Hodenkrebs Forum
Verlaufsbericht Stefan
Hey ... ich bin Stefan.
Irgendwann einmal, als ich noch Teenager war und das Petting für mich nicht nur aus der BRAVO her kannte :wink: ... waren da so unangenehme Erfahrungen wie HODEN-NIEREN-SCHMERZEN ... wenn ich den Druck vom längeren Rumknutschen und -fummeln mit der Freundin nicht zeitnah loswurde :( (Nebenhodenanschwellung von Samenflüssigkeiten, Überreizung - Entzündung)
Zeitgleich war ich regelmäßig auf dem Bolzplatz und habe mich mit Freunden und einer "LederPille" zum Kicken getroffen .... da kam es auch schon mal vor, dass ein guter Schuss auf die "12" landetet :(
Weiter war dann noch das damals moderne Tragen von engen Jeanshosen, Anfang/Mitte der 80er Jahre .... und beim Schwimmen gehen auch noch solch blöder Unterwasser-Massagestrahl, welcher dann wohl der Auslöser war, als ich nach einem netten Nachmittag bei meiner Freundin 8) :oops: 8) plötzlich ansteigende Schmerzen in der Nierengegend bekam und SIE mir den Krankenwagen rief (als Krankenschwesterhelferin) ...
So kam ich im Aug. 1987 in eine Notchirurgie und hatte die Wahl:
Magen leer pumpen lassen für Vollnarkose oder [b]Spinalanästhesie [/b]( http://de.wikipedia.org/wiki/Spinalan%C3%A4sthesie ), also ab Bauchnabel betäuben .... der Hoden sollte freigelegt werden - VERDACHT auf Hodendrehung. Dazu sollte noch Gewebe abgenommen werden, um sicher zu gehen. ICH bestand drauf, der Hoden kommt wieder rein ... so geschah es denn auch ... der linke Hoden war wieder platziert.
Der Befund aus der Pathologie war NEGATIV ... also, was gesucht wurde, wurde NICHT gefunden ... somit war es positiv für mich ...
Später dann, so Mitte 1989, fühlte ich mich oft schlapp, müde und nervig ... mein Hausarzt versuchte mich "aufzupeppeln" ... es blieb bei dem Versuch ... dann spürte ich irgendwann beim Duschen mit einer "neuen" Freundin (heute meine Frau), das mein linker Hoden immer etwas tiefer hing ... und er war irgendwie etwas fester als der rechte ... bis ich dann mich meinem Hausarzt anvertraute, vergingen einige Tage - Wochen ... und dieser verschrieb mir Antibiotika für 2 Wochen .... Radikalkur ....
Als ich dann wieder bei ihm vorstellig wurde und wir keine Veränderungen/Verbesserungen in Form von Abschwellen feststellten konnten (Schmerzen hatte ich KEINE ... außer, dass es an einer bestimmten Stelle am Hoden empfindlich war) überwies er mich zum Urologen - um eine [b]2. Meinung [/b]einzuholen ... mittlerweile war es Oktober 1989 ...
Der Urologe empfahl nach der Behandlungsvorgeschichte SOFORT ein Krankenhaus aufzusuchen und benannte mir eines, welches ich per Einweisung vom Hausarzt sofort Ende Oktober 1989 aufsuchte um weitere Untersuchungen machen zu lassen ...
Mit Bleiwasser sollte ich den Hoden kühlen ... Röntgen, Blutwerte, Urin, Stuhl ... na, eben alles so was .... dann lagen einmal die Röntgenunterlagen auf meinem Bett für die Visite ... und ich lass dort drauf "Lungenmetastasen" ... und fragte einen damaligen Bettnachbarn (älterer Mann - Prostataleiden), was denn [b]Metastasen[/b] ( http://de.wikipedia.org/wiki/Metastase ) wären ...
Dieser schlug die Hände über seinen Kopf zusammen und erklärte mir, das wäre so etwas wie Krebs in der Lunge ....
Da war ich erst mal platt ... ich dachte an mein Rauchverhalten zu diesem Zeitpunkt ... dicken Hoden und Lungenkrebs ... tolle Nachrichten für mich ... denn ich war erst/schon 25 zu diesem Zeitpunkt ... es war der 02.11. - ein Donnerstag ....
Von einer Schwester wurde ich aufgerufen ihr zu folgen, die Ärzte wollten mit mir alleine sprechen ... da raunzte mein Bettnachbar die Schwester an, warum "die Unterlagen so offen rumliegen würden und der Junge noch nicht weiß, was Metastasen sind" ....
