Enzephalitis (Gehirnentzündung) - Auslöser, Symptome und Therapie

Grafische Darstellung Blutkreislauf im Gehirn

Entzündung des Gehirns, meist infolge einer Infektion mit Viren

  • ,
  • von Paradisi-Redaktion

Bei der Enzephalitis handelt es sich um eine lebensgefährliche Entzündung des Gehirns. Auslöser der Erkrankung sind in den meisten Fällen Viren, eine Gehirnentzündung kann aber auch durch Bakterien und Pilze verursacht werden. Da die Entzündung ganz unterschiedliche Gehirnregionen betreffen kann, unterscheidet man verschiedene Formen der Erkrankung. Aufgrund schwerer Komplikationen und neurologischer Folgeerscheinungen ist eine schnelle Diagnose und Behandlung der Enzephalitis wichtig. Mehr über die Beschwerden und Therapie einer Gehirnentzündung lesen Sie in diesem Artikel.

Was ist eine Gehirnentzündung?

Die Gehirnentzündung trägt in der Medizin auch die Bezeichnung Enzephalitis. Der Begriff Enzephalitis stammt aus dem Altgriechischen und setzt sich aus den Wörtern "enkephalos" (Gehirn) sowie "itis" (Entzündung) zusammen.

Besonders betroffen von der Erkrankung sind Kinder, junge Erwachsene und Menschen, die unter einer Schwächung ihres Immunsystems leiden. Eine frühzeitige medizinische Behandlung der Gehirnentzündung ist überaus wichtig, da sie sonst lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann.

Häufigkeit

Die Gehirnentzündung zählt zu den seltenen Erkrankungen. In der Bundesrepublik Deutschland tritt je 100.000 Einwohner ein Fall pro Jahr auf, was einer Häufigkeit von etwa 80 Fällen entspricht. Bei Personen über 25 Jahren, die gesund sind, zeigt sich eine Enzephalitis nur extrem selten.

Unterschiedliche Formen der Enzephalitis

Die Gehirnentzündung lässt sich in verschiedene Formen unterteilen. Diese richten sich nach der Gehirnregion, in der sich die Krankheit zeigt.

Panenzephalitis

Von einer Panenzephalitis sprechen Mediziner, wenn das gesamte Gehirn von der Entzündung betroffen ist. Sie stellt die am häufigsten vorkommende Form der Gehirnentzündung dar.

Leukenzephalitis

Die Leukenzephalitis ist auch als Leukoenzephalitis bekannt. Bei dieser Variante werden die Nervenfasern der weißen Hirnsubstanz in Mitleidenschaft gezogen. Oft zeigt sich diese Enzephalitisform bei einer Multiplen Sklerose.

Polioenzephalitis

Die Polioenzephalitis tritt häufig bei Kindern im Rahmen der Kinderlähmung (Poliomyelitis) auf. Sie betrifft die Nervenzellkörper der grauen Hirnsubstanz.

Ursachen der Enzephalitis

Eine Gehirnentzündung kann von unterschiedlichen Krankheitserregern hervorgerufen werden. Einige dieser Keime gelten normalerweise als harmlos und kommen im menschlichen Organismus vor, ohne bemerkt zu werden. Dazu zählen unter anderem Zytomegalie-Viren und Herpes-Viren. Kommt es jedoch zu einer Schwächung des Immunsystems, besteht die Gefahr, dass die Mikroorganismen bis in das empfindliche Gehirn gelangen.

In den meisten Fällen sind Viren für den Ausbruch einer Enzephalitis verantwortlich. Dabei kann es sich auch um Erreger handeln, von denen Kinderkrankheiten wie Windpocken, Röteln, Mumps, Masern oder Kinderlähmung verursacht werden. Für die Übertragung einiger Viren sind zudem Mücken oder Zecken verantwortlich. Auf diese Weise entstehen Varianten wie die Japanische Enzephalitis, die sich vor allem in Asien zeigt, sowie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die auch in Deutschland verbreitet ist.

Neben den Viren können aber auch Bakterien eine Enzephalitis auslösen. Häufigste Erreger sind Tuberkulose-Bakterien, Syphilis-Bakterien sowie Borrelien, die durch Zecken übertragen werden.

Ebenfalls zu den Mikroorganismen, die für das Entstehen einer Gehirnentzündung verantwortlich sein können, gehören Pilze und Parasiten. Sie betreffen in erster Linie Menschen, bei denen eine Schwächung des Immunsystems besteht. Infrage kommen unter anderem die Auslöser der Toxoplasmose sowie unterschiedliche Rundwürmer.

