15.02.12 14:44
Andi
Andi

Beitrag von einem Gast oder ehemaligen Mitglied

Hypochondrie Forum

Hypochondrie bestlimmt den Alltag

Da ich mich gerade wieder in einem Tief befinde, nutze ich dieses Forum nun auch mal um mir etwas von der Seele zu schreiben, was mich nun seit ca. 3 Jahren belastet und sich bei mir schubweise äußert.
Vor allem während dieser Schübe würde ich mich mittlerweile als klassischen Hypochonder bezeichnen - wie bei vielen dreht es sich fast ausschließlich um eine mögliche Krebserkrankung.
Kurz zu mir: 30 Jahre, männlich, seit ca. 4 Jahren Nichtraucher (vorher einige Jahre ca. 5 Zigaretten am Tag), Alkohol nur gelegentlich, beruflich derzeit mitten im Masterstudium (MBA).

Der Auslöser für meine Ängste ist für mich nach wie vor eher schleierhaft. Ich hatte zum Glück noch keine schweren Krankheiten in meinem näheren Umfeld mitzuerleben und ich selbst war auch nie ernsthafter krank. Ich vermute allerdings, dass es etwas mit Verlustängsten zu tun haben kann, da ich eben vor knapp 4 Jahren meine jetzige Frau kennengelernt habe, wir sehr glücklich sind und ich latent Angst habe, dass etwas schlimmes dies nun torpedieren könnte. Vor unserer Beziehung war ich sehr lang Single und habe auf meine Traumfrau gewartet. Krankheitsängste kannte ich da aber eigentlich nicht.

Meine Hypochondrie-Symptome sind wie gesagt relativ klassich: Litt ich z.B. mal an einem Harnwegsinfekt, war für mich zunächst Blasen- und Prostatakrebs am wahrscheinlichsten. Habe schon seit der Kindheit tastbare Lymphknoten am Hals - schwellen diese mal an ist es Hodgkin (Lymphdrüstenkrebs). An was ich bei Sodbrennen oder Magendrücken denke, kann sich dann jeder ausrechnen. Ganz aktuell habe ich immer mal wieder eine schmerzende Stelle am Rachen und Google liefert da natürlich Mundhölen- und Zungenkreibs als mögliche Ursache.

Eben diese Internet-Suchmaschine ist auch ein weiteres Übel, das meine Ängste verstärkt und oftmals überhaupt erst auslöst. Bin definitiv auch ein Cyberchonder geworden, der sich problemlos mehrere Stunden durch das Internet auf dem Weg nach Diagnosen wühlen kann. Besonders ausgeprägt ist diese Unart z.B. aktuell, in der Prüfungsphase meines Semesters, wo man viele Stunden im stillen Kämmerlein verbringt, während die Frau ganztätig in der Arbeit ist. Das das natürlich auch nicht förderlich fürs Lernen ist, versteht sich von selbst, wenn man sich im Internet verliert und sich die Gedanken ständig um die Krankheiten drehen.
Ein weiteres Problem sind auch gewisse Zwänge, z.B. nach dieser Suche im Internet, aber auch was das Abtasten bei Symptomen betrifft. Das es natürlich nicht förderlich ist, z.B. bei Entzündungen ständig an dem betroffenen Gebiet herumzudrücken, wäre mich eigentlich klar, aber oft kann ich nicht anders....

Als letzten Punkt möchte ich dann noch das gelegentliche Arzthopping anführen. Leider kann ich ab einem gewissen Punkt meiner Recherche über eine Krankheit nicht anders als diese dann ärztlich abklären zu lassen und das am besten sofort. Da kann das Telefonbuch auf der Suche nach einem Arzt, zu dem man noch am selben Nachmittag kommen kann, schonmal kurz durchtelefoniert werden.
Eine ärztliche Entwarnung hält aber oft nicht sehr lange an, denn z.B. hat man im Internet ja Fälle gelesen, wo zunächst drei Ärzte den Tumor nicht entdeckt hatten. Könnte das bei mir auch so sein und hat der Arzt überhaupt richtig gekuckt? Es gab leider schon Wochen in denen ich 3-4x bei verschiedenen Ärzten war um einigermaßen beruhigt zu sein.
Das das natürlich auch Kosten auslöst und meine private Krankenversicherung nun auch schon mal kritisch nachfrägt, kann man sich denken.

Alles in allem bin ich mir meines Problems aber ziemlich bewusst und ich habe auch vor ca. einem Jahr 5 Therapiesitzungen absolviert, die zwar etwas geholfen haben, der Psychologe aber irgendwie mit dem Thema nicht so viel anfangen konnte. War halt eher eine klassische Angst-Bewältigungs-Therapie, die aber nicht unbedingt sehr auf die Hypochondrie ausgerichtet war.

Ich merke einfach diese Schübe, die z.B. zu Lernzeiten auftreten und die dadurch natürlich auch mein berufliches Vorankommen beeinflussen. In solchen Zeiten bestimmt die Hypochondrie meinen Alltag, während es z.B. in unbeschwärten Urlaubszeiten mit vielen Unternehmungen deutlich weniger ausgeprägt ist.

So, ich hoffe ich habe mit meinen Ausführungen jetzt nicht gelangweilt und ich würde mich freuen wenn ich ein wenig Feedback bekomme.

