Pyelonephritis - Entzündung des Nierenbeckens

Als Pyelonephritis bezeichnet man eine Entzündung des Nierenbeckens. Sie wird durch Bakterien verursacht.

Die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) wird oftmals als Folge einer Blasenentzündung ausgelöst

Krankheitsbild

Bei einer Pyelonephritis handelt es sich um eine Nierenbeckenentzündung, die sowohl akut als auch chronisch sein kann. Frauen sind deutlich häufiger von einer Infektion des Nierenbeckens betroffen als Männer.

Die Pyelonephritis zählt zu den häufigsten Nierenerkrankungen. In etwa 80 Prozent der Krankheitsfälle wird die chronische Form nicht erkannt und führt somit bei etwa 20 Prozent zu einem akuten Nierenversagen.

Ursachen

Zu einer akuten Nierenbeckenentzündung kommt es meist infolge einer Blasenentzündung. Über einen oder auch beide Harnleiter gelangen Bakterien von der Blase hinauf zum Nierenbecken, was man als aufsteigende Harnwegsinfektion bezeichnet.

Bakterien

Im Normalfall sind im Harntrakt oder Urin keinerlei Keime vorhanden, die eine Pyelonephritis verursachen könnten. Durch bestimmte Faktoren kann jedoch das Aufsteigen von Bakterien zu den Nieren begünstigt werden.

Meist handelt es sich bei den Erregern um Escherichia coli Bakterien aus dem Darm. Gelangen diese in das Nierenbecken, rufen sie eine Entzündung hervor. Auch die Bakterien

  • Proteus
  • Klebsiellen
  • Enterokokken
  • Pseudomonas aeruginosa und
  • Staphylokokken

zählen zu den möglichen Auslösern.

Harnabflussstörung

Als größte Risikofaktoren für die Entstehung einer Nierenbeckenentzündung gelten in erster Linie Harnabflussstörungen. Diese werden wiederum durch eine Vergrößerung der Prostata (Vorsteherdrüse) beim Mann, Nierensteine oder Tumore verursacht. Mitunter führen auch Fehlbildungen des Harntraktes oder Querschnittslähmungen zu einem Urinstau.

Risikofaktoren

Es gibt aber noch weitere begünstigende Faktoren, wie zum Beispiel Störungen des Stoffwechsels wie

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder
  • Gicht
  • Schmerzmittelmissbrauch
  • frühere Harnwegsinfektionen, die nicht länger als 12 Monate zurückliegen
  • Missbrauch von peripher wirksamen Analgetika
  • hormonelle Verändungen
  • funktionelle Störungen, wie etwa aufgrund einer Querschnittslähmung
  • Eingriffe an den Harnwegen wie Blasenkatheter
  • Immunschwäche
  • Schwangerschaften und
  • sexuelle Aktivitäten.

Verändert sich die Transportfunktion der ableitenden Harnwege dauerhaft, besteht die Gefahr, dass aus einer akuten Nierenbeckenentzündung eine chronische Pyelonephritis wird.

Symptome

Akute Nierenbeckenentzündung

Ein typisches Merkmal der Nierenbeckenentzündung ist das abrupte Einsetzen eines schweren Krankheitsgefühls. So kommt es zu Beschwerden wie

  • Schüttelfrost
  • einer roten, trockenen oder bräunlich belegten borkigen Zunge
  • hohem Fieber
  • starken Schmerzen im Flankenbereich, die manchmal bis zum Becken ausstrahlen
  • Abwehrspannung
  • Übelkeit
  • Erbrechen sowie
  • schmerzhaftes und erschwertes Wasserlassen.

Chronische Nierenbeckenentzündung

Bei einer chronischen Nierenbeckenentzündung wird die Niere langsam geschädigt, wodurch die Symptome eher unspezifisch sind. Dazu gehören

Da bei einer fortschreitenden chronischen Pyelonephritis die Gefahr einer Niereninsuffizienz besteht, muss unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose

Diagnostizieren lässt sich eine Entzündung des Nierenbeckens meist schon aufgrund der Krankengeschichte und der Beschwerden des Patienten. Neben einer körperlichen Untersuchung werden auch Untersuchungen des Urins und des Blutes vorgenommen, um die verantwortlichen Erreger nachzuweisen.

Mögliche Ursachen der Pyelonephritis, wie zum Beispiel Nierensteine, lassen sich mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) bestimmen. Zu den weiteren diagnostischen Maßnahmen zählen

  • die Erregerresistenzprüfung
  • die Abdomenübersicht
  • das Urogramm
  • das Miktionszystourethrogramm sowie
  • die Nierenfunktionsprüfung

Behandlung

Zur Behandlung einer akuten Entzündung des Nierenbeckens verabreicht man dem Patienten ein Breitband-Antibiotikum. Darunter versteht man ein Antibiotikum, dessen Wirkung sich auf viele verschiedene Erreger erstreckt.

Das Medikament muss 7–21 Tage lang eingenommen werden. Konnte der Erreger festgestellt werden, passt man die Therapie meist gezielt an den Keim an.

Um den Erfolg der Behandlung zu unterstützen, ist eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit erforderlich. So sollten mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag getrunken werden. Außerdem muss der Patient strikte Bettruhe einhalten und auf Medikamente, die die Nieren schädigen könnten, verzichten.

Zur Bekämpfung der Schmerzen werden meist krampflösende Arzneimittel eingesetzt. Mögliche Harnabflussstörungen wie Nierensteine müssen beseitigt werden.

Bei einer chronischen Nierenbeckenentzündung ist manchmal ein operativer Eingriff nötig, um Fehlbildungen der Harnwege zu beheben. In den meisten Fällen heilt eine akute Nierenbeckenentzündung folgenlos aus. Der Harnbefund normalisiert sich in der Regel nach drei Tagen wieder.

Quellen:

  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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