Magengeschwür - Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Magengeschwür kann aus verschiedenen Ursachen entstehen. Es kann gut behandelt werden, es können jedoch auch Komplikationen auftreten. Magengeschwüre verursachen unterschiedliche Beschwerden. Die Diagnose stellt meist der Internist.

Die Entstehung eines Magengeschwürs und wie man es erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Bei einem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) liegt eine Entzündung der Magenschleimhaut sowie der tiefer gelegenen Wandschichten des Magens vor. Die kleine Magenkrümmung (kleine Kuvatur) ist am häufigsten betroffen.

Erfolgt eine rechtzeitige medikamentöse Behandlung, ist die Prognose gut. Allerdings kommt es häufig zum Wiederauftreten eines Geschwürs.

Ursachen

Ein Magengeschwür entsteht immer dann, wenn das Verhältnis der Magensäure zum Verhältnis anderer Substanzen der Magenschleimhaut unausgeglichen ist. Verschiedene Faktoren bzw. Erkrankungen können zu diesem Ungleichgewicht führen.

Exogene Faktoren

In vielen Fällen befindet sich das Bakterium Helicobacter pylori im Magen und führt dort irgendwann zu einem Magengeschwür. Bei drei von vier Patienten mit einem Magengeschwür ist der Test auf Helicobacter pylori positiv.

Das Bakterium alleine ist jedoch nicht verantwortlich für die Entstehung eines Magengeschwürs. Risikofaktoren wie Rauchen oder bestimmte Schmerzmedikamente führen dann schließlich in Verbindung mit dem bereits vorhandenen Bakterium dazu, dass sich ein Geschwür im Magen bildet.

Patienten, bei denen das Bakterium Helicobacter pylori nicht nachweisbar ist, können auch dann ein Magengeschwür bekommen, wenn sie regelmäßig Schmerzmedikamente einnehmen müssen. Ein weiterer Risikofaktor für die Entstehung eines Magengeschwürs sind psychische Krankheiten wie zum Beispiel Depressionen oder auch dauerhafter Stress.

Was den letzten Faktor angeht, scheint es jedoch auch Zweifel zu geben...

Magengeschwüre doch nicht psychisch bedingt?

In der westlichen Welt gilt das Magengeschwür, das Ulcus ventriculi, als typisches Zeichen für Stress und psychische Belastungen oder Überforderung; das stimmt so allerdings nur bedingt. Der Zusammenhang, den der Volksmund in diesem Fall herstellt, gilt eher dem Diagnoseschema der Traditionellen Chinesischen Medizin, in der der Magen-Milz-Funktionskreis mit seinen Leitbahnen für die "Klärung zwischen Klarem und Trübem" steht.

Das gilt auch im übertragenen Sinn für alles, was wir im Leben erfahren oder wahrnehmen. Die aus einer mangelnden Klärung (wenn einem etwas "im Magen liegen bleibt") folgenden Symptome sind laut der TCM dabei dann eher Erkrankungen wie Schlaganfälle, Schwindel, Lähmungen, gedrückte Stimmung etc. und entsprechen damit den auch in der Schulmedizin etikettierten "Stressfolgeerkrankungen".

Die Hauptursache eines Magengeschwürs liegt immer darin, dass der Säureschutz der Magenschleimhaut nicht ausreichend ist, um der Magensäure widerstehen zu können. In etwa drei Viertel der Fälle ist die Magenschleimhaut dabei schon durch eine bakterielle Infektion mit Heliobacter pylori vorgeschädigt.

Bestimmte Medikamente, Nikotin und Alkohol können auch die Magenschleimhaut soweit vorschädigen, dass sie die Magensäure nicht mehr puffern kann. Stress hat zumindest keine wissenschaftlich ermittelbare Wirkung auf die Widerstandsfähigkeit der Magenschleimhaut.

Endogene Faktoren

Die übermäßige Bildung von Magensäure kann auch in endogenen Faktoren begründet liegen. Hierbei spielen beispielsweise der Hyperparathyreoidismus, eine Regulationsstörung der Nebenschilddrüsen, oder auch Störungen der Magenperistaltik eine Rolle.

Der Hyperparathyreoidismus hat einen Kalziumüberschuss zur Folge, welcher die Magensäure bildenden Zellen stimuliert. Kommt es durch die gestörte Magenperistaltik zu einer verlangsamten Magenentleerung, führt dies zu einem vermehrten Nahrungsrückstroms aus dem Zwölffingerdarm, der mit Gallenflüssigkeit vermischt ist. Diese kann die Magenschleimhaut im Laufe der Zeit schädigen.

Verlauf

Wird ein Magengeschwür rechtzeitig erkannt und spricht gut auf die Therapie an, bestehen sehr gute Heilungschancen. Fast jedes Geschwür kann mit der entsprechenden Therapie geheilt werden.

