Leistenbruch - Ursachen, Symptome und Behandlung

Für die Entstehung eines Leistenbruches gibt es verschiedene Ursachen. Wie die Erkrankung verläuft, ist individuell verschieden und hängt von der Art des Bruches ab. Ein Leistenbruch äußert sich durch typische Symptome. Die Diagnostik ist daher für den Arzt Routine.

Die Entstehung eines Leistenbruchs und wie man ihn erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Ein Leistenbruch, auch Hernia inguinalis genannt, kann angeboren sein oder sich auch im Laufe der Zeit entwickeln. Bei einem Leistenbruch liegt eine Schwachstelle in der Bauchdecke - entweder am Leistenkanal oder in unmittelbarer Umgebung - vor.

Die Bauchdecke gilt als Bruchlücke, durch die Teile der Bauchorgane durchdringen können. Dies lässt sich durch eine Verwölbung sehen und ertasten.

Bei der Leistenhernie handelt es sich somit nicht um eine Fraktur, wie sie den Knochen betreffen kann, sondern vielmehr um durchstoßendes Gewebe der Bauchwand, welches die Leistenregion (Bruchpforte) durchbricht und eine Ausstülpung (Bruchsack) bildet. Der Leistenkanal stellt eine Verbindung zwischen Bauchraum und Genitalbereich dar; bei Frauen verläuft hier das so genannte Mutterband (zur Stabilisierung der Gebärmutter), bei Männern der Samenstrang. Männer sind häufiger von der Erkrankung betroffen.

Direkter und indirekter Bruch

In der Medizin wird zwischen verschiedenen Formen des Leistenbruchs unterschieden:

  • den direkten (medialen) und
  • den indirekten (lateralen) Bruch.

Bei der Unterscheidung spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. So wird der direkte Leistenbruch im Laufe des Lebens erworben; ein höheres Alter steht dabei für ein höheres Risiko. Der Bruch betrifft bei dieser Form die Hinterwand des Leistenkanals und entwickelt sich aus einer Bindegewebsschwäche an dieser Stelle heraus.

Der indirekte Leistenbruch hingegen kann mitunter auch angeboren sein und betrifft vorwiegend Kinder und junge Erwachsene. Der Bruch erfolgt bei dieser Form durch den inneren Leistenring und bezieht sich somit auf den Eingang des Leistenkanals. Von Geburt an kann der Leistenring etwas erweitert sein; bei Jungen kann dies eher zu einem Leistenbruch führen, da die Hoden im Laufe der Schwangerschaft durch den Leistenkanal in den Genitalbereich wandern - wird die Lücke nicht gänzlich verschlossen, kann dies die Hernie begünstigen.

Ursachen

Ein Leistenbruch kann angeboren sein. Bereits Neugeborene leiden dann daran.

Auch Operationen im Bereich des Bauchraumes können einen Leistenbruch begünstigen. Oft liegt auch gleichzeitig noch eine Schwäche des Bindegewebes vor, was die Entstehung der Hernie zusätzlich fördert.

Liegen diese Ursachen vor, entsteht der Leistenbruch meist

Auch

zählen zu den Risikofaktoren.

Verlauf

Leistenbrüche gehören für den Arzt zur täglichen Routine. Im Normalfall stellt ein Leistenbruch keinen Notfall dar, es gibt demzufolge auch nur wenige Todesfälle.

Liegt jedoch ein eingeklemmter Leistenbruch vor, muss schnellstens operiert werden, um eine Entzündung im Bauchraum zu vermeiden. Die Entzündung kann lebensgefährlich werden.

Leistenbruchoperationen bergen einige Risiken wie zum Beispiel

  • eine Infektion der Wunde
  • Blasen- oder Darmverletzungen oder auch
  • eine Embolie.

Betroffene müssen sich nach der Operation schonen und dürfen für mehrere Monate keine schweren Gegenstände heben und beim Stuhlgang nicht fest pressen, sonst könnte es zu einem Wiederauftreten des Leistenbruches kommen.

Symptome

Bei einem Leistenbruch ragen Eingeweide in den Leistenkanal des Betroffenen. Der Leistenbruch verursacht dadurch eine Geschwulst im Bereich der Leiste, die sogar von einem Laien getastet werden kann. Meist kann die Erhöhung in der Leiste mit bloßem Auge erkannt werden.

