12. Oktober 2011
Unter der menschlichen Echoortung versteht man eine Technik, die blinden Menschen dabei hilft ein Bild von ihrer Umgebung zu erhalten. So lernen Blinde durch die Kunst der Echoortung gewissermaßen zu sehen.
Echoortung wird nicht nur von bestimmten Tierarten wie Delfinen oder Fledermäusen zur besseren Orientierung verwendet, sondern auch von manchen blinden Menschen. So sind die Erblindeten mithilfe der Echoortung in der Lage bestimmte Sportarten auszuüben, Fahrrad zu fahren oder einen Ort zu erkunden.
Bei der menschlichen Echoortung wird von den Betroffenen mit der Zunge geschnalzt. Durch die Echos, die dabei entstehen, können sie einen Eindruck von der näheren Umgebung gewinnen. Dabei erkennen die blinden Menschen Form und Lage der Objekte sowie deren Bewegungen.
Im Tierreich ist die Echoortung bei Fledermäusen und bestimmten Walarten durchaus gebräuchlich. Das Prinzip der Echoortung bildet darüber hinaus die Grundlage für Sonar und Radar. Auch die Entwicklung dieser besonderen Fähigkeiten bei Menschen ist keine Neuigkeit. In den USA analysierte der erblindete Daniel Kish bereits vor Jahren die Echoortungstechnik systematisch und machte sie in den Vereinigten Staaten populär. Kish gelang es, sich die Technik selbst beizubringen. Durch das Klicken mit der Zunge und das Wahrnehmen der Echos, schaffte er es, Informationen zu seiner Umgebung zu erhalten. So ist eine trainierte Person in der Lage, die reflektierten Echos eines bestimmten Objekts zu interpretieren, wodurch sie dessen Dichte und Position bestimmen kann. Als optimale Reichweite gilt dabei eine Entfernung von 50 – 300 Metern. Die Echoortung ermöglicht den Blinden eine autonome Bewegung sowie das Umgehen von Hindernissen.
Seit Beginn der 90er Jahre trainierte Daniel Kish mehr als tausend andere blinde Menschen in der Anwendung der Echoortung. Damit diese spezielle Technik noch weiteren Erblindeten zugute kommen kann, riefen Kish und zwei seiner Schüler die gemeinnützige Organisation „World Access for the Blind“ ins Leben. Als deutsche Partnerorganisation von „World Access for the Blind“ gilt „Anderes Sehen“. Da die Klicksonar-Technik in Deutschland jedoch bislang nicht gelehrt wird, weil es noch keine qualifizierten Mobilitäts- und Orientierungstrainer gibt, hat es sich die deutsche Organisation zur Aufgabe gemacht, sie politisch durchzusetzen, damit sie auch hierzulande zur Standardmethode beim Schulen von blinden Kindern wird.
Wie die Hirnprozesse, die die Echoortung möglich machen, zustande kommen, ist wissenschaftlich bislang vollkommen unklar. Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, nahm man daher verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen vor. Zu diesem Zweck wurden Versuche mit je zwei blinden Probanden durchgeführt, die mit der Echoortung vertraut waren, sowie zwei sehenden Menschen, bei denen dies nicht der Fall war. Gemessen wurde dabei mithilfe einer funktionellen Magnetresonanztomographie die Hirnaktivität aller beteiligten Personen. Durch die Untersuchung ergab sich eine wichtige Rolle des visuellen Kortex. Dabei handelt es sich um einen Bereich der Großhirnrinde, bei dem eine Verbindung mit dem Sehen besteht. Zu einer gesteigerten Aktivität im Hörzentrum, dem auditiven Kortex, kam es dagegen nicht.
Um die Kunst der Echoortung zu beherrschen, ist regelmäßiges Training erforderlich. Auch der richtige Zeitpunkt ist wichtig. Je eher bei blinden Kleinkindern damit begonnen wird, die entsprechende Technik zu trainieren, desto besser können sie diese in ihre Fortbewegung integrieren. Erlernen lässt sich die Technik der Echoortung übrigens auch von sehenden Menschen.
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