07.11.05 16:18
C. Bischoff
C. Bischoff

Beitrag von einem Gast oder ehemaligen Mitglied

Osteoporose Forum

Ein Interview zum Thema

Guten Abend..

Ich habe zum Welt-Osteoporose-Tag mit dem Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Städtischen Krankenhaus Pirmasens gesprochen. Vielleicht interessiert Sie der Text.

Herzlich & Gruß
C. Bischoff
(kein Experte)


„Wenn der erste Knochen bricht, ist es zu spät...“

F.: „Sind weichere Knochen nicht eine normale Folge des Alterns? Warum spricht man im Fall der Osteoporose von einer Krankheit?“

Dr. Senft: „Der Knochenschwund im Alter, die Osteoporose, hat für die betroffenen Patienten unangenehme Folgen: Die Knochen brechen viel leichter, als dies normalerweise der Fall wäre. Eine Folge sind die, vor allem von Senioren gefürchteten, Brüche am Oberschenkelhals oder des Beckens nach einem Sturz. Auch die Wirbelsäule verändert sich; es kommt zu Rückenschmerzen und Haltungsschäden, ein Beispiel ist der so genannte Witwenbuckel.“

F.: „Welche Menschen sind hauptsächlich von der Krankheit betroffen und was verursacht den Knochenschwund?“

Dr. Senft: „In Deutschland leiden etwa zehn Prozent aller Frauen an Osteoporose, Männer sind oft erst in höherem Alter betroffen. Ursache ist die hormonelle Umstellung des weiblichen Körpers, ab etwa dem 40. Lebensjahr. Mit dem Beginn der Wechseljahre sinkt die Produktion des Hormons Östrogen. Dieser Stoff ist von entscheidender Bedeutung für die Gesunderhaltung der Knochen im Körper der Frau.“

F.: „Wie sind Knochen denn eigentlich aufgebaut und welche Wirkung haben die Geschlechtshormone im Einzelnen?“

Dr. Senft: „Man muss wissen, dass unsere Knochen keine ‚feste’ Struktur haben, wie das zum Beispiel bei Steinen der Fall wäre. Knochen sind etwas Lebendiges. In unserem Körper sorgt das Mineral Kalzium für die nötige Härte der Knochen, Collagene geben ihnen Elastizität. Sind wir gesund, produziert der Organismus während unseres gesamten Lebens neue Knochensubstanz. Um diesen Prozess in Gang zu halten, brauchen Frauen das Östrogen-Hormon. Bei Männern heißt dieser Wirkstoff „Testosteron“. Weil dessen Produktion aber im Alter weniger abnimmt, als dies bei Frauen der Fall ist, leiden Männer seltener unter Osteoporose.“

F.: „Was passiert genau, wenn das Östrogen fehlt?“

Dr. Senft: „Fehlen die genannten Hormone, gerät der Regelkreis, der den Kalziumspiegel im Körper einstellt, aus dem Gleichgewicht. Das Kalzium ist nicht nur für die Knochenhärte wichtig, sondern hat auch Einfluss auf weitere Körperfunktionen. Aufgabe des Östrogens ist es nun, zu verhindern, dass die Nieren ein ungesundes Übermaß an Kalzium ausscheiden, da wir diesen Stoff ja ohnehin in unterschiedlichen Mengen mit der täglichen Nahrung aufnehmen. Zusätzlich aktiviert es das Vitamin D, das eine Voraussetzung dafür ist, dass unser Körper dieses Kalzium aufnehmen und verwerten kann. Wenn die Wechseljahre einsetzen, beginnt der weibliche Körper die eigene Kalzium-Produktion zurückzufahren. Wenn die Menge, die über die Nahrung zugeführt wird, nicht ausreicht, versucht der Organismus dieses Ungleichgewicht auszubalancieren, indem er sich das Mineral aus den Knochen holt. Diese werden dadurch porös und brüchig.“

F: „Welche Möglichkeiten gibt es, diesem Prozess vorzubeugen?“

Dr. Senft: „Einmal eingebüßte Knochensubstanz ist für unseren Körper unwiederbringlich verloren, deshalb ist es wichtig, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Wenn der erste Knochen bricht, ist es für jede Vorbeugung zu spät. Ich empfehle deshalb schon unseren jungen Müttern, rechtzeitig auf körperliche Bewegung und eine gesunde Ernährung zu achten. Milch und Milchprodukte enthalten das nötige Kalzium, Sonnenlicht ist eine wichtige Voraussetzung für die Produktion von Vitamin D. Regelmäßige Bewegung hilft den Frauen zudem, ihren Östrogenspiegel anzuheben. Wenn sich bei einem Arztbesuch herausstellt, dass die Patientin unter einem Östrogen-Mangel leidet, empfehle ich die zusätzliche Einnahme von vorsichtig dosierten Medikamenten.“

F.: „Sie sprechen von der ‚Pille’. Wie steht es da um die Nebenwirkungen?“

Dr. Senft: „Für eine Vorbeugung der Osteoporose genügen schon sehr geringe Mengen des Hormons. Mit 0,6 Milligramm enthält eine solche Tablette nur ein Drittel der Wirkstoffmenge, die in der am niedrigsten dosierten Verhütungs-Pille enthalten ist. Wichtig ist es zudem, rechtzeitig mit dem Einnehmen des Medikaments zu beginnen. Ich rate dazu, höchstens drei Jahre zu warten, nachdem die Menopause eingesetzt hat. Ab diesem Zeitpunkt sollte das Östrogen etwa zehn Jahre lang eingenommen werden. Dann bleibt der Kalziumspiegel auf der notwendigen Höhe, wie sie auch das körpereigene Östrogen geregelt hätte.“

F.: „Was raten Sie Patienten, die schon unter den Folgen der Osteoporose leiden?

Dr. Senft: „Zu den ersten Anzeichen gehört der Verlust von Körperlänge. Die Patienten werden messbar, um Zentimeter kleiner. Das Durchscheinen der Adern auf dem Handrücken signalisiert zudem, dass Collagen fehlt und die Haut dünner wird. Die Knochendichte selber kann von einem Facharzt, einem Radiologen oder Orthopäden, gemessen werden. Eine Linderung bieten den Patienten auch so genannte Calcitonin- und Fluor-Präparate, sowie Biphosphonate. Diese Mittel helfen, den Mineralgehalt der Knochen etwas zu verbessern, eine Heilung ist jedoch nicht möglich. Deshalb ist das Vorbeugen durch Bewegung, gesunde Ernährung und - gegebenenfalls – dem Einnehmen zusätzlicher Östrogen-Medikamente so wichtig.“

(Quellnachweis: www.Nachrichten-Express.de)

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