Der Leistenbruch verursacht auch ohne körperliche Betätigung einen leichten Schmerz. Durch Druck auf die Geschwulst verstärken sich die Schmerzen.

Betroffene mit einem Leistenbruch haben oft große Schmerzen beim Heben von schweren Gegenständen. Auch das Pressen beim Stuhlgang verursacht oft große Schmerzen im Leistenbereich. Männer verspüren die Schmerzen bis hin zum Hodensack, Frauen bis zu den Schamlippen.

Ist die Hernie stark ausgeprägt, kann es zu einem Bruch bis in den Hodensack kommen, was man als Skrotalhernie bezeichnet. Wird ein Leistenbruch nicht rechtzeitig behandelt, führt dies zu sehr starken Schmerzen mit Übelkeit und Erbrechen, die auch tödlich enden können. Des Weiteren kann es zu

kommen. Diese Symptome treten auf, wenn es sich um einen eingeklemmten Leistenbruch handelt. Der abgeklemmte Teil des Darms kann wegen der fehlenden Blutzufuhr auch absterben, sodass schnellstens operiert werden sollte.

Diagnose

Im ersten Schritt tastet der Arzt den Bauch des Patienten ab. An der Stelle des Leistenbruches ist der Patient beim Abtasten sehr schmerzempfindlich.

Oft ist auch eine Ultraschalluntersuchung notwendig, um den Diagnoseverdacht zu sichern. Dies ist besonders bei übergewichtigen Personen der Fall, bei denen die Leistengegend oft nicht gut abgetastet werden kann. Auch kleine Leistenbrüche können oft nur durch eine Ultraschalluntersuchung diagnostiziert werden, da sie durch die Bauchdecke nicht zu tasten sind.

Der Arzt untersucht genau, um welche Art von Leistenbruch es sich handelt. Liegt ein Bruch vor, bei dem die Eingeweide zurück geschoben werden können, handelt es sich nicht um einen Notfall (reponible Leistenhernie). Bei dieser Form des Leistenbruches verspüren die Betroffenen auch meist nur geringe Beschwerden.

Kann der so genannte Bruchinhalt jedoch nicht zurück geschoben werden, liegt ein Notfall vor (irreponible Leistenhernie) und es muss eine sofortige Behandlung erfolgen, da sonst Lebensgefahr droht.

Behandlung

Konservative Behandlung

Um einen Leistenbruch zu heilen, muss immer ein chirurgischer Eingriff erfolgen. Bei einigen Betroffenen ist jedoch eine Operation nicht möglich, so dass der Leistenbruch vorübergehend konservativ behandelt wird.

Dies gilt zum Beispiel für Schwangere, bei denen während der Schwangerschaft ein nicht eingeklemmter Leistenbruch aufgetreten ist. Während der Schwangerschaft wird meist nicht operiert, so dass die Schwangeren in dieser Zeit das Bruchband tragen müssen.

Dieses Band verhindert, dass die Eingeweide in den Bauchraum ragen und hier zu lebensgefährliche Entzündungen führen können. Das Band kann jedoch nur vorübergehend verwendet werden.

Es verschafft keine Heilung. Einige Monate nach der Entbindung muss auch hier operiert werden.

Operationsverfahren

Handelt es sich um einen eingeklemmten Leistenbruch, stellt dies einen Notfall dar, der sofort operiert werden muss. Leiden bereits Neugeborene an einem Leistenbruch, wird dieser meist in den ersten Lebenstagen oder –monaten chirurgisch behandelt.

Alle Leistenbrüche werden – je nach Größe - in Vollnarkose oder mit örtlicher Betäubung operiert. Es gibt unterschiedliche Verfahren, die dabei zur Anwendung kommen.

Eine andere Operationsmöglichkeit ist die Laparoskopie (Bauchspiegelung), bei der ein Laparoskop, ein spezielles Gerät, benutzt wird. Dabei zieht man den Inhalt des Bruchsacks von innen wieder in den Bauchraum hinein. Danach vernäht man die Lücke ebenfalls mit einer Naht oder einem Netz aus Kunststoff.

