19. Juni 2010
(dgk) Patienten mit einem grünen Star (medizinisch: Glaukom) haben ein deutlich erhöhtes Risiko, aufgrund ihrer Augenerkrankung zu stürzen oder einen Unfall zu erleiden. Nach Angaben der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) ist das Sturzrisiko bis zu viermal so hoch wie bei gesunden Menschen. Auch beim Autofahren sind Glaukompatienten gefährdet.
Bei einem grünen Star kommt es schleichend zu Gesichtsfeldausfällen, die bei den Betroffenen die Wahrnehmung an den Gesichtsfeldrändern erheblich einschränken – meist ohne dass diese es bemerken. Die Folge: Es kommt gehäuft zu Stürzen und Unfällen, wie Professor Franz Grehn, Schriftführer der DOG und Direktor der Universitäts-Augenklinik Würzburg, erläutert.
Das Tückische des grünen Stars ist, dass die zentrale Sehschärfe, beispielsweise beim Lesen, trotz fortgeschrittenem Sehnervenschaden lange Zeit nicht beeinträchtigt ist, wogegen immer mehr Objekte außerhalb des Gesichtsfeldzentrums übersehen werden. "Die Patienten haben Schwierigkeiten, Treppen zu steigen oder Schwellen und Gehsteigränder wahrzunehmen", so Grehn. Und dieses Übersehen von Hindernissen birgt zahlreiche Gefahren in sich: Studien zeigen, dass das Sturzrisiko bei Glaukompatienten 1,6 bis viermal höher ist als das von gesunden Menschen. "Das Glaukom gehört zu den häufigsten Ursachen für Schenkelhalsbrüche im Alter", so Grehn.
Eine große Gefahr birgt das Glaukom auch, wenn Betroffene Auto fahren. Nach den gesetzlichen Vorschriften dürfen innerhalb des zentralen beidäugigen 30-Grad-Gesichtsfeldes keine Ausfälle bestehen. Die Einschränkung der Fahrtüchtigkeit wird aber vom Patienten nicht wahr genommen: "Plötzlich vom Rand her auftauchende Gefahren können leicht übersehen werden", warnt Grehn. Mit einem Team testet er deshalb in einer Studie die Fahrtüchtigkeit von Betroffenen in einem Fahrsimulator. Einigen Patienten gelänge es möglicherweise, die Gesichtsfeldausfälle durch vermehrte Blickbewegungen auszugleichen. Andere seien dagegen in größerem Maße unfallgefährdet. Hinzu komme, dass im Spätstadium der Erkrankung die Wahrnehmung von Hell und Dunkel durch den allmählichen Verlust der Sehnervenzellen eingeschränkt ist. "Betroffene nehmen dunkle Objekte dann auch im zentralen Gesichtsfeld schlechter wahr. Helle Objekte verursachen früher eine Blendung", erklärt Grehn.
Vorsorgeuntersuchungen und eine frühzeitige Diagnostik des grünen Stars sind deshalb umso wichtiger. Zumal eine mögliche Erblindung beim grünen Star kein unabwendbares Schicksal ist. Wird die Krankheit frühzeitig erkannt, gibt es heutzutage gute, vielfältige Behandlungsmöglichkeiten.
Quelle:
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), http://www.dog.org/
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