Autoimmunenzephalitis

Bei manchen Patienten sind auch überhaupt keine Krankheitserreger für die Entzündung des Gehirns ursächlich. So liegt bei ihnen eine Autoimmunerkrankung vor. Bei diesem Leiden wird das Gehirn von den eigenen Abwehrkräften attackiert. Als mögliche Auslöser kommen Fehlfunktionen des Immunsystems oder Infekte in Betracht. Die Ärzte sprechen in solchen Fällen von einer Autoimmunenzephalitis.

Gedächtnisverlust durch Antikörper - Autoimmun-Enzephalitis ist häufige als bisher angenommen

Seitenansicht Grafik Frauenoberkörper, Gehirn bunt dargestellt
Frau mit Gehirn © axel kock - www.fotolia.de

Die medizinische Diagnose "Autoimmun-Enzephalitis" gibt es noch nicht sehr lange. Dabei handelt es sich um eine psychische Störung, die erst vor fünf Jahren zum ersten Mal diagnostiziert werden konnte. Man hatte junge Frauen untersucht, die schwerwiegende Gedächtnisprobleme hatten. Es zeigte sich, dass an diesen Störungen spezielle Antikörper schuld waren. Diese sorgten dafür, dass das Gehirn beeinträchtigt wurde und die Areale für die Erinnerungen nicht mehr richtig funktionierten.

Jetzt, da die Mediziner wissen, wonach sie suchen müssen, ist die Diagnose durch einen einfachen Nachweis der Antikörper leicht. So hat sich inzwischen herausgestellt, dass die Krankheit nicht so selten ist, wie man zuvor angenommen hatte. Die Autoimmun-Enzephalitis war damals nur bei zwölf Patientinnen aufgetreten, die gleichzeitig an einen Tumor litten. Nun weiß man aber aus mehr als 400 neuen Fällen, dass es nicht unbedingt Krebs benötigt, damit die Krankheit entsteht. Die Antikörper können sich auch ohne den schädlichen Einfluss eines Krebsgeschwürs bilden und sich gegen die Nervenzellen richten.

Außerdem weiß man inzwischen, dass die fehlgeleiteten Antikörper nicht nur das Gedächtnis stören können, sondern auch Depressionen fördern und bei manchen Patienten zudem Halluzinationen auslösen.

Das Gute ist, dass diese Form der psychischen Störung sehr gut zu behandeln ist. Verabreicht man den Patienten Kortikoid, so genesen sie in der Regel recht schnell.

Symptome der Enzephalitis

Welche Beschwerden mit einer Gehirnentzündung einhergehen, richtet sich nach dem jeweiligen auslösenden Erreger. Die Keime treten an verschiedenen Regionen des Gehirns auf, sodass die Symptome ganz unterschiedlich ausfallen können.

Sind Viren für die Enzephalitis verantwortlich, kommt es zunächst nur zu unspezifischen Beschwerden wie:

Schreitet die Entzündung im Gehirn weiter voran, drohen typische neurologische Beschwerden. Diese fallen im weiteren Verlauf der Krankheit immer heftiger aus. Zu den charakteristischen Beschwerden zählen dann:

Werden zudem die Hirnhäute in Mitleidenschaft gezogen, was bei einer Meningoenzephalitis der Fall ist, droht eine Nackensteife.

Komplikationen

Eine Entzündung des Gehirns kann schwerwiegende Folgeerscheinungen nach sich ziehen. So drohen mitunter Hirnschwellungen, Hirnblutungen oder permanente Krampfanfälle. Im schlimmsten Fall lösen die Komplikationen Schäden im Hirn aus, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen. Eine Gehirnentzündung kann auch tödlich enden, weshalb es sich bei den akuten Folgeerscheinungen um medizinische Notfälle handelt, die umgehend von einem Arzt behandelt werden müssen.

Des Weiteren können nach einer Enzephalitis auch dauerhaft geistige Beeinträchtigungen zurückbleiben. Dazu gehören Verhaltensauffälligkeiten, die Autismus ähneln, Veränderungen der Persönlichkeit oder epileptische Anfälle. Sogar Morbus Parkinson kann als Spätfolge der Gehirnentzündung in Erscheinung treten.

Diagnose der Enzephalitis

Bei Verdacht auf eine Gehirnentzündung muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Bei der Befragung erkundigt sich der Mediziner nach eventuellen Zeckenstichen oder vorherigen viralen Infektionen. Auch die Aussagen von Angehörigen sind von Interesse, weil die Patienten häufig durch die Krankheit in ihrem Wahrnehmungsvermögen eingeschränkt sind und sich oft nicht mehr richtig mitteilen können.

