14. Juli 2007
Eine Warze am Finger oder unter dem Fuß ist lästig. Warzen im Genitalbereich aber, sind nicht nur unangenehm, sie belasten die Betroffenen extrem: physisch und psychisch.
Bei diesen Condylomata acuminata – auch unter dem Begriff Feigwarzen bekannt – handelt es sich um eine extrem ansteckende Geschlechtskrankheit. Die Feigwarzen werden durch die Human Papillomviren (HPV) 6 und 11 ausgelöst. Diese Viren werden am häufigsten durch eine Kontaktinfektion übertragen: beim Intimkontakt, beim ungeschützten Geschlechtsverkehr sowie beim Oral- bzw. Analverkehr. Auf den feuchten Arealen der Haut oder Schleimhaut regen sie die Hautzellen an, sich stark zu vermehren. Immer häufiger treten auch andere Übertragungswege auf, beispielsweise durch Toiletten und Saunen.

EKE - Dr. Frank Piczlewicz - Oberarzt in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe
"Fünf Jahre nach Beginn des aktiven Geschlechtslebens sind rund 60 Prozent der Frauen mit HP-Viren infiziert, was nicht bedeutet, dass alle Betroffenen auch an Condylomen erkranken werden", erläutert Dr. Frank W. Piczlewicz, Oberarzt in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Elisabeth-Krankenhaus Essen. "Zwischen der Infektion und dem ersten Auftreten der Feigwarzen kann eine Inkubationszeit von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten – in seltenen Fällen auch Jahren - liegen. Betroffen sind bei der Frau vor allem Schamlippen und Scheide, seltener Gebärmutterhals - es können aber auch Harnröhre, After und Enddarm und beim Mann Eichel und Vorhaut am Penis befallen sein. Nur selten treten Juckreiz, Schmerzen oder Blutungen auf. Es bilden sich zunächst einzelne flache Gewebewucherungen, die weiter wachsen und sich vermehren können. Unter Umständen dehnen sie sich erheblich aus und nehmen extreme Formen an. Wachsen diese Warzen invasiv, können sie Gewebe zerstören und so die Funktion von Harnröhre oder Analkanal behindern." Bei etwa zehn bis 15 Prozent der Erkrankten liegt eine stumme Infektion vor. Das heißt, bei ihnen kommt es nicht zum Ausbruch der Erkrankung, sie sind aber Virusträger und können andere anstecken. Ein geschwächtes Immunsystem, Feuchtigkeit, Entzündungen und Hautverletzungen im Intimbereich können eine Ansteckung mit HP-Viren und den Ausbruch von Feigwarzen zusätzlich fördern. "In der letzten Zeit beobachten wir gerade bei jungen, körperbewussten und modischen Frauen zwischen etwa 18 und 25 Jahren eine alarmierende Zunahme von Infektionen mit Condyloma Viren, deren Warzen vermehrt im Bereich des Afters auftraten und nicht sexuell übertragen wurden. Eine mögliche Eintrittspforte für die Viren könnten mikroskopisch kleine Läsionen sein, die beispielsweise durch Intimrasuren entstehen. Kommen diese Intimregionen in Kontakt mit infizierten Flächen wie sie in Sportzentren, Saunen, Dampfbädern oder Solarien durchaus vorkommen können, kommt es zu Infektionen, die sich dann vor allem im Analbereich lokalisieren lassen. Daher sahen wir uns auch veranlasst, das Gesundheitsamt einzuschalten."
Die Diagnosestellung Feigwarzen bedeutet eine extreme psychische Belastung für die Betroffenen. Besonders dann, wenn ein Partner nicht infiziert ist. Oftmals kommt es zu Krisen, da unweigerlich eine Affäre vermutet wird. Dr. Piczlewicz: "Neben Scham und Ekel vor sich selber, äußern die betroffenen Frauen die Hemmung, mit dem Partner über das Problem zu sprechen. Dieser sollte sich aber unbedingt auch untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen, damit es nicht zu einem wiederholten gegenseitigen Anstecken – Pingpongeffekt – kommt. Langwierige Behandlungen und die notwendige Abstinenz manchmal über Monate stellen Beziehungen zusätzlich auf eine harte Probe. Viele haben Furcht vor einer erneuten Ansteckung oder äußern Ängste, Intimpartner anzustecken, da sie vielleicht noch Virenträgerinnen sind. Immer wieder wird auch Besorgnis vor einer Krebsentartung geäußert. Hierzu ist klar zu sagen, bei Condylomen handelt es sich um eine sehr ansteckende Viruserkrankung, aber nicht um Krebs. Bei einer jahrelangen Erkrankung und nicht ausreichender Behandlung ist aber dennoch die Gefahr einer Entartung der Wucherungen gegeben. Deshalb kann ich nur dringend zu einer Behandlung und zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen raten."
