Skin-Picking: eine psychische Störung, die viele Ärzte nicht ernst nehmen

Skin-Picking betreibt, wer sich Pickel und kleine Verletzungen immer wieder aufkratzt

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  • von Paradisi-Redaktion
Männliche Hand klebt Pflaster auf Wunde am Finger

Der englische Name "Skin-Picking" beschreibt eine Störung, die vielen Ärzten hierzulande kaum ein Begriff ist und die doch immer mehr Menschen betrifft. Wer unter dem Skin-Picking leidet, der fügt sich selbst Verletzungen zu, indem kleinste Hautunreinheiten und Wunden aggressiv mit den Fingernägeln oder gar der Schere aufgekratzt werden.

Skin-Picking gehört zum selbstverletzenden Verhalten

Viele Betroffene kratzen und pulen an Pickeln und kleinen Verletzungen immer wieder herum, bis die Haut blutet. Dann wird die Stelle einige Stunden oder Tage in Ruhe gelassen. Bildet sich Schorf im Zuge der Wundheilung, wird erneut gekratzt. Skin-Picking gehört damit zum selbstverletzenden Verhalten und sollte als psychische Störung therapiert werden.

Offiziell ist das zwanghafte Kratzen als Impulskontrollstörung kategorisiert und damit auch als Krankheit anerkannt. Dennoch wissen viele Hausärzte und Dermatologen nicht, wie sie mit Patienten umgehen sollen. Manche Ärzte sehen Skin-Picking als ernste Störung an, andere als harmlose Angewohnheit.

Das Verharmlosen der Hautzerstörung führt jedoch dazu, dass viele Betroffene sich allein gelassen fühlen. Eine offizielle Therapie gibt es nicht. Deutsche Forscher haben nun wenigstens ein Selbsttraining entwickelt, mit dem man den Patienten helfen könnte.

Selbstbeobachtung und Selbstkontrolle

Wer vom Skin-Picking betroffen ist, tut dies oft ganz automatisch. Er oder sie will sich gar nicht wirklich selbst verletzen. Daher gilt es, ein Tagebuch zu führen, mit dem man sich selbst beobachtet. Patienten sollen lernen, an welchen Orten und bei welchen Situationen sie mit dem Kratzen anfangen. Das kann helfen, die Auslöser früh zu erkennen und damit Selbstkontrolle zu erlernen.

Das Selbsttraining setzt außerdem auf das Erlernen neuer Verhaltensmuster. Spürt man, dass die Hand zur wunden Stelle drängt, ballt man die Fäuste und atmet durch. So werden Zwangshandlung durchbrochen. Hilfreich ist außerdem das Gespräch mit anderen. In Köln gibt es seit 2010 die erste offizielle Selbsthilfegruppe bei Skin-Picking.

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Erstellt am 09.02.2015
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