4. November 2011

Hypochondrie Artikel

Cyberchonder - Warum die Symptomsuche im Internet problematisch sein kann

Was bedeutet es eigentlich, wenn man ständig Kopfschmerzen hat? Wie wird man eine Blasenentzündung schnell wieder los? Und das Muttermal am Hals, könnte das schon Hautkrebs sein?

Besorgte Frau vorm Computer

Das Web ist längst nicht nur mehr ein Weg der sozialen Vernetzung und schnellen Nachrichtenverbreitung, sondern auch eine wahre Fundgrube für spezielle Fachthemen. Dazu zählt vor allem die Medizin. Täglich nutzen Millionen von Menschen die einschlägigen Internet-Suchmaschinen, um sich über Erkrankungen, Symptome und Therapieverfahren zu informieren. Dabei ist es egal, ob man Rückenschmerzen hat oder Darmkrebs - fundiertes wie vermeintliches Fachwissen findet sich überall im Netz, genau wie Diskussionen und Erfahrungsberichte von Betroffenen und deren Angehörigen.

Der Informationsvorsprung wird kleiner

Der Informationsvorsprung, den Ärzte ihren Patienten gegenüber seit jeher haben, schrumpft damit gewaltig. Niemand muss mehr eine Fachbibliothek durchforsten oder einen Experten zurate ziehen, um sich über die Symptome von Depressionen oder Epilepsie zu informieren. Das ist zunächst ein enormer Vorteil für die Betroffenen, kann jedoch auch gefährlich werden. Denn schnell führen Symptome als Suchbegriffe zu schauerlichen Ergebnissen: Da wird die Müdigkeit zum sicheren Zeichen für eine Schilddrüsenfehlfunktion, das Kribbeln in den Fingern dagegen kann nur Multiple Sklerose bedeuten.

Es ist ganz natürlich, sich mit einer Erkrankung zu identifizieren, wenn man sich stark damit beschäftigt und in einigen Symptomen wiedererkennt. Der Ausdruck "Medizinstudenten-Syndrom" beschreibt die Pseudo-Erkrankungen von Studenten medizinischer Fächer, die je nach Lehrplan in der Uni wöchentlich wechseln können. Viele Menschen neigen zu einer leichten Hypochondrie; manche mehr als andere. Und jenen, die hinter einem Mückenstich eine gefährliche Hauterkrankung vermuten, öffnet das Internet Tür und Tor. Ängste werden geschürt, böse Ahnungen unterfüttert.

Das Internet ersetzt keinen Arzt

Etwa die Hälfte aller Patienten hat sich heute bereits vor einem Arztbesuch im Internet über ihr Leiden informiert. Auch wenn Mediziner es oft wenig zu schätzen wissen, wenn sie ihre Kompetenz mit einer Internetplattform teilen müssen, ist das grundsätzlich nicht falsch. Dennoch kann eine Suche im Internet den Gang zum Fachmann niemals ersetzen. Wenn tatsächlich Anlass zur Sorge besteht, ist es ratsam, den Arzt aufzusuchen, bevor man sich in die Tiefen der Erkrankung eingelesen hat und in Panik verfällt. In der Regel kann der Hausarzt doch besser beurteilen, was seinen Patienten fehlt, wie sie behandelt werden sollten und welchen Facharzt sie eventuell aufsuchen sollten.

Denn die Selbstdiagnose via Internet ist anfällig für Fehler. Nicht alle Informationen, die man online findet, sind vertrauenswürdig und unabhängig. Viele wurden von Laien verfasst, aber auch von Pharmaunternehmen, die ihre Produkte und Behandlungsverfahren vermarkten wollen - manchmal sehr direkt, manchmal unterschwellig. Also: Zu viel surfen zum Thema Erkrankungen tut nicht gut. Ärzte und Apotheker sind in vielen Punkten die kompetenteren Ansprechpartner.

QUELLENANGABEN

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