Trotz Blindheit wieder Licht wahrnehmen? Erste Studie zur optischen Nervenstimulation gelingt

Elektroden an den Sehnerven nehmen Lichtreize auf und senden Impulse an das Gehirn

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  • von Paradisi-Redaktion
Nahaufnahme rechtes Auge eines älteren Mannes

Bei blinden Menschen kann das einfallende Licht nicht vom Sehnerv an das Gehirn weitergeleitet und dort zu Bildern umgewandelt werden. Grob vergleichbar ist dies mit tauben Patienten, bei denen die Schallwellen im Ohr nicht korrekt in Impulse zur Interpretation im Gehirn umgewandelt werden. Diesen Patienten kann seit einiger Zeit mit dem Cochlea-Implantat geholfen werden. Akustische Signale werden dabei von einem Mikrofon aufgefangen, in elektrische Impulse übersetzt und so an das Gehirn weitergeleitet. Dies ermöglicht mit ausreichend Training das Hören, selbst ohne intaktes Innenohr.

Bei Blinden möchte die Forschung ähnliche Wege gehen. Die Idee ist, ein Implantat um den Sehnerv zu legen. Dieses besitzt Elektroden, um die Lichtreize aufzunehmen und gleichfalls in elektrische Impulse umzuwandeln. Diese können an das Gehirn übertragen werden und erlauben so eine Form des Sehens.

Bislang scheiterte das Vorhaben an der Machbarkeit. Es konnten zwar bereits in den 1990ern winzige Manschetten mit Elektroden um den Sehnerv gelegt werden, doch durch winzige Bewegungen wurden Lichtreize nicht korrekt aufgenommen. Es kam zu unsauberen Impulsen, die das Gehirn nicht als Bilder interpretieren konnte.

Erfolgreiche Versuche mit Kaninchen

Inzwischen ist die Medizintechnik weiter und Schweizer Forscher führten nun erstmals erfolgreiche Versuche mit Kaninchen durch. Die Tiere wurden in Narkose versetzt. Danach wurde entlang der Sehnerven eine intraneurale Elektrode verlegt. Anders als bei den früheren Manschetten liegen diese Elektroden nicht am Sehnerv, sondern werden längsseitig mit ihm verbunden. Wie beim Nähen von Stoff mit einem Faden entsteht so ein stabileres Gesamtergebnis. Die neue Elektrode besitzt zudem die Möglichkeit, verschiedene Nervenzellen zu aktivieren, was in der Theorie differenzierte Bilder erlaubt.

Bei den Versuchstieren kann man bislang nicht sagen, inwieweit sie durch das Implantat etwas sehen können. In Narkose wurde nur festgestellt, dass die elektrischen Impulse weitergegeben werden und über den Sehnerv bis in die Sehrinde wandern. Die Forscher vermuten, dass damit zumindest Unterschiede der Helligkeit wahrgenommen werden können. Studien mit Menschen sind bislang nicht in der Planung.

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