Früherkennung von Lungenkrebs - neues CT-Screening erkennt auch nicht-behandlungsbedürftige Fälle

Deutsche Mediziner befürchten, dass die Durchführung von Lungen-CTs zu vielen falsch-positiven Befunden führen könnte

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  • von Paradisi-Redaktion
Patient wird von Arzt in Kernspin-Tomografen geschoben

Lungenkrebs zählt zu den häufigsten Krebsarten. Bei Männern liegt das Bronchialkarzinom, so der Fachausdruck, sogar auf Platz 1. Die 5-Jahresüberlebensrate befindet sich bei gerade einmal fünf Prozent, was die Aggressivität des Tumors zeigt. Allerdings hängt die Prognose bei jedem Patienten im Wesentlichen davon ab, in welchem Stadium der Krebs erkannt wird.

Lungen-CT als Früherkennungsmaßnahme ist umstritten

In den USA ist daher seit kurzer Zeit ein Lungen-CT als Früherkennungsmaßnahme für Patienten möglich. In Deutschland steht die Mehrheit der Mediziner diesem Verfahren allerdings kritisch gegenüber. Man hat Sorgen, dass es zu vielen falsch-positiven Ergebnissen kommt.

Die Betroffenen und deren Ärzte sind beim positiven Screening verständlicherweise besorgt und es wird eine Biopsie durchgeführt. Ist der CT-Befund gar nicht wirklich kritisch gewesen, wird diese Maßnahme umsonst durchgeführt, was in keinem Verhältnis zum Risiko steht.

Es kommt durch die Biopsie bei manchen Patienten zu einem Pneumothorax, also einer gefährlichen Ansammlung von Luft im Brustkorb. Auch Todesfälle sind dabei die Folge.

Nur bei 73 von 2.392 Patienten kommt es tatsächlich zur Krebsdiagnose

Forscher wollten die Ergebnisse des Lungenscreenings daher genauer unter die Lupe nehmen und werteten im Zuge einer internationalen Studie die Daten von 57.496 Patienten aus. Alle hatten sich für eine Früherkennung von Lungenkrebs entschieden und das CT-Screening mitgemacht.

Bei insgesamt 2.392 Patienten entdeckte man dabei einen nicht-soliden Knoten. Diese 4,2 Prozent der Studienteilnehmer unterzogen sich daraufhin weiteren Untersuchungen. In nur 73 Fällen kam es dabei zur Krebsdiagnose.

Das Screening wurde jährlich wiederholt und zeigte bei einem späteren Durchgang 485 Knoten. Dieses Mal waren auch solide Knoten darunter, die ursprünglich nicht-solide gewesen waren. Insgesamt betraf das aber nur 22 Knoten.

Nicht-solide Knoten nur engmaschig kontrollieren

Im Durchschnitt vergingen dabei etwas mehr als zwei Jahre (25 Monate), bis nicht-solide Knoten einen festen Abschnitt entwickelt hatten. Die Forscher halten es daher für sinnvoll, nicht-solide Knoten nur engmaschig zu kontrollieren, aber nicht sofort zu härteren Maßnahmen zu greifen. Dies würde das Nutzen-Risiko-Profil des Screenings deutlich sinnvoller gestalten, so die Wissenschaftler.

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Erstellt am 30.06.2015
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  • Bildnachweis: Patient and doctor ready to do CAT scan with CT scanner. © Konstantin Sutyagin - www.fotolia.de

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