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Lesermeinungen zum Artikel "Wenn Zahlen für Schulanfänger wie eine Fremdsprache sind - Hilfe bei Dyskalkulie"

Lesermeinungen (2)

18.04.11 18:40
Franz Josef Neffe
Franz Josef Neffe

Beitrag von einem Gast oder ehemaligen Mitglied

Dyskalkulie ist hauptsächlich eine LEHRschwäche.

Da setze ich locker dagegen. Meine erste Klasse als Sonderschullehrer war eine 2.Klasse L. Nach einem Jahren (40 Wochen á 5 Mathestunden = 200 Stunden im Zahlenraum 1 bis 6) war für das zweite Jahr der 2oer-Raum vorgesehen. Ich frage mich, wer hält so eine Psychofolter aus: Was würde passieren, wenn ich die Schulräte eines Regierungsbezirkes in einen Saal sperrte und zwänge, 200 Stunden lang mit den Zahlen 1 bis 6 zu rechen? Hätten wir nicht spätestens nach 100 Stunden die ersten Mord- und Selbstmordversuche???
Nach wenigen Schulwochen schlug ich meinen Kindern - zu 100 % auf MEIN Risiko - vor, dass ich ihnen zeige, wie man schwere Aufgaben aus der 4. Klasse Grundschule richtig rechnet: Addieren von Millionenbeträgen.
Innerhalb einer Dreiviertelstunde konnten es alle. Sie waren viel konzentrierter als sonst, weil sie endlich einmal zeigen konnten, was sie wirklich können. Sie wollten gar nicht mehr aufhören. Zu Hause addierten sie noch freiwillig bis zu zehn Aufgaben mit jeweils bis zu zehn Millionenzahlen. Alles begeistert und alles richtig. Und wie gesagt: 2.Klasse Förderschule in den ersten Schulwochen nach dem Übergang vom Zahlenraum 1 bis 6 in den 20er-Raum. Alle 10 Schüler lösten nach einer Dreiviertelstunde souverän Aufgaben der 4.Klasse Grundschule.
Dieses Ich-kann-Schule-Experiment ist beliebig wiederholbar. Mein Fazit: Die, die es nicht können, machen aus den einfachsten Dingen des Lebens eine verkomplizierte Wissenschaft, die keiner mehr versteht und mit der sie nur von ihrem Nichtkönnen ablenken. So verursachen wir nur immer noch mehr Probleme statt sie zu lösen.
Ich grüße dennoch freundlich.
Franz Josef Neffe

30.11.11 00:56
Franz Josef Neffe
Franz Josef Neffe

Beitrag von einem Gast oder ehemaligen Mitglied

Hinter Rechenschwächen steckt i.d.R. eine geschwächte Rechenstärke.

Meine erste Klasse als Sonderschullehrer war eine 2.Klasse L. Da hat man sich schon ein Jahr lang = 40 Wochen á 5 Mathestunden = 200 Stunden lang mit den Zahlen von 1 bis 6 vergnügt. Was könnten Sie mit den Zahlen 1 - 6 denn 200 Stunden lang tun?
Vor 30 Jahren habe ich in meinen Vorträgen schon gefragt, was geschähe, wenn ich die Schulräte des Regierungsbezirks in einen Saal sperrte und zwänge 200 Stunden lang mit den Zahlen von 1 bis 6 (oder in der 1.Klasse Grundschule bis 20) zu rechnen. Gäbe es nicht spätestens nach 100 Stunden die ersten Mord- und Selbstmordversuche? Wer hält so etwas aus, ohne nicht mindestens neurotisch zu werden?
Man tut dann immer so, als ob die Kinder es immer noch nicht könnten. In Wirklichkeit hängt es ihnen hinten und vorne heraus und sie können es nicht mehr sehen! Wer hält schon aus, ein Jahr lang nur mit 6 Puddingvariationen gefüttert zu werden?
Nach wenigen Wochen schlug ich meinen 10 Schülern vor, dass ich ihnen zu 100 % auf MEIN Risiko zeige, dass sie alle schwere Aufgaben aus der 4.Klasse Grundschule richtig rechnen können. In der 4.Klasse geht es um Millionen und wir lernten alle in 45 Minuten, Millionenbeträge richtig zu addieren. Egal ob Du in der 2.Klasse L oder in der 4,Klasse G oder als Ministerialrat im Ministerium sitzt: es rechnet sich für alle gleich und alle können es. Vielleicht braucht der Herr Ministerialrat etwas länger als meine Schüler, weil er nicht mehr diesen lebendigen Bezug zu seinem Genie hat.
Meine Schüler konnten es alle. Wenige Beispiele zur Erklärung genügten. Die Motivation war enorm. Man fühlt sich und rechnet als Genie ganz anders als als Sonderschüler.
Sie wollten gar nicht mehr aufhören und rechneten freiwillig zu Hause noch bis zu 10 Aufgaben mit je bis zu 10 addierten Millionenbeträgen. Alle alles richtig. Da könnt Ihr mit Eurer "Dyskalkulie" einpacken.
Gar nicht verstehe ich als Ich-kann-Schule-Lehrer, warum ihr dann auch noch "Dyskalkulie-Therapie" macht. Es wäre doch nicht dumm, wenn man erst mal ins Lexikon schaut, was der Begriff bedeutet, mit dem man sich wichtig machen möchte. Griech. "dys" heißt "auseinander", "kalkuloi" sind die Steinchen (auch Murmeln oder Schusser) und "therapeuein" heißt "pflegen, verehren". Wer soll durch das Verehren des Steinchenauseinanderbringens rechnen lernen???
Wenn jemand etwas LERNEN soll, dann braucht es erst mal einen LEHRER, der das LERNEN so interessant vorlebt, dass er damit SOGwirkung hat wie ich in dem beschriebenen Ich-kann-Schule-Experiment. Die beste SOGwirkung hat man immer, wenn man jemand als das Genie behandelt, das er werden kann. Das lässt sich jederzeit experimentell nachvollziehen. Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe


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