Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom) - Ursachen, Symptome und Behandlung

Scheidenkrebs verursacht zu Beginn der Erkrankung keine Symptome. Die Diagnose stellt der behandelnde Frauenarzt. Welche Ursachen zu einem Scheidenkrebs führen, ist noch nicht eindeutig geklärt. Nicht immer kann ein Scheidenkrebs geheilt werden.

Die Entstehung von Vaginalkrebs und wie man das Vaginalkarzinom erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Der Scheidenkrebs - auch Scheidenkarzinom , Vaginalkarzinom, Vaginakarzinom, Vaginakrebs oder Vaginalkrebs genannt - ist ein bösartiger, epithelialer Tumor der Scheide, also der inneren Geschlechtsorgane. In den meisten Fällen sind ältere Frauen betroffen; bei der Mehrheit der Karzinome handelt es sich um Plattenepithelkarzinome. Die Krebserkrankung tritt generell selten auf; häufiger liegen Metastasen anderer Karzinome vor; in diesem Fall spricht man von sekundären Vaginalkarzinomen.

Der Befall der Vagina kann dabei kontiunierlich sein. Dies ist vor allem bei einem Zervixkarzinom, zudem bei einem Durchbruch eines Karzinoms von der Harnblase, der Harnröhre oder des Mastdarms der Fall. Kommt es zu einer Metastasierung über den Lymph- oder Blutweg, spricht man von einem diskontinuierlichem Befall.

Ursachen

Ärzte kennen inzwischen Risikofaktoren, die einen Scheidenkrebs begünstigen. Dazu zählt die Infektion mit den so genannten Humanen Papillom-Viren, kurz HPV. Dieses Virus wird beim Geschlechtsverkehr übertragen und konnte bei vielen Patientinnen mit Scheidenkrebs festgestellt werden.

Bis zum Jahr 1971 wurde schwangeren Frauen gegen eine drohende Fehlgeburt ein spezielles Medikament verabreicht. Dieses Präparat enthielt ein künstlich hergestelltes Östrogen (ein weibliches Hormon) und gilt ebenfalls als Risikofaktor für einen später auftretenden Scheidenkrebs. Zwischenzeitlich ist dieses Medikament jedoch nicht mehr auf dem Markt.

Verlauf

Da der Scheidenkrebs häufig erst zu spät diagnostiziert wird, haben sich bei vielen Patientinnen schon Metastasen in anderen Organen gebildet oder die Lymphknoten wurden bereits in Mitleidenschaft gezogen. Je größer der eigentliche Tumor wird, desto weiter wächst er auch in benachbarte Organe ein und verursacht hier weitere Beschwerden.

Wächst der Tumor zum Beispiel in das Becken hinein, kann der Urin aus der Harnblase nicht mehr abfließen und es kommt zum Harnstau, der im Verlauf auch zu Nierenschädenführen kann. Konnte der Scheidenkrebs frühzeitig diagnostiziert werden, so bestehen gute Heilungschancen. Sind jedoch bereits die Lymphknoten befallen oder Metastasen zu finden, verringern sich die Heilungschancen.

Symptome

Wenn der Tumor eine bestimmte Größe erreicht hat, bemerken die Patientinnen einen blutigen Ausfluss, teilweise auch im Zusammenhang mit dem Geschlechtsverkehr. Im Verlauf der Erkrankung, wenn der Tumor weiter wächst, haben die Patientinnen Schmerzen im Unterbauch sowie Probleme im Bereich der Blase und des Darmes Beides kann oft nur noch unzureichend entleert werden.

Diagnose

Facharzt für die Diagnostik eines Scheidenkrebses ist der Gynäkologe. Wenn eine Patientin derartige Symptome schildert, entnimmt der Arzt einen Abstrich von der Scheidenschleimhaut und schickt diesen in ein Labor. Dort wird der Abstrich auf Krebszellen unter dem Mikroskop untersucht.

Zusätzlich wird häufig auch eine Probe aus der Scheidenschleimhaut entnommen und histologisch untersucht. Die Biopsie wird meist dann durchgeführt, wenn der Abstrich positiv ausgefallen ist, das heißt, es konnten Krebszellen im Abstrichmaterial gefunden werden.

Im weiteren Verlauf seiner Diagnostik führt der Arzt einen vaginalen Ultraschall (einen Ultraschall über die Scheide) durch. Zusätzlich erfolgt ein normaler Ultraschall der weiteren Organe.

Auch eine Endoskopie von Dickdarm und/oder den Harnwegen kann im Rahmen der Diagnostik notwendig werden, da ein Scheidenkrebs in einigen Fällen Fisteln in diesen Bereichen verursachen kann. Diese Untersuchungen werden jedoch nur dann durchgeführt, wenn der Frauenarzt eine Beteiligung dieser Organe vermutet.

Um Metastasen im Bereich der Lunge feststellen zu können, wird noch eine Röntgenaufnahme angefertigt. Eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie runden die Diagnostik meist ab, um das Ausmaß des Tumors feststellen zu können.

Behandlung

Grundsätzlich kann ein Scheidenkrebs durch eine Strahlentherapie oder eine Operation behandelt werden.

Operation

Kleine Tumore können dabei noch gut entfernt werden. Größere Tumore können die Ärzte oftmals nur dann operativ entfernen, wenn gleichzeitig auch die Scheide entfernt wird. Diese ausgedehnte Operation ist oft kombiniert mit der Teilentfernung von Blase und Darm.

Je nach Lage des Tumors werden unterschiedliche Eingriffe durchgeführt:

  • Befindet sich der Tumor im oberen Drittel der Scheide, werden Gebärmutter und Beckenlymphknoten entfernt; zudem erfolgt eine Teilentfernung der oberen Scheidenwand, was als Kolpektomie bezeichnet wird.
  • Befindet sich der Tumor im mittleren Drittel der Scheide, wird zusätzlich eine Kolpektomie mit der Lymphknotenentfernung in den Leisten sowie im Becken durchgeführt.
  • Befindet sich der Tumor im unteren Drittel der Scheide, erfolgt eine Kolpektomie mit einer eingeschränkten so genannten Vulvektomie, bei der die Vulva entfernt wird; auch die Leistenlympknoten werden entfernt.

Strahlentherapie

Wenn sich die Ärzte für eine Strahlentherapie entscheiden, kann diese von außen oder auch von innen erfolgen. Die Strahlentherapie bringt allerdings den Nachteil mit sich, dass es zur Fistelbildung im Bereich der Harnblase, der Harnröhre sowie des Mastdarms kommen kann.

In einigen Fällen wird zusätzlich eine Chemotherapie durchgeführt. Dies gilt für diejenigen Patientinnen, bei denen der bösartige Tumor bereits Metastasen gebildet hat.

Vorbeugung

Scheidenkrebs kann man nicht vorbeugen. Jedoch bestehen gute Heilungschancen, wenn der Krebs in einem frühen Stadium diagnostiziert wird.

Dies kann im Rahmen einer Krebsvorsorgeuntersuchung geschehen, auf die jede Frau einen Anspruch hat. Die Vorsorgeuntersuchung auf Krebserkrankungen im Bereich der weiblichen Geschlechtsorgane findet einmal jährlich durch einen Gynäkologen statt und wird von den Krankenkassen erstattet.

Quellen:

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