3. April 2009
Essstörungen äußern sich durch ein unnormales Essverhalten. Die Diagnostik erfolgt beim Hausarzt und/oder Psychotherapeuten.
Unter dem Begriff Essstörung sind verschiedene Erkrankungen zusammengefasst. Alle haben gemeinsam, dass die Patienten ein gestörtes Essverhalten aufweisen.
Zu den Essstörungen werden die Magersucht, die Bulimie, die Adipositas sowie die psychogene Hyperphagie (Binge-Eating-Disorder) gezählt.
Die Magersucht, auch Anorexia nervosa genannt, äußert sich durch Essensverweigerung. Die Patienten nehmen dadurch stark an Gewicht ab und sind massiv untergewichtig. Charakteristisch für die Erkrankung ist, dass sich die Betroffenen trotz massiven Untergewichtes noch immer als zu dick betrachten und daher weiter abnehmen möchten. Oft nehmen die Patienten auch Abführmittel oder Appetitzügler ein, um noch mehr Gewicht zu verlieren. Auch der Körper reagiert auf das massive Untergewicht: Bei jungen Frauen bleibt die Menstruationsblutung aus. Bei allen Patienten sind Haarausfall und Wassereinlagerungen zu beobachten. Die meisten Magersüchtigen haben auch Depressionen.
Gelegentlich ist eine Magersucht auch mit Erbrechen verbunden. Die Ess-Brech-Sucht kann jedoch auch unabhängig von der Magersucht auftreten und wird dann Bulimie genannt. Die Bulimie stellt grob gesagt das Gegenteil der Magersucht dar. Die Betroffenen nehmen, meist nach längerer Hungerphase, übermäßig große Mengen Nahrung zu sich und erbrechen dies anschließend wieder. Im Gegensatz zur Magersucht sind diese Patienten jedoch meist normalgewichtig, haben jedoch auch ständig die Angst zuzunehmen. Daher wird alles Gegessene sofort wieder erbrochen. Oft nehmen die Betroffenen auch hier Abführmittel. Durch das regelmäßige Erbrechen werden die Zähne der Patienten angegriffen und werden kariös. Die Magenwand und Speiseröhre kann durch die Bulimie schwer beschädigt werden. Einige Patienten haben auch Herzbeschwerden durch die Bulimie.
Adipositas-Patienten essen übermäßig viel und sind daher stark übergewichtig. Dieses massive Übergewicht führt zu Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie hohem Blutdruck oder einem Schlaganfall. Durch das massive Gewicht sind die Patienten extrem kurzatmig. Sie haben leiden an Sauerstoffmangel, der sich nachts auch durch Schnarchen bemerkbar macht. Aufgrund des Gewichtes haben die Patienten Gelenkbeschwerden und oftmals starke Schmerzen.
Die Binge Eating Störung ist vergleichbar mit der Bulimie. Großer Unterschied ist jedoch, dass die Patienten nach den unkontrollierten Fressattacken weder erbrechen noch Abführmittel einnehmen. Die Patienten sind daher stark übergewichtig. Nach einer Fressattacke fühlen sich die Patienten schuldig und ekeln sich vor ihrem eigenen Körper.
Um eine Magersucht zu diagnostizieren, wird der Patient gemessen und gewogen und daraus der BMI, der Body Mass Index, errechnet. Befindet sich der BMI unter 17, liegt eine Magersucht vor. Der Arzt führt zusätzlich eine körperliche Untersuchung durch. Liegt eine Magersucht vor, ist der Herzschlag meist erniedrigt und auch der Blutdruck ist äußerst niedrig. Bei der Temperaturmessung fällt auf, dass sich diese oft im Bereich der Untertemperatur befindet. Auch eine Blutabnahme wird durchgeführt. Hier fällt ein niedriger Eiweißgehalt auf sowie eine Veränderung an den Mineralstoffwerten.
Eine Bulimie kann oftmals erst dann diagnostiziert werden, wenn sich der Patient gegenüber seinem Arzt öffnet. Die Betroffenen essen und erbrechen oft heimlich, so dass die Angehörigen nichts davon mitbekommen. Auch hier führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei fallen geringe Verletzungen an den Händen auf, die auf das Herbeiführen des Erbrechens zurückzuführen sind. Durch das regelmäßige Erbrechen werden auch die Mundwinkel wund. Ein anderes Indiz für eine Bulimie-Erkrankung sind durch das häufige Erbrechen geschwollene Lymphdrüsen, die sogenannten "Hamsterbacken". Oftmals wird im Rahmen der Bulimiediagnostik auch eine Magenspiegelung durchgeführt, da das Erbrechen zu einer Entzündung von Magen und Speiseröhre führen kann. Der Patient erhält vor der Untersuchung ein Rachenspray, das betäubend wirkt und den Würgereiz hemmt. Der Arzt führt das Endoskop über den Mund ein und schiebt es durch die Speiseröhre bis zum Magen. Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Arzt auch eine Gewebeprobe entnehmen, wenn er eine dünne Zange über das Endoskop einführt. Die Probe wird dann in einem Labor unter dem Mikroskop untersucht. Auch das Blut des Patienten wird untersucht. Wie auch bei der Magersucht sind hier Veränderungen der Mineralstoffwerte festzustellen.
Auch bei Adipositas wird der BMI berechnet. Jedoch ist der Wert bei dieser Erkrankung wesentlich höher als Norm. Er liegt über 30. Der Arzt führt auch hier eine körperliche Untersuchung durch und misst den Blutdruck, um Folgeerkrankungen der Adipositas diagnostizieren zu können. Der Arzt führt dazu zusätzlich eine Blutuntersuchung sowie eine Ultraschalluntersuchung durch. Auch ein EKG wird durchgeführt, um eventuell Herzschädigungen feststellen zu können.
Die Diagnosestellung der Binge-Eating-Störung besteht hauptsächlich darin, die Erkrankung von der Bulimie abzugrenzen. Der Arzt befragt dazu den Patienten, ob er die aufgenommene Nahrung wieder erbricht. Dies ist jedoch nur bei der Bulimie der Fall, so dass die Patienten dies verneinen.
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