7. April 2011
Als chronische myeloische Leukämie bezeichnet man eine chronisch verlaufende Blutkrebsform. Dabei vermehren sich die weißen Blutkörperchen auf krankhafte Weise.
Leukämie oder Blutkrebs zählt zu den bösartigen Erkrankungen. In der Medizin unterteilt man sie in verschiedene Subformen. Dazu gehören die akute lymphatische Leukämie (ALL), die akute myeloische Leukämie (AML), die chronische lymphatische Leukämie (CLL) sowie die chronische myeloische Leukämie (CML).
Die chronische myeloische Leukämie bezeichnet man auch als chronische Myelose. Dabei kommt es zur Entartung von bestimmten Knochenmarkszellen, den monoklonalen Stammzellen. Besonders betroffen von dieser chronisch verlaufenden Leukämieform sind Menschen im mittleren Alter zwischen 50 und 60 Jahren. Dagegen kommt sie bei jungen Leuten unter 20 Jahren nur selten vor. Bei Männern tritt die Erkrankung häufiger auf als bei Frauen.
Da die Blutzellen des menschlichen Körpers nur über eine begrenzte Lebensdauer verfügen, ist ihre ständige Neubildung erforderlich, was im Knochenmark geschieht. Hergestellt werden die neuen Blutzellen durch Zellteilungen aus so genannten Stammzellen oder Vorläuferzellen. In den Blutkreislauf gelangen die Zellen normalerweise erst dann, wenn sie ausgereift sind. Im Falle einer chronisch myeloischen Leukämie tritt jedoch eine Entartung der monoklonalen Stammzellen ein.
Wodurch die chronische myeloische Leukämie verursacht wird, ist noch immer unklar. Mögliche Risikofaktoren sind Chemikalien wie Benzol oder eine erhöhte Strahlenbelastung. Bei den meisten Patienten, die an dieser Leukämieform erkranken, liegt eine Veränderung des Chromosoms 22 vor, das auch Philadelphia-Chromosom genannt wird. Dabei kommt es zu einer Verlagerung von zusätzlichem genetischen Material vom Chromosom 9. Dieser Vorgang hat zur Folge, dass vom Organismus eine gefährlich veränderte Tyrosinkinase gebildet wird, was wiederum zur unkontrollierten Teilung von Blutzellen führt.
Im Anfangsstadium der chronischen myeloischen Leukämie zeigen sich zunächst keine Symptome, da die Krankheit schleichend verläuft. So können zwischen dem Beginn der Entartung und der Diagnose der Leukämieform mehrere Jahre vergehen. Man unterteilt die chronische myeloische Leukämie in drei Stadien. Das erste Stadium ist die chronisch stabile Phase. Dabei nehmen die weißen Blutköperchen, die Leukozyten, im Blut zu. Außerdem vergrößert sich die Milz, wodurch es zu Druckgefühlen im linken Oberbauch kommen kann. Darüber hinaus verspüren die Betroffenen unspezifische Symptome wie Leistungsminderung und Müdigkeit. Das zweite Stadium wird als Akzelerationsphase bezeichnet. In dieser Übergangsphase verringert sich die Zahl der Erythrozyten, der roten Blutkörperchen, sowie der Thrombozyten, der Blutplättchen. Die Patienten leiden nun unter typischen Symptomen wie Atemnot, Herzrasen, Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blasser Haut, Nachtschweiß und Fieber. Außerdem vergrößert sich die Leber. Das dritte und letzte Stadium bezeichnet man als Blastenschub oder Blastenkrise. Dabei gelangen unreife Vorstufen von Myeloblasten in das Blut. Genau wie bei einer akuten Leukämie kann der Krankheitsverlauf tödlich sein.
Entdeckt wird die chronische myeloische Leukämie in den meisten Fällen eher zufällig bei Routineuntersuchungen. So lässt sich bei einer herkömmlichen Blutuntersuchung die Vermehrung der Leukozyten nachweisen. Zur Absicherung der Diagnose erfolgt meist eine Knochenmark-Punktion. Darüber hinaus kann auch eine Chromosomen-Analyse durchgeführt werden, um das Philadelphia-Chromosom nachzuweisen.
Steht fest, dass es sich um eine chronische myeloische Leukämie handelt, muss schnellstens mit der Behandlung begonnen werden. Dazu verabreicht man den Patienten den Tyrosinkinase-Hemmer Imatinib. Als Alternative kommen auch der Einsatz von Interferon-alpha oder eine Chemotherapie infrage.
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