13. April 2007
Sie befürchten, dass hinter einem Husten eine schwere Lungenentzündung steckt und lassen sich nach einem Tag der Müdigkeit auf Diabetes untersuchen - die Hypochonder. Was nach außen schrullig anmutet, ist jedoch für die Betroffenen stark belastend.
Es fällt nicht immer leicht, die ständige Einbildung von Krankheiten ernst zu nehmen. Doch für die Hypochonder ist die Einbildung harte Realität. Die Hypochondrie ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die mit der ständigen Angst einhergeht, schwer krank zu sein oder zu werden. Obwohl die Betroffenen zumeist bei bester Gesundheit sind, beobachten sie voller Sorge die kleinsten Veränderungen und schließen sogleich auf einen lebensbedrohlichen Gesundheitszustand. Um ihren Verdacht zu untermauern, kontrollieren sie permanent ihre Körpertemperatur, den Blutdruck oder tasten sich nach Knoten ab.
Forscher des Psychologischen Instituts der Universität Mainz nahmen nun die Verbreitung der Hypochondrie unter die Lupe. Es zeigte sich, dass gute sieben Prozent der Deutschen übertriebene Krankheitsbefürchtungen haben. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu einer Umfrage von Forschern der Universitäten Marburg und Dresden. Sie befragten 4.181 Deutsche im Alter von 18 bis 65 Jahren in einem standardisierten Interview. Nur drei von ihnen zeigten Symptome einer schweren Hypochondrie, weniger als drei Prozent litten unter ausgeprägten oder unrealistischen Krankheitsbefürchtungen (Psychosomatic Medicine 2006, Nr. 68: 770-777). Die Befragung brachte außerdem ans Licht, dass Männer und Frauen ungefähr gleich häufig betroffen und alle Altersklassen vertreten sind.
Oft sind Menschen von der Hypochondrie betroffen, die ein sehr ängstliches Gemüt haben. Häufig wurzelt die Angst in einer schweren Krankheit oder einem langen Krankenhausaufenthalt in der Kindheit oder Jugend. Auch überfürsorgliche Eltern können den Stein der Angst ins Rollen bringen.
Wichtig ist, die Hypochondrie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Zunächst sollte ein Facharzt abklären, ob sich hinter den Mutmaßungen nicht doch eine Krankheit verbirgt. Wenn das nicht der Fall ist, bleibt häufig nur noch der Gang zum Psychologen, Psychotherapeuten oder Facharzt für Psychosomatische Medizin. Denn die Angst vor möglichen Erkrankungen ist ein psychisches Leiden, kein physisches.
Im Rahmen einer Verhaltenstherapie lernt der Betroffene, seine Beschwerden richtig einzuordnen und zu bewerten. Anschließend wird ihm vermittelt, nicht bei jedem Nieser nachzuforschen, ob nicht eine schwere Erkrankung dahinter steckt. In dem Zusammenhang lernt der Hypochonder auch, einen weiten Bogen um medizinische Ratgeber und Gesundheitsportale zu machen, die seine Angst nur nähren würden. Nach der Therapie können die Betroffenen in den meisten Fällen ihren Alltag wieder angstfrei gestalten.
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