9. März 2009
(dgk) Die Zecke lässt aufhorchen. Allerdings nur im übertragenen Sinn. Denn die Tiere leben geräuschlos. Noch nicht einmal der Zeckenstich wird bemerkt, denn er ist dank der zeckeneigenen "Betäubungsmittel" schmerzlos. Erst dann, wenn man die Zecke fest- und vollgesogen entdeckt, denkt man an eventuelle Krankheitsfolgen.

Zecken sind bei niedrigen Temperaturen verlangsamt, so richtig aktiv werden sie meist erst ab etwa acht Grad Celsius. Die Zeit bis zu den frühlingshaften Temperaturen sollte man jetzt nutzen. Denn wer frühzeitig vorsorgt, kann sich zumindest gegen eine schwere, durch Zecken übertragene Infektionskrankheit zuverlässig wappnen: die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Wenn man die Kapriolen betrachtet, die die Meldezahlen des Robert Koch-Institutes in den vergangenen Jahren vollführt haben, spiegelt sich auch dort die Unberechenbarkeit der FSME wider. Im vergangenen Jahr sind wieder 20 Prozent mehr Krankheitsfälle gemeldet worden als im Vorjahr. Welchen Einfluss das Klima auf Zecken und damit auf die Übertragung von Krankheiten hat, das kann keiner abschließend erklären. "Fakt ist aber, dass solche Erkrankungen generell europaweit stark zugenommen haben", so der Experte Professor Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena.
FSME ist eine nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtige Erkrankung. Erfasst werden in der bundesdeutschen Statistik die gesicherten Fälle, die meist schwer oder mit eindeutigen Symptomen verlaufen. Dazu addieren müsste man theoretisch auch diejenigen Infektionen, die zum Beispiel gar nicht bemerkt oder wegen unspezifischer Symptome nicht diagnostiziert werden. Die Dunkelziffer ist also hoch. Unberechenbar ist auch der Verlauf einer FSME-Infektion, die von fast unbemerkt über Sommergrippe-Symptome bis hin zu schwersten Verläufen mit Lähmungen und anderen Funktionsausfällen des Nervensystems führen kann. Manche Patienten behalten ein Leben lang Störungen zurück oder müssen sogar dauerhaft künstlich beatmet werden.
Einen sicheren Schutz bietet die FSME-Schutzimpfung. Dabei gilt es, die Impfung am besten noch in der kalten Jahreszeit zu beginnen. Nach dem regulären Impfschema müssen es zunächst zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen sein. Danach benötigt das Abwehrsystem weitere zwei Wochen, um den Schutz zuverlässig aufzubauen. Nicht vergessen darf man die dritte Impfung nach neun bis zwölf Monaten. Dann erst ist der Langzeitschutz aktiviert. Als Faustregel für die nachfolgenden Auffrischimpfungen gilt: Die erste "Erinnerung" fürs Immunsystem ist nach drei Jahren fällig, alle weiteren nach jeweils fünf Jahren.
FSME gibt es nicht bundesweit, die meisten Risikogebiete liegen in Baden-Württemberg, außerdem in Bayern, Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Dennoch muss erwähnt werden, dass auch in anderen Bundesländern einzelne Patienten an FSME erkrankt sind. Das bedeutet, dass auch dort vereinzelt Zecken leben, die FSME-Viren beim Biss weitergeben können: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Sehr verbreitet sind "FSME-Zecken" auch in Österreich, der Schweiz, in vielen Ländern Osteuropas und auch in Nordeuropa, zum Beispiel in Finnland und Schweden.
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