Vom Durchfall geplagt? Nahrungsmittelallergie - Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Ursache für die Entstehung einer Nahrungsmittelallergie sind bestimmte Lebensmittel, die der Betroffene nicht verträgt. Wie die Allergie verläuft, ist individuell verschieden. Eine Nahrungsmittelallergie äußert sich durch verschiedenste Symptome. Die Diagnostik ist oft umfangreich.

Die Entstehung einer Nahrungsmittelallergie und wie man sie erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Bei der Nahrungsmittelallergie handelt es sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion auf bestimmte Lebensmittel oder deren Bestandteile. Die Allergie kann an beinahe allen Organen eine allergische Reaktion auslösen. Abzugrenzen ist die Nahrungsmittelallergie von der Nahrungsmittelunverträglichkeit bzw. Nahrungsmittelintoleranz; dieser liegt keine allergische Reaktion zugrunde.

Man geht davon aus, dass in den westlichen Ländern 1 bis 2 Prozent der Erwachsenen und 4 bis 8 Prozent der Kinder an einer Nahrungsmittelallergie leiden. Dabei sind Frauen etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die tatsächliche Nahrungsmittelallergie kommt dabei jedoch weitaus seltener vor, als die Nahrungsmittelintoleranz.

Dass deutlich mehr Frauen betroffen sind, wird sowohl mit psychologischen, als auch mit biologischen Aspekten begründet. So wird vermutet, dass die weibliche Wahrnehmung, was Erkrankungen angeht, deutlich ausgeprägter ist. Des Weiteren scheinen auch Hormone eine Rolle zu spielen; Östrogen macht beispielsweise anfälliger für Immunerkrankungen.

Wenn man eine Allergie auf bestimmte Nahrungsmittel hat, so ist die durch den Verzehr oder Kontakt ausgelöste Reaktion eine immer wiederkehrende.

Ursachen

Jedes Nahrungsmittel, jedes Obst, jedes Gemüse, jedes Getreide etc. kann eine Allergie auslösen. Zu den häufigsten Arten gehören:

Kreuzallergien

Einige Nahrungsmittel oder Allergie auslösende Stoffe bewirken auch eine so genannte Kreuzallergie. Hier reagiert der Patient nicht nur auf ein Nahrungsmittel, sondern auf relativ viele. Auch wenn eine Allergie gegen Gräser oder Pollen vorliegt, kann dies zur Folge haben, dass der Betroffene zusätzlich gegen einige Lebensmittel allergisch reagiert.

Typische Kreuzallergien sind bei Birkenpollen z.B.

Bei einer bestehenden Sellerieallergie können z.B. Kreuzallergien mit

auftreten.

Warum es bei manchen Menschen zu einer allergischen Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel kommt, ist unklar. Es wird vermutet, dass die Anlage dazu vererbt wird.

Zurückzuführen ist die Reaktion auf eine Störung des Immunsystems. Im Normalfall unterscheidet der Körper zwischen harmlosen Stoffen sowie Nahrungsbestandteilen und krank machenden, fremden Stoffen. Bei Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie hingegen werden auch die harmlosen Substanzen als Fremdkörper eingestuft, sodass das Immunsystem darauf reagiert.

Nach dem ersten Kontakt mit dem Allergen werden vom Körper Abwehrstoffe, so genannte Antikörper, gebildet. Beim erneuten Kontakt besetzen diese Antikörper Zellen, die Histamin bilden. Folge sind die typsichen Allergiesymptome.

Verlauf

Babys, die unter Lebensmittelallergien leiden, sind sehr häufig ab einem Alter von etwa sechs Jahren von der Allergie geheilt. Treten die Allergien jedoch im späteren Alter auf, bleibt die Lebensmittelallergie in der Regel ein Leben lang bestehen.

Das Risiko einer Lebensmittelallergie sind verschiedene Komplikationen, die beim Genuss auftreten können. Oft versuchen die Betroffenen zwar, bestimmte Lebensmittel zu meiden, jedoch sind zum Beispiel in Fertiggerichten viele Zusätze enthalten, auf die der Betroffene doch allergisch reagiert. Eine allergische Reaktion kann in einem anaphylaktischen Schock enden, der sofort notärztlich behandelt werden muss.

Symptome

Bei jedem Patienten äußert sich eine Allergie gegen bestimmte Nahrungsmittel durch andere Symptome. Bei vielen Betroffenen schwillt kurz nach dem Verzehr die Lippe an. Auch das komplette Gesicht kann betroffen sein.

Auch ein plötzliches Laufen der Nase ist ein Symptom einer Nahrungsmittelallergie. Zusätzlich zeigen sich meist auch Hautveränderungen wie

Weitere mögliche Symptome sind

Liegt eine sehr starke Nahrungsmittelallergie vor, kann dies auch in einem Schockzustand enden. Es handelt sich hierbei um einen absoluten Notfall, der sofort ärztlich behandelt werden muss.

