Die Beziehung mit einem psychisch kranken Partner - Probleme und Ratschläge

Leidet ein Partner unter einer psychischen Erkrankung, hat dies auch Auswirkungen auf die Beziehung. So stehen die meisten Betroffenen den Problemen, die sich aus der Krankheit ergeben, ratlos gegenüber.

Ohne eine große Portion Rücksichtnahme, Einfühlungsvermögen und Geduld kann die Beziehung scheitern

Auch normale Partnerschaften sind zahlreichen Problemen und Belastungen ausgesetzt. Besonders schwierig wird es jedoch für eine Beziehung, wenn einer der Partner an einer psychischen Störung erkrankt.

Beziehung zu einem psychisch kranken Partner

Eine psychische Erkrankung stellt auch den Partner des Erkrankten vor erhebliche Probleme. So ist der tägliche Umgang mit der Krankheit meist eine gewaltige Herausforderung, die die Beziehung stark belasten kann.

Ein großes Problem sind die Verhaltensänderungen

Zu den häufigsten Problemen gehört das unberechenbare Verhalten des kranken Partners. Oft reagieren psychisch Kranke aggressiv oder ziehen sich von ihrem Partner zurück, obwohl dieser ihnen aufrichtig helfen möchte.

Der gesunde Partner steht dem Geschehen oft hilflos gegenüber und weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Dabei muss man sich klarmachen, dass Menschen, die unter einer psychischen Störung leiden, weitaus empfindlicher reagieren als Menschen, die gesund sind.

Typische Partnerschaftsprobleme

Dennoch sind die Probleme, die in dieser schwierigen Beziehung auftreten, meist dieselben, wie in einer herkömmlichen Partnerschaft. So geht es meist um

Umgang mit dem kranken Partner

Wichtig ist, dass sich der gesunde Partner bewusst macht, dass es an der Krankheit des Anderen liegt, wenn er von diesem verletzt oder vor den Kopf gestoßen wird. Kennen beide Partner diesen Zusammenhang, lassen sich einige Probleme besser ertragen oder sogar vermeiden. Zuvor jedoch muss auch der Partner überhaupt erkennen und akzeptieren, dass eine psychische Erkrankung vorliegt.

Generelle Tipps

Von beiden Seiten aus ist Offenheit gefragt. So sollte darüber gesprochen werden, was einen gerade beschäftigt und wie man eine bestehende Situation möglicherweise verbessern könnte.

Der Partner sollte sich ausgiebig über die Krankheit informieren, sodass er mögliche Beschwerden besser versteht. Auch zeigt er seinem Partner damit, dass er sich Mühe gibt, das Beste aus der Lage zu machen. Ihn jedoch mit allen möglichen Behandlungsoptionen zu überfordern, wäre der falsche Weg.

Mit sich selbst geduldig sein, ist ein weiterer, hilfreicher Rat. Denn wenn eine Verbesserung der Krankheit nicht in Sicht ist, passiert es schnell, dass der Partner des Erkrankten anfängt sich zu fragen, ob die Beziehung überhaupt noch Sinn macht.

Es ist in Ordnung, ungeduldig zu sein, jedoch sollte der Wunsch nach Genesung größer sein. Dieser gibt möglicherweise auch neue Energien frei, um sich auf den Weg dorthin zu begeben.

Manchmal ist professionelle Hilfe von Vorteil

Als hilfreich können sich eine Psychotherapie und die Einnahme von Medikamenten erweisen. Diese bewirken meist einen Ausgleich der hohen Empfindlichkeit, wodurch der erkrankte Partner wieder in der Lage ist, normale Streitigkeiten innerhalb einer Beziehung zu bewältigen.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Beziehung, ist die Rücksichtnahme auf den kranken Partner. Ist der gesunde Partner dazu nicht in der Lage, besteht die Gefahr, dass die Partnerschaft zerbricht.

Informationen über die Erkrankung sammeln

Um die psychische Erkrankung des Betroffenen besser verstehen zu können, ist es sinnvoll, dass sich der gesunde Partner darüber ausführlich informiert. Dabei können ruhig Angehörige oder enge Freunde miteinbezogen werden. Auf diese Weise hat man das Gefühl, nicht alleine zu sein.

Ebenfalls hilfreich kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe sein. Dort hat man die Möglichkeit, sich mit Menschen auszutauschen, die unter ähnlichen Partnerschaftsproblemen leiden.

Hilfe finden Partner und Angehörige von psychisch Kranken auch bei Ärzten und Beratungsstellen. Diese können dabei helfen, den kranken Partner besser zu verstehen und mit ihm mitzufühlen. Auf diese Weise lässt sich mehr Verständnis aufbauen.

Den kranken Partner in den Alltag mit einbeziehen

Doch auch der Erkrankte muss dass Gefühl haben, dass er nicht alleine ist und Menschen für ihn da sind, auf die er sich verlassen kann. Daher ist es wichtig, ihn so weit wie möglich in den Alltag mit einzubeziehen, was wiederum viel Geduld, Feingefühl und Verständnis des gesunden Partners erfordert.

Der Erkrankte sollte jedoch weder überfordert noch bemuttert werden. Zeigt der Partner ungewöhnliche Verhaltensweisen, empfiehlt es sich, diese zu tolerieren, sofern er damit nicht sich selbst oder anderen Menschen schadet. Auch soziale Kontakte gilt es zu wahren.

Es ist wichtig, dass der Erkrankte Erfolgserlebnisse hat; dabei kann es sich schon um kleine, alltägliche Dinge handeln, die er oder sie allein und selbstständig geschafft hat. Wenn er/sie sich dazu aufraffen kann, beispielsweise einem Hobby, wie etwa Sport, nachzugehen, sorgt dies für glückliche Momente. Motivation und Lob sind hierbei seitens des Partners gefragt.

Für sich einen Ausgleich schaffen

Um Kraft für die vermehrten Belastungen zu schöpfen, ist es wichtig, dass der gesunde Partner von Zeit zu Zeit auch an sich denkt und seinen Interessen und Hobbys nachgeht. Keinesfalls sollte einen dabei das schlechte Gewissen plagen.

Wer sich mit anderen Menschen umgibt, schafft eine gesunde Distanz zum erkrankten Partner und behält bzw. schafft neue Energie, um auch schwierige Phasen meistern zu können. Auch, mit jemand anderem über die Erkrankung zu sprechen, kann zu neuen Kräften führen.

Quellen:

  • Albert Lenz, Johannes Jungbauer: Kinder und Partner psychisch kranker Menschen: Belastungen, Hilfebedarf, Interventionskonzepte, dgvt-Verlag, 2008, ISBN 9783871590740

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