Schielen - Ursachen, Symptome, Formen und Behandlung

Ärzte unterscheiden verschiedene Formen des Schielens. Die Diagnostik erfolgt bei einem Augenarzt. Schielen kann unterschiedliche Ursachen haben. Es muss zwingend augenärztlich behandelt werden, um Sehschäden zu vermeiden.

Die Entstehung des Schielens, seine Formen und wie man den Strabismus erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Beim Schielen (Strabismus) handelt es sich um eine Abweichung eines Auges bezüglich der geforderten Blickrichtung. Je nach Ausrichtung des schielenden Auges unterscheidet man verschiedene Formen:

  • Beim Innenschielen (Esotropie, Strabismus convergens) weicht das schielende Auge nach innen ab
  • Beim Außenschielen (Exotropie, Strabismus divergens) weicht das schielende Auge nach außen ab
  • Beim Höhenschielen weicht das schielende Auge nach oben (Hypertropie) oder unten (Hypotropie) ab
  • Möglich ist auch ein kombiniertes Höhen- und Innenschielen

Auch erfolgt eine Unterteilung in Abhängigkeit der Ursachen.

Ursachen

Je nach Form des Schielens kommen unterschiedliche Ursachen infrage.

Begleitschielen

Das Begleitschielen, auch Strabismus concomitans oder Heterotropie genannt, das eine häufige Augenerkrankung bei Kindern darstellt, ist häufig vererbt. In mehr als der Hälfte der Fälle leidet auch ein Elternteil unter Strabismus bzw. zusätzlich unter einer weiteren Fehlsichtigkeit.

Bei eineiigen Zwillingen erfolgt das selbe Schielen zu 90 Prozent. Weitere Ursachen dieser Form des Schielens sind noch nicht bekannt.

Lähmungsschielen

Das Lähmungsschielen, auch Strabismus incomitans oder paralytisches Schielen genannt, ist die Folge verschiedenster Erkrankungen und Verletzungen. Wenn es schwere Komplikationen bei einer Entbindung gab, kann dies die Ursache für das Schielen bereits ab dem Neugeborenenalter sein.

Aber auch ein Gehirntumor, ein Bruch im Bereich der Augen oder die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus können ursächlich verantwortlich für das Lähmungsschielen sein.

Latentes Schielen

Das latente Schielen fällt erst dann auf, wenn einige Begleitfaktoren hinzukommen. Dazu zählt zum Beispiel

Ärzte vermuten, dass sieben von zehn Menschen unter dieser Form des Schielens leiden.

Verlauf

Wird das Begleitschielen bereits im Säuglingsalter erkannt und behandelt, bestehen gute Heilungschancen. Wird die Krankheit jedoch erst zu spät erkannt, kann dies zu bleibenden Sehstörungen führen. Die Behandlung erstreckt sich über mehrere Jahre und zieht meist eine Operation nach sich.

Wie sich ein Lähmungsschielen entwickelt, hängt von der auslösenden Grunderkrankung ab. Auch hier ist oftmals eine Operation notwendig.

Trotz Operation kann es erneut passieren, dass der Patient schielt. In diesem Fall wird dann eine weitere Operation notwendig.

Symptome

Von Schielen wird gesprochen, wenn die Pupillen bzw. die Iris beider Augen nicht parallel zueinander stehen. Die Pupillen bewegen sich dabei entweder zu weit aufeinander zu oder voneinander weg. Beim Betroffenen ist zum Beispiel eine Pupille ganz außen, während die Pupille des anderen Auges in der Mitte steht.

Das Schielen ist häufig mit weiteren Symptomen verbunden, wie zum Beispiel

Formen

Beim Schielen werden verschiedene Krankheitsformen unterschieden:

Begleitschielen

Das Begleitschielen tritt oft bei Kindern auf. Teilweise entwickelt sich diese Form des Schielens in den ersten Lebensmonaten, teilweise ist die Sehstörung auch angeboren. Auf dem Auge, das schielt, sieht der Betroffene meist schlechter als auf dem anderen.

Es besteht häufig eine Weitsichtigkeit, das heißt die Patienten sehen zwar in die Ferne gut, in der Nähe jedoch schlecht. Zusätzlich ist ein räumliches Sehen in der Regel nicht möglich. Der Winkel, in dem der Betroffene schielt, verändert sich mit den Augenbewegungen nicht.

Lähmungsschielen

Beim so genannten Lähmungsschielen sind - wie der Name der Augenerkrankung bereits sagt - einige Augenmuskeln gelähmt. Die Patienten, die unterschiedlichen Alters sind, sehen Bilder doppelt und fallen durch eine unnatürliche Haltung ihres Kopfes auf.

Zusätzlich ist den Patienten häufig übel und sie fühlen sich schwindelig. Bei dieser Schielform bewegen sich die Augen unterschiedlich.

Latentes Schielen

Das latente Schielen bildet sich durch Einwirkung verschiedenster Faktoren, wie zum Beispiel durch übermäßigen Alkoholgenuss. Die Patienten sehen Doppelbilder und haben Kopfschmerzen. Zusätzlich nimmt auch die Sehschärfe ab.

Diagnose

Facharzt für die Diagnostik des Schielens ist der Augenarzt. Da auch Säuglinge und Kleinkinder an diversen Augenerkrankungen leiden können, haben sich viele Augenärzte auf Kinder spezialisiert.

Bei den meisten Kindern wird das Schielen im Rahmen einer der Vorsorgeuntersuchungen (so genannte U-Untersuchungen) beim Kinderarzt festgestellt. Dieser stellt dann eine Überweisung zu einem Augenarzt aus.

Der Augenarzt sieht die Fehlstellung der Augen bereits ohne jegliche weitere Untersuchungen. Um eine eventuelle zugrunde liegende Erkrankung ausschließen zu können, werden dennoch weitere Untersuchungen an den Augen durchgeführt, beispielsweise verschiedene Sehtests. Die Untersuchungsergebnisse in Verbindung mit den geschilderten Beschwerden des Patienten ergeben für den Augenarzt die Diagnose Strabismus (Schielen).

Behandlung

Begleitschielen

Das Begleitschielen wird bei Kindern in der Regel durch Zukleben eines Auges behandelt. Dabei werden in festgelegten Abständen beide Augen abwechselnd abgeklebt, um auch das schwache Auge zu fordern (Okklusionsterapie, Pflasterokklusion). Wenn das Kind zusätzlich kurz- oder weitsichtig ist, erhält es zusätzlich zum Augenpflaster eine entsprechende Brille.

Diese augenärztliche Behandlung erstreckt sich über mehrere Jahre, bis sich die Sehschärfe des schwächeren Auges soweit verbessert hat, dass eine Operation möglich ist. Kinder, die erst seit dem Grundschulalter unter dem Schielen leiden, werden oftmals sofort operiert.

Lähmungsschielen

Das Lähmungsschielen wird entsprechend der Grunderkrankung behandelt. Wird diese konsequent therapiert, bildet sich häufig auch das Schielen von selbst zurück.

Anderenfalls erhalten die Patienten spezielle Brillen, die das Sehen von Doppelbildern verhindern. In einigen Fällen erfolgt auch hier eine Operation an den Augenmuskeln.

Vorbeugung

Gegen das Schielen kann man keine vorbeugenden Maßnahmen ergreifen. Wenn jedoch ein Elternteil einen Sehfehler hat, sollte man sein Kind frühzeitig einem Augenarzt vorstellen, um gegebenenfalls noch im Säuglingsalter eine entsprechende Therapie zu beginnen.

Quellen:

  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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