zur Folge, dass sich die Schallwellen nicht mehr richtig im Ohr weiterleiten lassen. Mitunter kommt es auch im knöchernen Labyrinth oder an anderen Innenohrstellen zu Veränderungen.

Symptome

Die Otosklerose wirkt sich vor allem auf das Hörvermögen des Betroffenen aus. So verschlechtert sich das Hören auf einer Ohrenseite.

Im Anfangsstadium kann es auch wieder zu einer Besserung des Hörvermögens kommen. Bei ca. 70 Prozent aller Patienten verschlechtert sich im weiteren Verlauf jedoch das Hörvermögen auf beiden Seiten der Ohren.

Darüber hinaus kann es zu weiteren Symptomen wie Tinnitus (Ohrgeräusche) und Schwindelgefühlen kommen. Im Laufe der Zeit nimmt die Schwerhörigkeit immer mehr zu. Im schlimmsten Fall droht sogar Taubheit.

Diagnose

Vor allem im Anfangsstadium ist eine Otosklerose nur schwer zu diagnostizieren. So lassen sich am Mittelohr und am Trommelfell zunächst meist keinerlei Veränderungen feststellen.

Durch einen Hörtest ist es möglich, Beeinträchtigungen der Schallleitung zu erkennen, was auf eine Störung der Schallübertragung vom Mittelohr zum Innenohr hinweist. In den meisten Fällen bleibt der Muskelreflex bei normaler Beweglichkeit des Trommelfells aus. Um die Ausdehnung der Verkalkungen in der Labyrinthkapsel zu ermitteln, wird eine Computer-Tomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt.

Im Rahmen des Rinne-Versuchs prüft man das Hörvermögen mithilfe einer Stimmgabel kann man zwischen einer Schallleitungs- sowie einer Schallempfindungsschwerhörigkeit unterscheiden. Als weitere Diagnosemöglichkeiten kommen

in Betracht.

Behandlung

Eine konservative Therapie ist bei einer Otosklerose nicht möglich. Daher erfolgt ein operativer Eingriff an Mittelohr und Innenohr.

Stapedektomie

Als besonders bewährte Methode gilt die Stapedektomie. Dabei ersetzt man den Steigbügel durch eine Kunststoff- oder Metallprothese.

Diese sorgt dann für die Übertragung des Schalls. So führt die Stapedektomie zu einer deutlichen Verbesserung der Schallleitungsschwerhörigkeit.

Während des Eingriffs erhält der Patient eine örtliche Betäubung. Meist lässt sich die positive Wirkung schon während der Operation feststellen. Nach der Stapedektomie erhält der Patient eine Ohrtamponade, die er zwei Wochen lang trägt.

Stapedotomie

Als weitere Operationsmethode bei Otosklerose kommt die Stapedotomie in Betracht. Da dieses Verfahren, das ähnlich wie die Stapedektomie abläuft, ein geringeres Komplikationsrisiko hat, wird es in der heutigen Zeit immer häufiger angewandt. So entfernt man bei der Stapedotomie nur die Steigbügelschenkel, während die Fußplatte erhalten bleibt.

Mithilfe einer spitzen Nadel oder eines Lasers wird ein kleines Loch in die Fußplatte gebohrt. Durch dieses Loch schiebt man dann eine Prothese aus Platin-Teflon und befestigt sie am Amboss. Auf diese Weise lassen sich die Schallschwingungen wieder besser übertragen.

Quellen:

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  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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