23. Dezember 2006
(dgk) Mit rund 600.000 Betroffenen ist Epilepsie die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland. Das Verständnis für die Betroffenen ist jedoch mangelhaft, Vorurteile und Unverständnis sind an der Tagesordnung.
"Häufig ist es auch Hilflosigkeit, mit der Außenstehende den Patienten begegnen. Bei einem akuten Anfall wissen viele Menschen nicht, wie sie reagieren soll", sagt Dr. Dietmar Krause vom Deutschen Grünen Kreuz e.V. in Marburg.
Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich verlaufen. Große Anfälle (generalisierter Anfall), bei denen der ganze Körper einbezogen ist, betreffen nur relativ wenige Erkrankte. Die bei weitem häufigste Form ist der fokale Anfall. Der Betroffene kann ein Zucken oder eine Steifigkeit in einer Hand, einem Arm oder einem Bein bemerken. Oft treten blitzartig kurze Halluzinationen auf, auch traumähnliche Empfindungen kommen vor. Wie sich der Anfall äußert, hängt davon ab, welche Gehirnregion betroffen ist. Er dauert normalerweise nicht länger als einige Minuten.
Während eines Anfalles und kurz danach können Außenstehende für den Betroffenen wenig tun. Gibt es Anzeichen oder kündigt der Betroffene den Anfall an, ist es am besten, ihn hinzulegen. Das verringert die Verletzungsgefahr. Beengende Kleidungsstücke sollten geöffnet, gefährliche Gegenstände außer Reichweite gebracht werden. Wegen des möglichen Speichelflusses ist die stabile Seitenlage nach dem Anfall eine sichere Lagerungsposition. "Helfer sollten unbedingt Versuche unterlassen, den Anfall durch Schütteln, Anreden oder Wiederbelebungsmaßnahmen zu stoppen. Das ist unmöglich", rät Krause. Verkrampfte Glieder dürfen nicht festgehalten, verkrampfte Hände nicht geöffnet werden. Wenn der Betroffene nach dem Anfall einschläft, sollte man ihn nicht wecken. Es ist meistens nicht notwendig, einen Arzt zu rufen. Das ist aber dann erforderlich, wenn der Betroffene länger als fünf Minuten krampft oder unter Atemnot leidet.
"Viele Anfälle ließen sich durch eine Optimierung der Therapie vermeiden. Gerade in letzter Zeit haben sich mit neuen Medikamenten auch die Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessert", erläutert Krause. Die Auswahl des Medikamentes richtet sich dabei nach der Anfallsform und den Bedürfnissen der Patienten. Neuere Wirkstoffe, wie das kürzlich zur alleinigen Therapie bei Epilepsie zugelassene Levetiracetam, haben dabei Vorteile: Das Medikament wird nicht über die Leber verstoffwechselt. Es gibt daher kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Deshalb sind bei einer Therapie mit Antiepileptika der neuen Generation bei guter Wirkung deutlich weniger Nebenwirkungen zu erwarten als früher. "Epilepsie lässt sich also gut behandeln. Bis zu 80 Prozent aller Patienten werden durch die Therapie sogar anfallsfrei", macht Krause den Betroffenen Mut, sich um eine optimale Behandlung zu kümmern.
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