Nicht immer muss jedoch eine Therapie erfolgen. Bei vier von zehn Patienten bildet sich das Magengeschwür von selbst wieder zurück. Auch wenn die Therapie erfolgreich war, kann sich nach einiger Zeit jedoch erneut ein Magengeschwür bilden.

Ein Magengeschwür kann jedoch auch zu Komplikationen führen. Das Geschwür kann anfangen zu bluten oder die Magenwand durchbrechen.

Besonders Patienten, die bereits häufiger unter Magengeschwüren gelitten haben, haben ein erhöhtes Risiko für diese Komplikationen. Je größer das Magengeschwür ist, desto höher ist allgemein auch das Risiko für eine Komplikation.

Symptome

Patienten mit einem Magengeschwür haben oft einen Druck und Schmerzen im oberen Bereich des Bauches. Bei manchen Patienten beginnt der Schmerz, wenn sie etwas essen, andere verspüren durch das Essen eine Erleichterung ihrer Schmerzen.

Auch nachts, wenn die Patienten seit Stunden nichts gegessen haben, spüren die meisten Patienten Schmerzen im Bauch. Die Schmerzen im Bereich des Bauches können auch auf andere Körperteile wie zum Beispiel den Rücken ausstrahlen.

Häufig ist den Patienten auch übel und sie müssen erbrechen. Das Erbrochene kann auch mit Blut vermischt sein. Auch der Stuhl kann blutig oder schwarz gefärbt (Teerstuhl) sein.

Einige Patienten bemerken auch, dass sie einige Lebensmittel nicht mehr gut vertragen. Die meisten Patienten mit einem Magengeschwür nehmen an Gewicht ab.

Nicht alle Magengeschwüre verursachen diese Beschwerden. Bei einigen Patienten wird das Magengeschwür auch im Rahmen einer Routineuntersuchung diagnostiziert, da sie keinerlei Symptome der Krankheit bemerkt haben.

Entsteht starker Blutverlust, treten oftmals Schocksymptome wie

auf. Kommt es gar zu einem Magendurchbruch, leidet der Patient unter sehr starken Bauchschmerzen. Auch eine lebensgefährliche Peritonitis (Bauchfellentzündung) ist im Bereich des Möglichen. Für den Fall eines Magendurchbruchs oder das sich eine Blutung nicht stoppen lässt, muss eine Operation vorgenommen werden.

Diagnose

Wenn ein Patient die Beschwerden schildert, vermutet der Arzt bereits ein Magengeschwür. Im Rahmen seiner Diagnostik

Beim Abtasten hat ein Patient mit Magengeschwür meist starke Schmerzen, was typisch für die Erkrankung ist.

Die Magenspiegelung

Um eine endgültige Diagnose stellen zu können, muss sich der Patient einer Magenspiegelung (Gastroskopie) unterziehen. Für die Untersuchung muss der Patient nüchtern sein und erhält dann in der Praxis ein spezielles Spray in den Rachen. Der Rachen wird dadurch betäubt, so dass der Patient mit dem Würgereiz besser zurechtkommt, der entsteht, wenn das Endoskop eingeführt wird.

Ein Endoskop ist ein langer biegsamer Schlauch mit einer Kamera und einer Lichtquelle am Ende. Am anderen Ende des Schlauches befindet sich das eigentliche Gerät, durch das der Arzt hindurch sehen kann und das Ende des Schlauches bewegen kann.

Der Arzt führt das Endoskop über den Mund des Patienten durch die Speiseröhre hindurch bis zum Magen. Um eindeutig feststellen zu können, dass es sich um ein (gutartiges) Magengeschwür handelt, entnimmt der Arzt mehrere Gewebeproben des Geschwürs.

Dazu führt er über das Endoskop eine feine Zange in den Magen ein. Die Proben werden nach der Untersuchung in einem Labor unter dem Mikroskop untersucht. Meist wird zusätzlich auch eine Probe auf das Bakterium Helicobacter pylori hin untersucht.

Nur in äußerst seltenen Fällen wird statt einer Magenspiegelung eine spezielle Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel angefertigt. Dies ist meist dann der Fall, wenn eine Magenspiegelung nicht durchgeführt werden kann.

Behandlung

Gutartige Magengeschwüre sind medikamentös heute gut heilbar, vor allem wenn gleichzeitig auch auf die Ernährung geachtet wird, die daraufhin ausgerichtet sein sollte, die Magensäureproduktion eher gering zu halten, um ein gutes Abheilen des Geschwürs zu begünstigen. Bei bösartigen (malignen) Geschwüren, also Magenkrebs ist die Prognose, auch bei Früherkennung jedoch meist eher schlecht.