Diagnose

Besteht der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie ist es wichtig, den Allergieauslöser einzugrenzen. Hierzu kann es sinnvoll sein, ein Ernährungstagebuch zu schreiben.

Treten Beschwerden immer im Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln auf, kann eine Ausschlussdiät durchgeführt werden. Hier werden verdächtige Stoffe so lang weggelassen, bis eine Besserung der Symptome eintritt.

In der Zeit des Allergieverdachts sollte vor allem kein Fast Food und auch keine Tiefkühlkost gegessen werden und auch sonst nur Gerichte, die man selbst vollständig zubereitet.

Im Anschluss daran erfolgt eine Provokationsdiät. Dafür wird die verdächtige Substanz wieder zugeführt und eventuell auftretende Symptome beobachtet.

Ärztliche Diagnose

Der Arzt befragt den Patienten nach seinen genauen Symptomen und fragt auch, bei welchen Lebensmitteln diese Symptome auftreten. Um seinen Diagnoseverdacht zu sichern, müssen erst andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden.

Liegen keine anderen Erkrankungen vor, erfolgt ein Allergietest. Dem Patienten werden dazu verschiedene Lösungen von Lebensmitteln auf den Unterarm getropft. Jeder Tropfen wird mit einer dünnen Nadel eingeritzt, so dass die Lösung in die Haut gelangen kann.

Nach ein paar Minuten kann man erkennen, ob eine oder mehrere Stellen gerötet sind. Dies bedeutet, dass der Patient auf diese Nahrungsmittel allergisch reagiert.

Oft wird im Anschluss auch eine Blutabnahme vorgenommen und das Blut speziell auf diese Stoffe untersucht. Auch eine spezielle Diät lässt Arzt und Patient herausfinden, auf welche Lebensmittel der Körper allergisch reagiert.

Im Vorfeld wurde der Patient während des Allergietestes bereits getestet, ob er allergisch gegen Reis oder Kartoffeln reagiert. Haben sich während des Testes keine Reaktionen gezeigt, muss der Patient nun über eine Woche hinweg Wasser, Kartoffeln und Reis essen bzw. trinken.

Liegt eine Allergie gegen Lebensmittel vor, sollte der Patient wenige Tage nach Beginn dieser Diät beschwerdefrei sein. Bestehen die Beschwerden noch immer, dann spricht dies für eine andere Erkrankung und keine Lebensmittelallergie.

Ist der Patient nach einer Woche Diät beschwerdefrei, wird langsam ein Nahrungsmittel nach dem anderen hinzugefügt. Sobald die Beschwerden wieder auftreten ist klar, gegen welches oder welche Lebensmittel der Patient allergisch ist.

Während dieser Diät können natürlich die bekannten Symptome einer Allergie wieder auftreten. Dies muss vom Patienten beobachtet werden, da auch schwere Symptome wie zum Beispiel Atemnot auftreten können.

Behandlung

Wenn bekannt ist, gegen welches oder welche Lebensmittel der Betroffene reagiert, sollten diese strikt gemieden werden. Dazu muss auch bei Fertigpräparaten auf die Zutatenliste geachtet werden. Im Zweifel fährt der Allergiepatient besser, wenn er sich die Gerichte selbst zubereitet, da er dann die speziellen Lebensmittel meiden kann und sicher sein kann, dass auch nicht geringste Spuren davon im Essen enthalten sind.

Jeder Allergiepatient muss jedoch für den Notfall ein Medikamentenset zu Hause haben. Diese Medikamente können eingenommen werden, wenn sich doch unerwartet ein Zusatz des Allergie auslösenden Lebensmittels im Essen befand. Das Medikament bewahrt den Patienten vor schlimmen Komplikationen wie einem Schockzustand.

Oft werden zur Langzeitbehandlung auch Allergietabletten, so genannte Antihistaminika, verordnet. Gegen akute Symptome wie Durchfall oder Hautausschläge werden zusätzliche Medikamente oder Salben verordnet.

Bei vielen anderen Allergien kann mit der so genannten Hyposensibilisierungsbehandlung Beschwerdefreiheit oder zumindest eine wesentliche Besserung der Beschwerden erreicht werden. Die Behandlung geht über mehrere Jahre.

Dem Patienten wird dazu anfangs eine geringe Menge des Allergie auslösenden Stoffes gespritzt. Verträgt der Patient diese Dosis gut, wird sie langsam gesteigert.