VG, Andi

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Antworten (4)

13.03.12 23:34
Chris
Chris

Beitrag von einem Gast oder ehemaligen Mitglied

Hypochondrie? Willkommen im Club;-)

Liebe Andy,

ich bin grade auf Deinen Beitrag gestoßen und erkenne mich da selbst wieder. Ich bin selbst seit guten 10 Jahren der reinste Hypochonder, mal ist es besser, mal ganz weg, und dann kommt es wieder...was mir ganz gut geholfen hat ist das Buch "Die Angst vor Krankheit" von Thomas Hartl, Hans Morschitzky...
das Buch erklärt den Prozess, woher die Angst kommt und welche kurz- und langfristigen Möglichkeiten es gibt (auch ohne Therapie in Gruppe), die Hypochondrie in Schach zu halten. Bin selbst wie Du auch 30, vielleicht können wir uns ja zu dem Thema austauschen? Hat Dir die Gruppentherapie was geholfen? Bisher habe ich immer selbst rumexperimentiert, als irgend einer wildfremden Person, einem Psychiater oder Therapeut, mein ganzes Leben zu erzählen...aber viell. schadet das ja auch nicht;-).
Wenn Du mir mal mailen magst: **Email gelöscht**
LG und Alles GUTE,
Chris

16.03.12 11:58
Andi
Andi

Beitrag von einem Gast oder ehemaligen Mitglied

Austausch würde mich freuen!

Hi Chris,

freut mich das Du auf meinen Beitrag gestoßen bist und natürlich würde ich mich freuen wenn wir uns austauschen könnten.
Deine gepostete Mailadresse wurde jetzt zwar leider gelöscht, aber ich poste jetzt mal meine: *gelöscht*.
Ich hoffe auf diese Schreibweise spricht das Forumprogramm nicht gleich an ;-)

Freue mich darauf von Dir zu hören! Ist natürlich auch super das wir gleichaltrig sind und somit wohl auch ähnliche Lebensumstände haben.

Vorab soviel zu Deiner Frage zur Therapie: Also es war keine Gruppen- sondern eine Einzeltherapie. Wie gesagt war sie zwar nicht umsonst, aber leider nicht so ganz auf Hypochondrie ausgerichtet.
Weil Du das angesprochen hast: Mir tats gut mal einer unbeteiligten Person meine Probleme zu schildern, der dann auch professionell damit umgeht. Grad bei der Hypochondrie hat man (zumindest ich) eher Hemmungen im Umfeld darüber zu reden, da viele das nicht verstehen können und man eher das Feedback bekommt: "Stell Dich nicht so an, dir fehlt doch nix". Das aber die Angst davor das Problem ist und nicht die vermutete Krankheit, verstehen viele nicht.

Viele Grüße und Danke für den Buchtipp!

Andi

16.03.12 13:09
Moderator
BeiträgeMitglied seitPunkteOnline
1677710520.05.20089Moderator ist ist im Moment nicht online

Mitteilung vom Moderator

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28.03.12 04:52
Mira
Mira

Beitrag von einem Gast oder ehemaligen Mitglied

Hypochonder

Hallo ihr beiden...

was ihr da schreibt kenne ich nur zu gut...

mir geht es genauso... und im moment bin ich wieder teilweise am durch drehen... ich kann nicht schlafen vor angst... es ist wirklich 4:41 und normalerweise habe ich mit dem schlafen, selbst wenn ich panik habe keine problem.. allerdings halten mich meine halsschmerzen zusätzlich wach... was für eine kompination...

ich habe lange nach einen forum gesucht, welches aktuell ist, die meisten liegen ja leider schon jahre zurück. Aber allein zu lesen das es anderen genau wie mir geht tut gut. es ist nur schade das dies einen die angst nicht nimmt ...

zur zeit belastet mich eine blutvergiftung.... ich weiß nicht ob ich eine habe oder nicht... ich bin ein mensch der knabbert... ziemlich dumm ich weiß, nur aufhören ist extrem schlecht... da ich wieder mal tiefe wunden habe (diese sind zwar am heilen) aber meine seele ist unruhig... ein pochen hier ein kurzes kribbeln und der gedanke blutvergiftung ist da...

ich kämpfe mit diesen zustand auch schon jahre... und wäre einer therapie gar nicht abgeneigt... nur irgendwie kümmert man sich nicht wirklich um einen termin... ich suche menschen mit denen man sich austauschen kann.

meine freunde und eltern sind zwar für mich da, aber irgendwann merkt man dann doch das es sie nervt... was ich zu gut verstehen kann... mich nervt es ja selbst... ich habe ihnen genau erklärt was mit mir los ist... darum versuchen sie mir auch alle zu helfen so gut es geht, was ich ihnen hoch anrechne... nur leider können sie nicht immer da sein...

da man hier keine mail adresse oder sonstiges rein stellen darf hoffe ich einfach mal das ihr zurück schreiben werdet hier... zwar sicherlich jetzt nicht da es mitten in der nacht ist, aber vielleicht später ...

eigentlich wäre so ein richtiger chatraum doch genau das richtig oder? wo man sich in ruhe austauschen kann ....

viele grüße mira


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