29. Dezember 2008
(sra) Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des Nervensystems. In Deutschland sind schätzungsweise 100.000 Frauen und Männer davon betroffen. Inzwischen gibt es eine wirksame Therapie. Sie ist umso erfolgreicher, je eher die Erkrankung entdeckt wird.
Und genau da liegt das Problem: Die MS stellt selbst erfahrene Neurologen oft vor ein Problem. Es gibt keinen eindeutigen Test auf Multiple Sklerose. Die Krankheit muss anhand der Symptome eingekreist werden. Zusätzliche Beschwerden (z.B. an Muskeln, Knochen, Herz-Kreislauf) sowie Übergewicht und Rauchen verzögern die Diagnose, wie nun eine US-amerikanische Studie bestätigte.
An der Untersuchung in den USA nahmen knapp 9.000 Patienten teil. Sie wurden alle nach dem Zeitpunkt der Diagnose, der Schwere der Erkrankung und zusätzlichen Beschwerden, die nichts mit der Erkrankung zu tun haben, befragt. Außerdem wurden Risikofaktoren für die Gesundheit wie Übergewicht und Rauchen aufgezeichnet.
Sowohl Übergewicht und Rauchen als auch weitere körperliche und psychische Erkrankungen verzögerten die Diagnose der Multiplen Sklerose. Besonders Erkrankungen des Bewegungsapparates und psychische Erkrankungen verstärkten die Beschwerden der MS zum Zeitpunkt der Diagnose. Während Übergewicht und Rauchen vom Patienten zu beeinflussen sind, können körperliche und psychische Erkrankungen kaum vermieden werden. Umso mehr kommt es für die Patienten darauf an, dem Arzt sämtliche Beschwerden mitzuteilen.
Bei der MS kommt es an unterschiedlichen Stellen des zentralen Nervensystems, beispielsweise im Gehirn oder im Rückenmark, zu Entzündungen. Dadurch kann die Reizweiterleitung der Nerven gestört sein. Die Symptome sind sehr vielfältig und hängen davon ab, an welchen Stellen des Gehirns oder des Rückenmarks Entzündungen vorgelegen haben. Viele Patienten berichten anfangs von einem Gefühl, als würden Ameisen über ihre Beine laufen. Andere klagen über Sehstörungen, Kraftminderung in den Extremitäten oder Gleichgewichtsstörungen. Im Verlauf der Erkrankung kommen häufig andere Beschwerden wie Müdigkeitserscheinungen hinzu.
Klassisch ist ein Verlauf in Schüben. Es können sehr lange Phasen ohne Krankheitszeichen vergehen. Ziel der Behandlung ist es, die Schübe beispielsweise mittels Interferon so weit wie möglich hinauszuzögern. Während eines Schubs ist oft eine Behandlung mit Kortison notwendig. Die Behandlung der Schmerzen ist oft eine Dauertherapie. Bei sehr starken Schmerzen sind deshalb Opioide sinnvoll. Die MS ist nicht heilbar. Dennoch können die Beschwerden gelindert werden.
Quelle:
Marrie R.A. et al.: Comorbidity delays diagnosis and increases disability at diagnosis in MS. Neurology (2008) Epub (http://www.neurology.org/cgi/content/short/01.wnl.0000333252.78173.5fv1)
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