16. März 2011
Unter Neugeborenen-Herpes versteht man eine Form von Herpes, die nur bei Babys auftritt. Für die Säuglinge ist Herpes lebensbedrohlich.
In der Medizin bezeichnet man Neugeborenen-Herpes auch als Herpes neonatorum oder Herpes-Sepsis des Neugeborenen. Dabei kommt es zu einer Infektion mit Herpes-simplex-Viren (HSV).
Während Herpes für Erwachsene eine unangenehme, aber keine bedrohliche Erkrankung ist, besteht dagegen bei neugeborenen Kindern durch eine Infektion mit Herpes-Viren oftmals Lebensgefahr. Das liegt daran, dass die Abwehrkräfte von Babys in den ersten Lebensmonaten nur schwach entwickelt sind. Dringen Herpes-Viren über die Blutbahn in den gesamten Organismus des Säuglings vor, besteht die Gefahr von schweren Schäden an den Organen. Auch eine Gehirnentzündung ist im Bereich des Möglichen.
Zu Neugeborenen-Herpes kommt es entweder während oder kurz nach dem Geburtsvorgang aufgrund eines infizierten Geburtskanals oder einer aufsteigenden Infektion nach dem Blasensprung. In den meisten Fällen handelt es sich bei dem auslösenden Virus um das Herpes-simplex-Virus vom Typ 2. Das heißt, dass die Krankheit durch eine Herpes genitalis Erkrankung (Genitalherpes) der Mutter verursacht wird.
Kurz vor der Geburt ist das Risiko einer Neugeborenen-Herpes besonders hoch. Antikörper, welche die Infektion zum Teil abmildern könnten, sind noch nicht vorhanden. Außerdem wird die Produktion der Viren bei einer primären Infektion deutlich gesteigert. In seltenen Fällen wird Herpes neonatorum auch durch Lippenherpes (Herpes labialis) ausgelöst. In diesem Fall kommt es durch Mutter, Vater oder andere Verwandte, die unter Lippenherpes leiden, zur Ansteckung.
Neugeborenen-Herpes bricht schon nach wenigen Tagen aus und schreitet schnell voran. Dabei werden nicht nur die Haut, sondern auch das zentrale Nervensystem (ZNS) sowie die inneren Organe in Mitleidenschaft gezogen. Auf der Haut des erkrankten Babys zeigen sich die typischen Herpesbläschen. Die Bläschen öffnen sich rasch und können sich zu größeren Geschwüren ausweiten. Neben hohem Fieber kann es auch zu einer Rachenentzündung, Leberentzündung, Lungenentzündung sowie einer Keratitis kommen. Im schlimmsten Fall droht eine lebensbedrohliche Herpes-simplex-Enzephalitis (Gehirnentzündung).
Nachweisen lässt sich das Herpes-simplex-Virus durch einen Abstrich, der an der Mutter vorgenommen wird. Beim Kind weist man das Virus direkt nach, indem man Tests mit Hautabstrichen oder Rachenabstrichen durchführt. Darüber hinaus kann eine Untersuchung des Blutserums erfolgen.
Die Prognose bei Neugeborenen-Herpes ist eher schlecht, wenn es zu einer Entzündung des Gehirns kommt. Überleben die Säuglinge die Enzephalitis, drohen dennoch schwere motorische, kognitive und neurologische Schäden. Wurde das Zentralnervensystem jedoch noch nicht beeinträchtigt, ist eine rasche Behandlung in den meisten Fällen erfolgreich. Eine mögliche späte Komplikation von Herpes neonatorum kann noch Jahre danach eine gefährliche Reaktivierung des Herpes-simplex-Virus sein. Dabei besteht die Gefahr, dass es zu einer akuten nekrotisierenden Herpes-simplex-Retinitis an der Netzhaut der Augen kommt.
Besteht Verdacht auf Neugeborenen-Herpes, muss so schnell wie es geht, eine intravenöse Behandlung mit Aciclovir erfolgen. Für den Fall, dass eine Resistenz besteht, kann auch Valaciclovir verabreicht werden.
Leiden Eltern oder Verwandte eines Babys unter Lippenherpes, dürfen diese dem Neugeborenen solange keinen Kuss geben, bis die Erkrankung vollständig abgeheilt ist. Empfohlen wird zudem das Tragen eines Mundschutzes. Darüber hinaus sollten auch die Hände vor dem Wickeln und Baden gewaschen werden. Keinesfalls darf man Handtücher, Bestecke oder Trinkgefäße mit dem Baby teilen.
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