05.01.12 18:31
weibchen38
weibchen38

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Legasthenie Forum

Kann ein defektes Gen Legasthenie auslösen?

Der achtjährige Sohn meiner Schwester ist Legastheniker. Soviel ich weiß, ist er wohl der erste in unsere Familie und keiner kann sich vorstellen, woher diese Schwäche kommt. Kann vielleicht ein defektes Gen dafür verantwortlich sein oder woher kommt so was? Wer kennt sich da aus und könnte mir Infos dazu geben? Danke, Weibchen

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Antworten (2)

10.01.12 23:26
Manuela Engl
Manuela Engl

Beitrag von einem Gast oder ehemaligen Mitglied

Legasthenie - eine besondere Wahrnehmungsfähigkeit

Liebes "weibchen38"!

Es gibt nach meinem derzeitigen Kenntnisstand kein Gen für das Lernen.

Darf ich Ihnen was verraten?

Kein Kind wird mit irgendeiner Lernschwäche geboren.

Im Gegenteil: Die meisten Kinder mit so genannten „Lernstörungen“
haben eine ganz besondere Fähigkeit.
Die Fähigkeit, in Bildern zu denken.

Vielen Wörtern in unserer Sprache fehlt ein Bild.
Insbesondere die Präpositionen und alle „kleinen“ Wörter sind es,
die diese Kinder mit dem besonderen Wahrnehmungssystem „verwirren“.

Sobald diese Kinder eine bildliche Vorstellung von Wörtern haben,
das durch ein gezieltes Training erarbeitet werden kann,
gelingt es nach und nach, Wörter in der orthografisch richtigen Buchstabenreihenfolge zu schreiben.


Ich mag Ihnen jetzt ein Buch empfehlen,
bei dem ich selbst zum Staunen kam,
als ich es vor einigen Jahren las:

Legasthenie als Talentsignal
Ronald D. Davis
ISBN: 3426775069

Er galt selbst bis zu seinem 38. Lebensjahr als Analphabet.
Und er hat dennoch studiert!

Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen entwickelte er
ein äußerst spannendes Konzept, das vielen Kindern
und Erwachsenen helfen kann, mit den Buchstaben Frieden zu schließen.

Herzliche Grüße und alles Gute wünscht Ihnen
und Ihrem achtjährigen Neffen

Manuela Engl

30.01.12 21:46
Martina
Martina

Beitrag von einem Gast oder ehemaligen Mitglied

Legasthenie ist genetisch nachweisbar

Liebes Weibchen38,

ich wollte Ihnen mal eine recht wissenschaftliche Seite zu Tage legen.

Ja, Legasthenie ist genetisch nachweisbar.


"Bisher wurden sechs Regionen auf den Chromosomen 1, 2, 3, 6, 15 und 18 identifiziert, die die Lese- und Rechtschreibfähigkeit indirekt beeinflussen. „Möglicherweise liegen dort Gene, die bestimmte Funktionen der Sprachverarbeitung steuern. Sind diese gestört, kann es zu Problemen beim Erwerb der Schriftsprache kommen“, erläutert Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt, Marburg, Ehrenpräsident der DGKJP. Rund 50 Prozent der Lese- und 60 Prozent der Rechtschreibfähigkeit beruhen auf Vererbung. Bei Jungen ist der genetische Einfluss im Vergleich zu Mädchen größer. Auch die familiäre Vorbelastung spielt eine Rolle: In Familien, in denen bereits LRS vorkommt, ist die Rate der Betroffenen höher.
Gestörte Funktionen des visuellen und auditiven Cortex (Hirnrinde) spielen inzwischen in der Ursachendiskussion eine große Rolle. Mit der Positronenemissionstomographie und der Magnetresonanztomographie kann inzwischen bildlich dargestellt werden, wie bestimmte Hirnregionen bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Wörtern und Buchstaben reagieren. So werden bei Kindern mit LRS Areale der linken Hirnrinde erst mit deutlicher Verzögerung aktiviert. Gebiete in der Schläfengegend, in denen hauptsächlich das Zusammenführen der Buchstaben zur Lautformation stattfindet, sind deutlich geringer aktiviert. In anderen Regionen kommt es hingegen zu Überaktivierungen, die darauf hinweisen, dass die Kinder die Leseschwäche auf ineffektive Weise zu kompensieren versuchen. Die DGKJP weist darauf hin, dass häufig vermutete Zusammenhänge mit Linkshändigkeit, Geburtsschädigungen oder motorischen Schwächen nicht nachgewiesen werden konnten.
Training im Kindergarten erfolgreich
Die neuen Erkenntnisse machen es möglich, Risikokinder schon im Vorschulalter zu erkennen (...)" (verweise auf http://www.aerzteblatt.de/archiv/40478 )

mfg


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