22. November 2004

Gehirnhautentzündung Artikel

Alptraum Hirnhautentzündung - Impfen schützt vor Meningokokken

Es gibt Krankheiten, die schon beim bloßen Gedanken daran Alpträume wecken. Kyle aus Sheffield war 1998 erst vier Jahre alt, als er mit seinen Eltern Urlaub auf Teneriffa machen durfte. Doch das Glück endete jäh: Kyle erkrankte schwer an einer Blutvergiftung, verursacht durch Meningokokken.

Er kam in die Klinik. Zwar konnten die Ärzte sein Leben retten, seine Arme und Beine jedoch nicht. Jetzt ist er elf, hat Prothesen an Armen und Beinen. Seine ersten Schritte auf den neuen Beinen waren wacklig. Kyle hat sehr moderne Hilfen, eine myo-elektrische Armprothese: Die Muskeln an seinen Armstümpfen aktivieren die künstlichen Hände. Auf diese Weise kann er eine Tasse halten oder die Seiten seines Lieblingsbuches umblättern. Diese technische Raffinesse ist nur ein kleiner Trost für Kyle, der sein Leben so tapfer meistert.

Meningokokken sind Bakterien und kommen nur beim Menschen vor. Übertragen werden sie über die Luft – Tröpfcheninfektion – oder über nahen Kontakt zu anderen Menschen wie beim Knuddeln, Schmusen und Küssen. Die Keime können Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen verursachen. Die Infektionskrankheit tritt meist bei Säuglingen und Kleinkindern auf. Jugendliche und junge Erwachsene sind am zweithäufigsten betroffen.

Die lebensgefährliche Infektionskrankheit beginnt plötzlich mit hohem Fieber, Erbrechen, starken Kopfschmerzen und Nackensteife. Auch Krämpfe und Lähmungen können auftreten. Bewusstseinstrübung, punktförmige Hautblutungen und Kreislaufkollaps sind Hinweise auf einen lebensbedrohenden Krankheitsverlauf. Folgen wie bleibende Nervenschäden, Taubheit, Blindheit, Lähmungen oder - wie im Fall von Kyle - Amputationen aufgrund von massiver Gewebszerstörung sind möglich. Bei einer Blutvergiftung kann der Tod schon innerhalb weniger Stunden eintreten. Besteht der Verdacht auf eine Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung sollte der Patient unverzüglich mit einem Rettungsfahrzeug in die Klinik gebracht werden, denn schon auf dem Weg dahin können ganz plötzlich lebensrettende Maßnahmen notwendig sein. Eine möglichst frühe intensivmedizinische Behandlung und die Gabe von geeigneten Antibiotika sind sehr wichtig. Fakt ist aber: Auch eine rechtzeitig begonnene Therapie kann den Tod oder schwere bleibende Schädigungen nicht in jedem Fall verhindern.

Kann man vorbeugen?

Ja, mit einer Impfung. Es gibt verschiedene Typen von Meningokokken. Mit jedem Typ muss sich der Körper einzeln auseinandersetzen, und deshalb muss es auch für jeden Typ einen Impfstoff geben. In unseren Breiten sind Typ B und C hauptsächlich für die Krankheitsfälle verantwortlich. Gegen den am häufigsten auftretenden Meningokokken des Typs B gibt es noch keinen Impfstoff, aber es wird intensiv daran geforscht. Aber gegen den hierzulande zweithäufigsten Erreger aus der Meningokokken-Familie kann man impfen: Meningokokken-C-Konjugatimpfstoffe schützen sogar schon Babys, aber auch alle anderen Altersgruppen. Im Freistaat Sachsen ist diese Impfung für alle Babys ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat und alle Kinder und Jugendlichen bis zum 18. Geburtstag generell empfohlen, im Rest der Bundesrepublik nur bei Vorliegen bestimmter Gesundheitsrisiken wie Immunschwäche. Dennoch: Auf eigene Kosten kann sich jeder impfen lassen, der diesen Schutz haben möchte.

Die Meningokokken-C-Konjugatimpfstoffe sind bereits erfolgreich in mehreren regionalen Impfkampagnen in Deutschland eingesetzt worden, zum Beispiel im April im Allgäu. Dort erkrankten in verschiedenen Gemeinden mehrere Jugendliche schwer. Die bayerischen Gesundheitsbehörden entschlossen sich, in den betroffenen Gemeinden die Impfung anzubieten. Nach der Impfaktion ist kein weiterer Krankheitsfall mehr aufgetreten – und die Geimpften profitieren jetzt viele Jahre von dem Schutz.

Weitere Informationen zum Thema unter www.agmk.de

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