Es gibt keine optimale Behandlung von Condylomen. Je nach Ausdehnung und Befall wird unterschiedlich therapiert oder verschiedene Verfahren kombiniert. Konservativ werden Feigwarzen mit virusabtötenden Cremes oder Lösungen behandelt. Beim Betupfen der Warzen mit aggressiven Säurelösungen ist die richtige Handhabung des Lösungsmittels wichtig, da sonst die gesunde Haut angegriffen wird. Je nach Größe und Ausmaß lassen sich die Feigwarzen in Lokalanästhesie chirurgisch abtragen oder mittels Laser verkochen. Eine weitere Therapieform ist die Elektrokoagulation, bei der Warzengewebe durch Hochfrequenzstrom zerstört wird. Außerdem gibt es die Kryotherapie: Mit flüssigem Stickstoff oder anderen Vereisungssprays werden betroffene Stellen vereist und so das Warzengewebe zerstört. Während einer Behandlung sollte das Immunsystem unterstützt werden, beispielsweise mit vitaminreicher Ernährung, ausreichend Schlaf, wenig Sport und Verzicht auf Alkohol. - Condylome sind leider eine häufig wiederkehrende Erkrankung, da häufig nicht alle Warzen restlos entfernt werden können, oder das Virus vom körpereigenen Immunsystem nicht vernichtet werden kann. "Um langfristig alle Condylome zu entfernen, sind mehrere Behandlungszyklen notwendig", rät Dr. Piczlewicz. "Es ist dringend zu empfehlen, bei einem Neuauftreten möglichst bald einen Gynäkologen aufzusuchen. Nach der Therapie muss mehrfach überprüft werden, ob noch Warzenreste vorhanden sind. Daher sollte spätestens nach drei bis vier Monaten eine Kontrolle erfolgen."
"Wer unbedingt mit dem Trend gehen möchte, sollte sich beispielsweise nicht direkt vor einem Saunabesuch im Intimbereich rasieren, sondern die Rasur drei Tage vorher durchführen", rät Dr. Piczlewicz, "mögliche kleine Verletzungen können so abheilen und bieten keine Angriffsfläche mehr für Viren. Warzen vermehren sich bevorzugt in feuchter und warmer Umgebung. Daher sollte leichte und nicht zu enge Unterwäsche und Kleidung getragen werden. Nicht zu empfehlen ist Unterwäsche aus Kunstfasern. Sie ist nur bei niedrigen Temperaturen waschbar und HP-Viren können bei geringen Waschtemperaturen nicht abgetötet werden. Außerdem bietet Synthetik der Haut keine Möglichkeit zum Atmen. Besser geeignet ist Baumwollunterwäsche, da sie atmungsaktiv ist, den Hautschweiß aufnimmt und meist bei 95 Grad gewaschen werden kann." Mindestens drei Monate nach einer abgeschlossenen Behandlung ist es ratsam, nur mit Kondom Verkehr zu haben. Durch die Anwendung von Kondomen wird das Risiko einer Infektion oder Neuinfektion erheblich vermindert. Sie bieten aber keinen absoluten Schutz vor Ansteckung.
Es wird heute davon ausgegangen, dass Gebärmutterhalskrebs durch HP-Viren verursacht wird. Es sind ca. 200 verschiedene HP-Viren-Typen bekannt, von denen die meisten aber für den Menschen harmlos sind oder wie die Typen 6 und 11 unangenehme Warzen im Genitalbereich verursachen können. Seit 2007 sind Impfstoffe gegen bestimmte krebserregende Hochrisiko-HP-Viren auch in Deutschland zugelassen. Diese wirken vorbeugend, eine bereits bestehende HPV-Infektion kann aber nicht mit ihnen behandelt werden. Ausführliche Auskünfte hierzu erteilen die behandelnden Gynäkologen.
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