Im DOC-Zimmer dann die Vor-Diagnosebekanntgabe: [b]dringender Verdacht auf Hodenkrebs - OP für morgenfrüh den 03.11.1989 angesetzt. [/b]
Ich glaubte mich stark .... trug es im ersten Augenblick mit Fassung ... zum Staunen der Ärztin und des Oberarztes .... ging dann zum [b]Münzfernsprecher[/b] ( http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnzfernsprecher ) in der Halle und rief zu Hause an .... erst DA brach ich in mir zusammen .... heulte mit meiner Mum am Telefon ... welche sofort mit meinem Vater ca. 30 Min. später bei mir am Krankenbett standen ...
Einwilligung OP ... Hodenentnahme links durch Leistenschnitt ... dann Patho abwarten ....
Dann auf dem Wege der guten Heilung meines 2. Leistenschnittes an der selben Stelle ... und am Do. darauf (09.11.1989) sah ich als gebürtiger Berliner im TV ... wie Menschen auf die innerdeutsche Mauer stiegen und daran rumhämmerten .... eine zusätzliche Qual für mich ... wie gerne wäre ich dabei gewesen !!
Nach Gesprächen mit mir über den weiteren Verlauf der Folgebehandlung ... weil Patho bestätigte: [b]Teratokarzinom Stadium III nach Lugano! und Streumetastasen[/b]... sollte ich in den nächsten 4 Tagen einen Krankenhauswechsel vornehmen >> BwK-HH-Wansbek LeckMichEffekte< ... willst Du diese Hilfe annehmen?" ... ich zögerte noch ... und beide verließen den Raum ... es war mein Wunsch ... [b]ich weinte - bitterlich[/b] ... wenn es doch nur schon HINTER mir wäre ... und erschöpft vom weinen dachte ich mir -ALLE gute 200 vor Dir sind wieder aus dem OP zurückgekommen- ... und meldete der Nachschwester: "Ich habe die Dinger genommen - danke" - "Sie werden Dir gefallen und helfen, glaube mir" ....
Ich schlief SEHR GUT ... am nächsten Morgen hatte ich das Gefühl da zu sein ... und dennoch wie im Rausch ... alles so easy und locker .... Rasur, Engelshirt, Unterlagen, Bett rollt raus, Fahrstuhl, Bettwechsel auf kalte Pritsche, Arme wieder raus aus dem Engelshirt, Zugang am Arm gelegt bekommen - alle liefen in GRÜN rum, Besteckklappern, Licht, Apparate, viele Hände berühren mich (nicht unangenehm - eher helfend, stützend), mir wird die Spinalanästhesie im Rücken verlegt ... und dann auf einmal [b]eine Stimme[/b] die ich kannte, Augen - die ich kannte, ein direkt vor mir stehender in GRÜN eingepackter Mann sprach zu mir: "Ich bin es - Stefan ... bin gekommen, wie ich es versprochen habe - und ich BLEIBE, bis Du auf Intensiv kommst ... alles klar ?"
Ich nickte wohl, denn sprechen war da nicht mehr so dolle ... war alles so "egal und easy" hatte auch kein Angstgefühl ... und dann wurde ich hingelegt ... das Engelshirt wich von meinem nachten Körper ... ein kleines Handtuch wurde mir über den Lendenbereich gelegt ... die Pritsche rollte zu einer großen Automatiktür ... ich sollte mal rückwärts zählen von [b]10 auf Null[/b] - sagte mir die vertraute Stimme ... und ich erinnere mich noch an 7 .....
:arrow: ... [color=violet]7 Stunden OP - RLA[/color]
.... dann erinnere ich mich an helles Licht und "Schläge" links und rechts an meine Wange ... eine weibliche Stimme forderte mich auf SIE anzuschauen ... was ich wohl auch tat, denn sie ließ von mir ....
Schmerzmittel bekam ich über die Spinalanästhesie (Rückenzugang) und ich wagte mal zu tasten, was meinen Bauch umspannte ... es war etwas ähnliches wie ein Expander - breiter elastischer Gürtel ....
Dann war da irgendwann meine Frau mit Sohn auf dem Arm ... ich weiß noch, dass ich VOLLverkabelt war ... also, ohne den Lungenluftschlauch ... dennoch mit Nasen-Magensonde ... EKG-Kabeln ... BraunülenKabeln ... und Rücken- und Wundschlauch .... sprechen ging nicht ... musste auch nicht ....
Dann ging es ziemlich zügig bergauf ... am Folgetag sollte ich schon Bettsitzen üben ... natürlich mit Trainerin .... dann durfte ich einen roten Ball in einem Blaseteil immer schön konstant auf Höhe halten ... mittels Pusten ... das trainierte meine Lunge und die Bauchmuskeln ... leichte Kost wurde immer fester und lecker .... laufen lernen ... lachen ging nicht gut ... niesen auch nicht ... dann die [b]fast 40 Klammern [/b]raus ... immer schön begutachten lassen die Narbe ... dann gut gesalbt die Naht (lasst Euch beraten, was heute aktuell ist - ich habe vaselineähnliches genommen 3x täglich!!!) ...