Zu Beginn einer Behandlung müssen die Patienten sämtliche Getränke und Lebensmittel meiden, die Magen schädigend wirken. Dazu zählen zum Beispiel

  • scharfe Speisen
  • fettiges Essen
  • Alkohol sowie
  • bestimmte Medikamente.

Medikamentöse Therapie

Zu Beginn einer Therapie wird das Magengeschwür meist medikamentös behandelt. Der Arzt verordnet hier so genannte Säureblocker.

Säureblocker sind spezielle Präparate, die die Magensäureproduktion hemmen. Gleichzeitig wird die Magenschleimhaut in ihrer Regeneration unterstützt. Konnte im Rahmen der Gewebeprobe bei der Magenspiegelung das Bakterium Helicobacter pylori im Magen gefunden werden, erhalten die Patienten eine Woche lang Antibiotika.

Operation

Schlägt die medikamentöse Therapie nicht an oder treten schwere Komplikationen wie Blutungen auf, erfolgt eine Operation. Hier gibt es verschiedene operative Eingriffe. Entweder

  • wird ein Teil des Magens entfernt
  • werden Nerven getrennt oder
  • wird ein Medikament in den Magen gespritzt.

Das Medikament kann im Rahmen einer Magenspiegelung gespritzt werden und bewirkt, dass sich die Blutgefäße des Magens verengen und die Blutung auf diese Weise gestoppt wird.

In früheren Jahren waren Operationen von Magengeschwüren, bei denen beispielsweise Magenteilresektionen vorgenommen wurden, üblich. In der heutigen Zeit werden die Eingriffe jedoch zunehmend durch eine effektive Behandlung mit Medikamenten ersetzt.

Indikation

Unter bestimmten Umständen kann eine Notoperation jedoch unumgänglich sein. In manchen Fällen kann es durch ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) zu einem lebensgefährlichen Zustand kommen, sodass eine Notoperation vorgenommen werden muss. Gründe für eine Operation können

  • akute Blutungen
  • länger anhaltender Blutverlust oder
  • eine Perforation (Loch) in der Magenwand

sein.

Durchführung der Operation

Zu Beginn des operativen Eingriffs erhält der Patient eine Vollnarkose. Danach nimmt der behandelnde Chirurg einen Einschnitt an der Bauchdecke vor, was man als Laparotomie bezeichnet. In seltenen Fällen genügt auch eine Laparoskopie (Bauchspiegelung).

Bei einer Blutung schneidet man den Magen auf. Mithilfe von Nähten wird die Blutung gestillt. Anschließend erfolgt das Vernähen des Magens.

Damit Blut und Wundsekret abgeleitet werden können, legt man im Bauchraum häufig eine Drainage an. Auch das Einführen einer Magensonde wird oftmals durchgeführt. Nach ein paar Tagen können die Sonde oder Drainage wieder entfernt werden.

In manchen Fällen kann es nötig sein, den Eingriff zu erweitern, um die Ursache für das Magengeschwür zu behandeln. So trennt man beispielsweise die Nerven durch, die für die Förderung der Säureproduktion verantwortlich sind.

Auch bei Tumoren ist eine besondere Behandlung erforderlich. Im schlimmsten Fall müssen Teile des Magens oder von anderen Organen entfernt werden.

Nach dem Eingriff muss der Patient zunächst künstlich ernährt werden. Darüber hinaus erfolgt eine medikamentöse Behandlung der Ursachen des Magengeschwürs.

Nachsorge

Einige Zeit nach der Behandlung eines Magengeschwürs wird eine Kontroll-Gastroskopie, eine nochmalige Magenspiegelung, durchgeführt. Hier wird der Behandlungserfolg kontrolliert sowie erneut Gewebeproben entnommen, die wieder im Labor untersucht werden. Es erfolgt nochmals eine Untersuchung auf Krebszellen, die möglicherweise in der Phase des akuten Magengeschwürs nicht nachweisbar waren.

Vorbeugung

Jeder Mensch reagiert auf Speisen und Getränke anders. Wenn man bemerkt, dass man einige Lebensmittel nicht gut verträgt, sollte man diese meiden, um somit langfristig auch ein Magengeschwür zu vermeiden. Kaffee und Alkohol sollten nur in Maßen getrunken werden, um den Magen nicht zu schädigen.

Auch das Rauchen sollte aufgegeben werden, da Nikotin die Magenschleimhaut reizen kann. Wer ständigem Stress ausgesetzt ist, sollte versuchen, Ruhephasen in seinen Alltag einzubauen und durch Entspannungsübungen wieder zur Ruhe zu finden.

Magenschädigende Medikamente sollten nur kurzfristig eingenommen werden; mitunter hilft die zusätzliche Einnahme eines "Magenschutzes". Gegebenenfalls kann der Arzt andere Medikamente verordnen, die zwar die gleiche Wirkung erzielen, den Magen jedoch nicht angreifen.

Quellen:

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  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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