11. März 2011
Der Leidensdruck für Neurodermitis-Patienten ist oft groß. Ständiges Jucken und Brennen der Haut sorgt häufig für unwillkürliches und teils Kratzen, das aber keine Erleichterung bringt, sondern die angegriffene Haut weiter verwundet.
Schätzungsweise leben zwischen 3,5 und 5 Millionen Neurodermitis-Betroffene allein in Deutschland - Tendenz steigend. Es handelt sich hierbei um eine Erbkrankheit, die zu den atopischen Erkrankungen gezählt wird. Das bedeutet, ähnlich wie bei Heuschnupfen oder allergischem Asthma ist das Hauptproblem ein übersensibles Immunsystem, das auf eigentlich harmlose Stoffe mit starken Abstoßungsreaktionen antwortet. Bei Neurodermitis zeigen sich diese in Form von Hautproblemen, Ekzemen, Rötungen, Schorf und starkem Juckreiz. Nach jedem Schub heilt die Haut zwar wieder kurzfristig ab, aber bereits ein Temperaturwechsel, die Pollensaison oder auch seelischer Stress können für sehr kurze Intervalle zwischen den einzelnen Schüben sorgen.
Das Leben mit Neurodermitis im Alltag ist oft belastend. Nachts finden die Betroffenen vor lauter Juckreiz häufig kaum in den Schlaf, tagsüber müssen sie selbst bei heißem Wetter Arme und Beine bedeckt halten. Auf Besuche am Strand oder im Schwimmbad verzichten sie meist - teils wegen schmerzhafter Hautreaktionen auf Sand und Chlor, teils wegen befremdeter Blicke ihrer Mitmenschen - denn die atopischen Ekzeme können auf dem ganzen Körper auftreten. Vielen gesunden Menschen ist nicht klar, dass es sich nicht um eine ansteckende Krankheit handelt.
Neue Hoffnung auf Linderung versprechen nun Studien mit neuartigen Salben, die das selektives Immunsuppressivum Tacrolismus enthalten. Dieser Arzneistoff lindert effektiv die Abwehrreaktionen des Körpers und dämmt somit die Stärke der Schübe ein. Besonders beachtenswert ist, dass im Rahmen dieser Studien die beschwerdefreien Zeiträume um das bis zu Zehnfache ausgedehnt werden konnten.
Es macht also Sinn, den behandelnden Hautarzt auf eine derartige Therapie anzusprechen. Hierbei werden zweimal in der Woche, auch in beschwerdefreien Zeiten, die betroffenen Hautstellen mit der Salbe eingerieben. Auch für empfindliche Stellen wie die Armbeugen, den Hals oder das Gesicht eignet sich die Salbe. Zusätzlich zu ihrer medizinischen Wirkung pflegt sie und unterstützt die natürliche Hautbarriere.
Trotzdem bleibt es nach wie vor oberstes Gebot, die Hautschäden durch das Kratzen so weit wie möglich einzudämmen. Alles, was Ablenkung vom Juckreiz bietet, ist tendenziell gut - so etwa spannende Filme, Aktivitäten an der frischen Luft oder Musik. Auch Entspannungstechniken wie autogenes Training sind oft hilfreich. Wenn der Juckreiz doch zu stark wird, sind kaltes Wasser und Eiswürfel die bessere Alternative zum Kratzen.
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