Offene Verfahren

Bei den offenen Operationen wird ein Bauchschnitt durchgeführt. Man unterscheidet:

  • Leistenbruch-OP nach Shouldice: Leistenschnitt, Zurückdrängung des Bruchinhalts in den Bauchraum, Verstärkung des Leistenkanals durch Bindegewebe der Bauchmuskulatur
  • Leistenbruch-OP nach Bassini: Zurückdrängung des Bruchinhalts, Verstärkung des Leistenkanals durch Vernähen der Bauchmuskeln mit dem Leistenband
  • Leistenbruch-OP nach Lichtenstein: Zurückdrängung des Bruchinhalts, Verstärkung des Bauchwand hinter dem Leistenkanal durch Vernähen eines Kunststoffnetzes
Lichtenstein-Methode

Bei der Lichtenstein-Methode setzt der Chirurg einen ungefähr 6 cm langen Schnitt in die Haut über der charakteristischen Beule an der Leiste. Dann drückt er das eventuell eingeklemmte Organ zurück an seinen Platz und vernäht die Bauchwandmuskulatur.

Das Vernähen erzeugt ein dünnes Kunststoffnetz. Es führt zu Stabilität, weil die Muskulatur vor dem Leistenbruch zu schwach war, um Knochen und Organe zu tragen. Durch das Vernähen soll diese eigentliche Aufgabe der Muskulatur wieder hergestellt werden.

Insgesamt dauert die Operation nach der Lichtenstein-Methode eine halbe Stunde. Sie kann sogar unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden, eine Vollnarkose ist also nicht notwendig.

Rutkow-Methode

Letzteres gilt auch für die Rutkow-Methode. Die Unterschiede zur Lichtenstein-Methode sind, dass ein kleinerer Schnitt gesetzt wird und dass zusätzlich zur Vernähung der Bauchwandmuskulatur die Muskulatur zusätzlich noch mit einer kleinen Netzplatte verstärkt wird.

Dadurch wird ein neuer Leistenbruch praktisch ausgeschlossen. Die Rutkow-Methode wird ambulant durchgeführt, d.h. der Betroffene kann am Tag der OP wieder nach Hause gehen; die OP selbst dauert 20 Minuten.

Nachwirkungen

Bei der Leistenbruch-OP kann es zu Blutungen und Wundheilungsstörungen kommen. Dies sind jedoch die Komplikationsrisiken, die bei jeder OP auftreten können und auf die der Arzt vor der OP hinweisen muss. Nach der OP ist es wichtig, dass zumindest in den ersten Wochen keinerlei schwere Lasten (schwerer als 5 kg) gehoben werden.

Minimal-invasive Verfahren

Auch minimal-invasive Verfahren kommen zur Anwendung. Hierbei gibt es folgende Möglichkeiten:

  • TAPP (Transabdominelle Netzplastik): Befestigung eines Netzes über der Bruchstelle, welches mit Metallclips fixiert wird
  • TEP (Total extraperitoneale Netzplastik): Befestigung eines Netzes ohne zusätzliche Fixierung

Durch die Operation oder den minimal-invasiven Eingriff werden die Eingeweide an ihren Platz im Bauchraum zurückgeschoben und die so genannte Bruchlücke verschlossen. Während beim minimal-invasiven Eingriff nur winzige Schnitte vernäht werden müssen, wird bei der normalen Operation ein etwa zehn Zentimeter langer Schnitt versorgt.

Vorbeugung

Der Entstehung eines Leistenbruches kann man nur in gewissem Maße vorsorgen, da man keinen Einfluss auf sein Bindegewebe hat. Da Übergewicht die Entstehung von Leistenbrüchen jedoch begünstigt, sollte man dieses in jedem Fall versuchen abzubauen.

Schwere Gegenstände sollten möglichst nicht gehoben werden, sofern sich dies vermeiden lässt. Eine Verstopfung begünstigt ebenfalls die Entstehung eines Leistenbruches, daher sollte man sich vitamin- und ballaststoffreich ernähren, um so für einen weichen Stuhlgang ohne Pressen zu sorgen. Sollte man die Befürchtung haben, an einem Leistenbruch zu leiden, sollte man dies umgehend ärztlich abklären lassen, um einen eventuellen eingeklemmten Leistenbruch rechtzeitig zu erkennen.

Quellen:

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  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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