24. September 2008
(RaIA/dgk) "Ich habe einen Moment nicht aufgepasst, bin im Flur gestolpert und hingefallen. Ich weiß auch nicht, wie das kam", berichtet Ursula K. ihrer Tochter. Diese ist beunruhigt: Im Flur des Hauses gibt es keine Teppiche oder andere Stolperfallen. Auch war die Mutter schon vorher einmal ohne erkennbaren Grund gestürzt. Zufällig befand sich die Tochter in der Nähe und konnte ihr wieder aufhelfen. Dabei lallte die alte Dame kaum Verständliches. Ein erschreckender Zustand, der glücklicherweise nur ein oder zwei Minuten andauerte. Bei einem Arztbesuch Wochen später ist der Vorfall schon vergessen und wird nicht erwähnt.
Mit dieser Fallgeschichte macht die Zeitschrift "Ratgeber aus Ihrer Apotheke" in ihrer Ausgabe 10 A/2008 auf ein häufig verkanntes Warnsignal für einen Schlaganfall aufmerksam. Die Transitorische Ischämische Attacke – kurz TIA – ist eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns. Die Beschwerden ähneln denen eines "richtigen" Hirnschlags, sind jedoch leichter und gehen meist rasch wieder vorüber. Ohne ärztliche Behandlung kommt es aber in der Folgezeit häufig tatsächlich zu einem Schlaganfall mit bleibenden Schäden. Auslöser der Durchblutungsstörung im Gehirn sind meist Verengungen und Verschlüsse von Gehirnarterien durch eine fortgeschrittene Arteriosklerose ("Arterienverkalkung") oder ein kleines Blutgerinnsel.
Bei einer TIA können sehr unterschiedliche Symptome auftreten, je nachdem, welche Gehirnareale durch die Mangeldurchblutung betroffen sind. Die Symptome gleichen denen eines Schlaganfalls:
Auch wenn die Symptome sich wieder vollständig zurückbilden, ist die TIA keine harmlose Funktionsstörung des Gehirns. Ein gutes Drittel der Personen, die von einer TIA heimgesucht werden, erleidet oft schon Monate später einen Schlaganfall. Bei einem weiteren Drittel treten weitere TIAs auf, auch wenn sie keinen Schlag erleiden. Und nur etwa ein Drittel bleibt in der nachfolgenden Zeit von weiteren Ausfällen verschont. Deswegen muss der Arzt so schnell wie möglich schon während oder nach der Attacke informiert werden.
Durch eine gründliche neurologische Untersuchung, eine Blutuntersuchung und andere Verfahren kann der Facharzt für Neurologie der Ursache auf die Spur kommen. Mit einer Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern wird der Grad der Arteriosklerose gemessen, denn sie entwickelt sich meistens in diesem Bereich. Das Gehirn selbst wird mit einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht, denn Gerinnsel können auch Arterien innerhalb der Schädelhöhle verschließen und dadurch die Sauerstoffversorgung einzelner Regionen des Gehirns behindern. Wird das Gerinnsel aufgelöst oder zerfällt es, ist die Blutbahn wieder frei, und der Zustand normalisiert sich.
Bei der Therapie steht der Stoffwechsel im Vordergrund: Blutzuckerwerte, Blutdruck, Körpertemperatur, Blutgerinnung und anderes müssen überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Je nach Schweregrad des Befundes kommen Blut verdünnende Medikamente oder, bei einer stark verengten Halsschlagader (Stenose), auch eine Operation in Betracht. Beträgt die Verengung mehr als 70 Prozent, werden die Gefäßwandablagerungen ausgeschält. Sehr wichtig ist außerdem eine Änderung der Lebensgewohnheiten, denn eine gesunde Ernährung und viel sportliche Bewegung kann neben regelmäßiger Blutdruckkontrolle das Risiko deutlich vermindern.
Quelle: "Ratgeber aus Ihrer Apotheke", Ausgabe 10 A/2008
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