Morbus Perthes - Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei Morbus Perthes handelt es sich um eine orthopädische Krankheit, die bei Kindern auftritt. Dabei kommt es zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Ursachen, Symptome und Behandlung der orthopädischen Kinderkrankheit

Morbus Perthes wird zu den Kinderkrankheiten gezählt. So sind vor allem Kinder zwischen 4 und 9 Jahren betroffen.

Benannt wurde Morbus Perthes nach dem deutschen Mediziner Georg Clemens Perthes (1869-1927). Dieser beschrieb die Krankheit im Jahr 1910. Da zur gleichen Zeit Beschreibungen durch den Franzosen Jacques Calve und den US-Mediziner Arthur T. Legg erfolgten, wird auch der Begriff Calve-Legg-Perthessche Krankheit gebraucht.

Bei Morbus Perthes kommt es zu Wachstumsstörungen des Hüftkopfes, die meist gutartig verlaufen. Die Beschwerden können sich sowohl auf nur einer Seite der Hüfte zeigen als auch auf beiden Seiten.

Betroffen ist etwa eins von 1.200 Kindern. Bei Jungen tritt die relativ seltene Krankheit deutlich häufiger auf als bei Mädchen. Weitere Bezeichnungen für diese Erkrankung sind

  • Legg-Calvé-Perthes-(Waldenström-)Syndrom (LCP)
  • Coxa plana idiopathica
  • Osteochondropathia deformans coxae juvenilis
  • juvenile Hüftkopfnekrose
  • Maydl-Krankheit und
  • idiopathische kindliche Hüftkopfnekrose.

Ursachen

Die genaue Ursache von Morbus Perthes ist noch immer unbekannt. Es wird vermutet, dass möglicherweise Fehlbildungen der Blutgefäße die Durchblutung des Hüftkopfes in Mitleidenschaft ziehen. Aber auch

gelten als denkbare Auslöser der Kinderkrankheit.

Symptome

Typisch für Morbus Perthes ist, dass es zu Schmerzen in der Hüfte, aber auch an den Knien kommt. Im Alter von fünf bis sieben Jahren beginnen die betroffenen Kinder zu hinken und werden beim Laufen schnell müde.

Allerdings treten nicht bei allen Patienten Schmerzen auf. Im frühen Stadium ähnelt Morbus Perthes Rheuma. Häufig leiden die Patienten unter Gelenkreizungen und Gelenkergüssen.

Im weiteren Verlauf kommt es zu einer dauerhaften Verformung von Hüftkopfkugel und Gelenkpfanne, was wiederum Bewegungsstörungen zur Folge hat. Außerdem bleibt das betroffene Bein verkürzt. Des Weiteren droht ein frühzeitiger Verschleiß des Hüftgelenks.

Fünf Stadien

Morbus Perthes wird in fünf verschiedene Stadien unterteilt.

  1. Erstes Stadium ist das Initialstadium, in dem es zu einer Entzündung der Gelenkkapseln sowie zur Bildung von Ödemen (Flüssigkeitsansammlungen) kommt.
  2. Das zweite Stadium wird Kondensationsstadium genannt. Dabei tritt eine Verdichtung des betroffenen Knochens auf.
  3. Beim Fragmentationsstadium brechen Teile des Hüftkopfes oder sogar der ganze Kopf zusammen.
  4. Das nächste Stadium ist das Reparationsstadium, in dem der Hüftkopf wieder aufgebaut wird. Ebenso ist eine Ausheilung in einer deformierten Stellung möglich.
  5. Das fünfte und letzte Stadium bezeichnet man als Ausheilungsstadium. Die Umbauprozesse sind nun beendet.

Treten während des Reparationsstadiums Fehlbelastungen auf, besteht die Gefahr, dass der Hüftkopf dadurch deformiert wird.

Diagnose

Um Morbus Perthes zu diagnostizieren, werden in der Regel Röntgenuntersuchungen durchgeführt. Im Anfangsstadium ist es auch möglich, mithilfe einer Magnetresonanztomographie (MRT) kleinste Veränderungen festzustellen.

Gelenkergüsse im Hüftgelenk lassen sich durch eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) nachweisen. Ein typischer Hinweis auf Morbus Perthes ist das so genannte Viererzeichen. Das heißt, dass der Patient beim Abspreizen und Drehen des Hüftgelenks eingeschränkt ist.

Der zeitliche Verlauf von Morbus Perthes sowie die Prognose lassen sich nicht vorhersehen. Als wichtige Faktoren gelten das Ausmaß des Befalls sowie das Alter des erkrankten Kindes.

Behandlung

Ziel einer Morbus-Perthes-Therapie ist es, die Deformierung der Hüfte zu verhindern und die Beweglichkeit des Kindes aufrechtzuerhalten. Bestehen bereits Verformungen, soll die Gelenkkongruenz wiederhergestellt werden.

Die Behandlung kann sowohl konservativ durch Krankengymnastik oder spezielle Orthesen sowie durch einen operativen Eingriff erfolgen. An Orthesen und weiteren Hilfsmitteln kommen zum Einsatz:

  • die Thomasschiene zur Entlastung
  • die Mainzer Orthese zur Entlastung und Heilungsförderung
  • ein Beckenbeingipsverband zur Entlastung und Heilungsförderung
  • die Atlanta-Schiene zur Heilungsförderung
  • ein Braadgips zur vollen Entlastung
  • ein Rollstuhl
  • Unterarmgehhilfen
  • die Snyder-Schlinge zur vollen Entlastung

Quellen:

  • Uwe Beise, Uwe Beise, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
  • Theresa Förg: BASICS Pädiatrie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2019, ISBN 3437422197

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft. Wie wir arbeiten und unsere Artikel aktuell halten, beschreiben wir ausführlich auf dieser Seite.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Historie:
Zuletzt aktualisiert am
So arbeiten wir
Autor:

Mehr über uns
Warum kein namentlicher Autor?

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft.

Bildnachweise:
  • hüftgelenk mit schmerzen © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Weitere Artikel zum Thema