10 Tage nach OP fiel mir die Decke auf den Kopf ... ich wollte raus ... Entlassung auf eigene Gefahr, weil die reguläre Wartezeit noch nicht um war ... aber ich versprach mich zu hause zu schonen und zu liegen .... mein [b]Heilungsverlauf [/b]war bis dahin überdurchschnittlich gut ... UND - wer kam mich noch besuchen auf dem Zimmer ... der Anästhesist.
Ein Jahr nach OP habe ich wieder mit der Wiedereingliederung angefangen und bin im Jan. 2008 nun 20 Jahre im Betrieb.
[u]IRONIE:[/u]
Am 04.04.1990 bin ich nach Chemo entlassen worden ... am 04.04.1997 lag ich auf dem OP-Tisch zur RLA ...
Meine Restbefunde aus der Lunge sind bis heute unverändert blass und klein ... meine entnommenen drei von vier Lymphbahnen sind mit Klammern markiert worden, um auf Röntgenbildern den OP-Bereich besser zu erkennen ...
hatte das [b]Rauchen [/b]zwischenzeitlich wieder angefangen (ich DEPP !!!!) ... und seit Feb. 2005 nun endgültig sein gelassen ... gehe 2x jährlich zur NachsorgeUntersuchung fortan ....
Nach der OP habe ich mir [b]psychologische Hilfe[/b] regelmäßig in Gesprächen genommen und viel für mich tun können ...
ich DEPP ... hätte ich es mal gleich nach der Chemo gemacht ...
Nun habe ich auch eine [b][color=red]veränderte Einstellung zum Leben [/color][/b]... ich lebe intensiver und freier ... und wirke seither schwierig, weil ich nicht mehr so anpassungsfähig bin ... was nicht böse ist, sondern lediglich auf mein INNERES abgestimmt, wenn es nach RUHE ruft, dann gebe ich es ... wenn es nach Weite ruft, fahre ich mit dem Bulli weg ... wenn mir etwas quer liegt, dann sage ich es frei raus .... damit können nicht alle Menschen in meinem Umfeld gut umgehen ... dennoch hat sich mein alter Freundeskreis nicht verkleinert ... eher hat er sich vergrößert ....
uuuuuuiiiiiiiiiiiii :? ... ist DOCH ganz schön lang geworden ...
[size=18]danke, dass Du bis hier unten gelesen hast ....[/size]
ich hoffe, ich konnte ein wenig dazu beitragen ... aufzuzeigen, das ÄNGSTE normal sind ... jeder Verlauf anders sein kann (vergleiche mit anderen Geschichten) ... und dennoch alle das selbe Ziel haben ... mit einem festen [b]GLAUBEN [/b](woran auch immer!) und aufrechtem Haupt immer in den nächsten Akt gehen ...
UND noch [b]zum Abschluss einen Satz für speziell Angehörige oder Freunde im Umfeld[/b] ... redet mit dem Betroffenen NORMAL ... stützt ihn mental ... meine, weint auch mal mit ihm zusammen ... und [b]LACHT [/b]auch zusammen .... versucht immer der [color=orange][b]Sonnenschein [/b][/color]zu sein ... real - kein Vorspielen ... dabei sollte das Thema Hodenkrebs auch bleiben ... darüber reden ... und viel ZUHÖREN .... auch mal die Nervigkeit und Gereiztheit aushalten ... es geht vorüber .... der Betroffene braucht die Kraft seines engsten Umfeldes ... holen SIE sich die Kraft nicht untereinander oder gar vom Betroffenen ... wenn Sie es von vorher so gewohnt waren ...
ICH war immer froh, wenn ich bekannte Schritte auf dem Krankenhausflur vernahm ... gleich geht die Tür auf ... und ich sehe meine "KRAFT" ... alle umarmten mich ... Energie floss in mich über ... es tat verdammt gut ... dann waren sie 15 Min. dort - wollte ich vom Gefühl schon wieder, das sie gehen ... immerhin waren sie 45 Min. hin und 45 Min. zurück unterwegs ... jeden 2. Tag ...
... und genau DIESE Gleichmäßigkeit gab mit wichtige Ziele von ca. 48 Stunden ... Tag für Tag ...
... Stück für Stück ...
>> [b]Ich danke meiner Familie (Eltern, Schwiegervater, Frau, Sohn) und meinen Freunden, welche IMMER zu mir gehalten haben und mir KRAFT spendeten ...
... und denen, die später hinzugekommen sind - und mir ein/ gute/r Freund/in sind[/b]
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