Bluttest erkennt, ob es im Kindesalter zu traumatischen Erlebnissen gekommen ist

Traumata durch Missbrauch oder Gewalt lassen Entzündungsmarker im Blut zurück

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  • von Paradisi-Redaktion
Graue Mauerwand mit Silhouette eines hockenden, ängstlichen Kindes in der rechten unteren Ecke

Wer in der Kindheit oder Jugend das Opfer von körperlicher und/oder seelischer Gewalt wurde, ist für sein Leben geprägt. Häufig bemerken aber nur die engsten Bezugspersonen sowie Therapeuten, dass die Persönlichkeit der Betroffenen dauerhaft leidet. Ein körperlicher Nachweis länger zurückliegender Traumata ist bislang nicht möglich. Dies könnte sich mit einem neuen Bluttest jedoch ändern.

Durch Traumata entstandene Entzündungsmarker im Blut

An der Duke University in Durham haben Forscher herausgefunden, dass Erlebnisse, die derart stark in die Psyche eingreifen, zu dauerhaft veränderten Entzündungsreaktionen führen. Im Körper der Betroffenen sind chronische Entzündungsmarker vorhanden und diese kann ein Bluttest ans Licht bringen.

Für ihre Erkenntnisse arbeiteten die Wissenschaftler mit den Daten einer Zwillingsstudie. Diese erfasst seit 1994/95 das Heranwachsen britischer Kinder. Alle wurden das erste Mal kindgerecht mit fünf Jahren und später mit sieben und zehn Jahren nach traumatischen Ereignissen befragt. Als Jugendliche befragte man sie mit zwölf und 18 Jahren sowie als junge Erwachsene im Alter von 20 Jahren. 15,3 Prozent hatten elterliche Gewalt erfahren und 25,4 Prozent Gewalt durch Gleichaltrige. In beiden Gruppen waren Fälle sowohl der Vernachlässigung und des Mobbings als auch gewaltsame und sexuelle Übergriffe enthalten.

Je mehr Gewalt, desto größer die Auffälligkeiten im Blut

Als die Teilnehmer 18 Jahre alt waren, wurden ihnen Blutproben entnommen und diese untersucht. Die Forscher suchten nach deutlichen Anzeichen, die Traumata-Betroffene von seelisch stabilen Kindern unterschied. Gleich drei Parameter waren bei den Gewaltopfern erhöht. Interessant war, dass die Werte umso höher ausfielen, je mehr Gewalt das Kind erlebt hatte. Ein Zufall ist daher nahezu ausgeschlossen.

Mit den Erkenntnissen dieses Tests könnte Ärzten in Zukunft ein einfaches Mittel zur Verfügung stehen, um die Möglichkeit vorhandener Traumata schnell und objektiv zu beurteilen. Die Forscher betonen jedoch ausdrücklich, dass der Bluttest nicht eine klassische Anamnese beim Psychologen oder Psychiater ersetzen kann. Er zeigt lediglich, dass mindestens ein Trauma vorliegt (oder auch mehrere Traumata), doch das zeichnet kein umfassendes Bild der seelischen Verfassung eines Patienten.

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