Bei einer Nahrungsmittelallergie ist diese Therapiemöglichkeit jedoch unüblich, es sei denn, es handelt sich um eine Kreuzallergie zum Beispiel mit Birkenpollen. Können die Allergie auslösenden Nahrungsmittel vermieden werden, ist dies die für den Körper einfachere Alternative.

Vorbeugung

Der Entstehung einer Allergie kann man nur bedingt vorbeugen. Hebammen und Kinderärzte empfehlen, Säuglinge mindestens ein halbes Jahr voll zu stillen und dann nur langsam mit dem Zufüttern von Beikost zu beginnen.

Einige Lebensmittel sollten im ersten Lebensjahr völlig gemieden werden (wie Nüsse, Weizenmehl usw.), um später Allergien zu vermeiden. Besteht bereits eine Allergie, muss sich der Betroffene sehr genau die Zutatenliste von Lebensmitteln ansehen, bevor er das Produkt verzehrt.

Zum Schutz für Nahrungsmittelallergiker müssen die vierzehn häufigsten Verursacher von Lebensmittelallergien (hierzu gehören z.B. glutenhaltiges Getreide, Erdnüsse oder Sellerie) in der Zutatenliste jedes Lebensmittels aufgeführt werden. Diese Richtlinie gilt allerdings nur für verpackte Lebensmittel. Beim Einkauf auf dem Markt oder beim Bäcker ist Vorsicht geboten.

Einige Lebensmittel wie zum Beispiel Käse verstärken die Wirkung eines Allergie auslösenden Lebensmittels und somit der allergischen Reaktion. Betroffene sollten deshalb auch darauf achten. Jeder Allergiker sollte trotz Allergie auf spezifische Kost darauf achten,< sich ausgewogen und gesund zu ernähren.

Ein Leben mit einer Lebensmittelallergie kann eine Einschränkung darstellen. Unter anderem muss man je nach Ausprägung Medikamente zu sich nehmen, diese stets bei sich haben und bei bestimmten Gerichten, zum Beispiel wenn die Schwiegermutter gekocht hat, mitteilen, dass man auf bestimmte Zutaten allergisch ist beziehungsweise ein alternatives Gericht erbitten, sich selbst zubereiten oder mitbringen. Leider ist in diesen drei Fällen stets Toleranz des anderen gefragt und so ist es wichtig, dass man das Thema als sein eigenes annimmt.

Essens-Alternativen für Allergiker

Wer unter einer Nahrungsmittelallergie leidet, hat ein schweres Los gezogen. Abgesehen von den drohenden gesundheitlichen Beschwerden bei versehentlichem Genuss des Allergens, bedeutet es nicht nur, dass man im Freundes- und Bekanntenkreis den Ruf eines pingeligen Essers erhält, sondern auch häufig den Verzicht auf die Lieblingspeisen. Wir nennen einige Alternativen zu Milch, Nüssen, Eiern, Soja und Weizen, mit denen Ihnen Ihre Leib- und Magenspeise vielleicht erhalten bleiben kann.

Alternativen zu Milch

Als Ersatz für Milch bieten sich

  • Soja-Milch
  • Reis-Milch
  • Kartoffel-Milch und
  • Mandel-Milch

an. Alle diese Produkte sind frei von Laktose.

Alternativen zu Eiern

Um ohne Eier ihren täglichen Bedarf an Protein zu decken, können Sie morgens anstatt des Omelettes Hähnchenbrust oder Fisch-Filet braten. Wann immer in einem Rezept nach Ei verlangt wird, können Sie dies durch

ersetzen.

Alternativen zu Weizen

Weizenmehl können Sie durch

  • Reismehl
  • Cassavastärke
  • Kartoffelstärke
  • Kartoffel-Mehl
  • Mohrenhirse-Mehl oder
  • Bohnen-Mehl

ersetzen. In vielen Reformhäusern finden Sie zudem häufig eine Auswahl an glutenfreien Snacks, Broten und anderen Backwaren.

Alternativen zu Nüssen

Wenn Sie Erdnussbutter zu Ihren Lieblingsessen zählen, bieten sich Sojanuss-Butter oder Sonnenblumen-Butter als Ausweichmöglichkeiten an. Geschmacklich ist der Unterschied nicht zu verleugnen; wenn Sie jedoch ein Fan des klassischen Marmeladen-Erdnussbutter-Sandwiches sind, kommen Sie voll auf Ihre Kosten.

Alternativen zu Soja

Wenn Ihr Körper gegen Soja rebelliert, sind

  • Kuhmilch
  • Reismilch
  • Mandelmilch oder
  • Kartoffelmilch

denkbare Alternativen. Falls Sie neben der Soja-Allergie auch an einer Laktoseintoleranz leiden, wäre Reis-Käse eine weitere Option.

Quellen:

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