Den nächsten Schritt stellt die körperliche Untersuchung dar. Bei diesem Verfahren werden Motorik und Nervenreaktionen getestet. Sind die Hirnhäute an der Enzephalitis beteiligt, achtet der Arzt auf einen steifen Nacken.

Weitere Untersuchungen

Erhärtet sich der Verdacht auf eine Gehirnentzündung, nimmt der Arzt Untersuchungen von Blut und Gehirnflüssigkeit (Liquor) vor. Durch die Blutuntersuchung lässt sich der auslösende Erreger identifizieren. Für die Untersuchung wird im Lendenwirbelsäulenbereich eine Probe mithilfe einer dünnen Nadel entnommen, was sich zumeist ohne stärkere Schmerzen bewerkstelligen lässt.

Um Schwellungen im Gehirn zu entdecken, können eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz gelangen. Mithilfe einer Elektroenzephalographie (EEG) lassen sich außerdem Verlangsamungen in den entzündeten Gehirnregionen feststellen.

Therapie der Enzephalitis

Die Behandlung der Gehirnentzündung findet prinzipiell in einem Krankenhaus statt, um rasch auf eventuelle Komplikationen reagieren zu können. In den meisten Fällen muss der Patient auf der Intensivstation behandelt werden. Als geeignet für die Therapie gelten spezielle Kliniken, die über eine neurologische Abteilung verfügen, oder eine spezielle Kinderklinik.

Die Therapie der Enzephalitis besteht in erster Linie aus

  • strenger Bettruhe,
  • der Gabe von Flüssigkeit und Schmerzmitteln sowie
  • dem Absenken des Fiebers.

Außerdem können dem Patienten Arzneimittel zur Beruhigung oder gegen epileptische Anfälle verabreicht werden.

Ist das Herpes-Virus für die Enzephalitis verantwortlich, erhält der Patient intravenös Virostatika wie Aciclovir. Sind Bakterien die Ursache für die Gehirnentzündung, werden dagegen Antibiotika verabreicht. Die antiviralen und antibakteriellen Medikamente lassen sich aber auch gleichzeitig anwenden. So dauert es einige Tage, bis der klare Nachweis, welcher Erreger die Gehirnentzündung verursacht, erbracht ist. Sobald dies geschehen ist, konzentriert sich die medikamentöse Therapie dann auf den verantwortlichen Krankheitserreger.

Behandlungsdauer

Die Behandlung einer Enzephalitis kann mitunter einige Zeit in Anspruch nehmen. Im Falle einer viralen Gehirnentzündung erhält der Patient die antiviralen Mittel wenigstens drei Wochen lang.

Prognose der Enzephalitis

Welchen Verlauf die Gehirnentzündung letztlich nimmt, richtet sich nach der Art des Krankheitserregers. Eine wesentliche Rolle spielen zudem der Zeitpunkt der Behandlung und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten.

Aggressive Herpes-Simplex-Viren führen ohne eine medizinische Therapie bei rund 70 Prozent aller Patienten zum Tod. Im Falle einer raschen Behandlung genesen jedoch ca. 80 Prozent der Erkrankten wieder. Grundsätzlich können aber in einigen Fällen dauerhafte Beeinträchtigen des Nervensystems als Folge der Erkrankung zurückbleiben. Am höchsten fällt die Überlebensrate mit rund 98 Prozent bei einer Frühsommer-Meningoenzephalitis aus.

Die Dauer einer akuten Gehirnentzündung liegt bei ungefähr ein bis zwei Wochen. Nimmt sie einen milden Verlauf, erholt sich der Erkrankte relativ schnell wieder.

Vorbeugung einer Enzephalitis

Einigen Formen der Enzephalitis lässt sich durch Impfungen vorbeugen. So gibt es flächendeckende Impfungen gegen Röteln, Masern, Mumps und Kinderlähmung. Auch für Personen, die einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, an einer bestimmten Enzephalitisform wie der Frühsommer-Meningoenzephalitis zu erkranken, stehen Schutzimpfungen zur Verfügung. Bei Reisen nach Südostasien wird eine Impfung gegen die Japanische Enzephalitis empfohlen.

Passend zum Thema

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Quellenangaben

  • Bildnachweis: blutkreislauf des gehirns © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

Weitere Artikel zum Thema