21. September 2009

Epilepsie Artikel

Wenn Senioren Epilepsie bekommen

(RaIA/dgk) Wenig bekannt und daher oft unerkannt: Epilepsien zählen nach Demenz bzw. Alzheimer-Demenz und Schlaganfall zu den dritthäufigsten Alterserkrankungen des Nervensystems. Von einer Epilepsie spricht man, wenn mindestens zwei nicht provozierte epileptische Anfälle innerhalb von 24 Stunden auftreten. Das Anfallsleiden tritt bei Menschen über 60 inzwischen häufiger auf als bei Kindern und Jugendlichen. Darauf weist der "Ratgeber aus Ihrer Apotheke" in seiner Ausgabe vom 15. September 2009 hin.

Eine Altersepilepsie unterscheidet sich auf vielfältige Weise von der Erkrankung im jüngeren Alter: Die Ursachen sind andere, die Anfälle haben zum Teil eine eigene Charakteristik, und auch der Verlauf der Epilepsie ist anders als bei jüngeren Menschen. Die häufigsten Ursachen sind Durchblutungsstörungen des Gehirns bis hin zum Schlaganfall, Demenz wie zum Beispiel die Alzheimerkrankheit, Gehirntumore und Schädel-Hirn-Verletzungen – Krankheiten, die im Alter gehäuft auftreten. Einzelne Medikamente und Stoffwechselerkrankungen, die Leber und Niere betreffen, können die Anfälle ebenfalls begünstigen. Bei vielen älteren Patienten bleibt die genaue Ursache der Epilepsie jedoch im Dunkeln.

Epilepsie wird oft mit Krampfleiden übersetzt, doch nicht alle Epilepsien zeigen sich mit diesen sichtbaren, krampfartigen Muskelzuckungen einzelner Körperteile. Die Symptome können sich zum Beispiel als Veränderung des Bewusstseins oder der Wahrnehmung, als Empfindungsstörung oder auch als Veränderung der Muskelspannung äußern. Die Ursache sind übermäßige elektrische Entladungen von Nervenzellen. Betroffene klagen über vorübergehende Lähmungen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Kribbeln im Bein, unerklärbare Stürze, Verletzungen und Verbrennungen. Bei allein lebenden Senioren ist oft mangels Zeugen im Nachhinein nicht mehr klar, was wirklich passiert ist. Auch ein Biss auf die Zunge oder vorübergehende Verwirrtheit sind möglich. Bei Verdacht auf einen Anfall sollte immer sofort ein Arzt hinzugezogen werden, es handelt sich um einen lebensbedrohlichen Notfall. Wegen der uncharakteristischen Symptome kommt es allerdings nicht selten zu einer Fehldiagnose. Messungen der Hirnstromkurven mit dem Elektroencephalogramm (EEG) und Schichtaufnahmen des Gehirns (CT) können Aufschluss über das Geschehen geben.

Eine Altersepilepsie sollte möglichst nach dem ersten Anfall mit Medikamenten behandelt werden. Dabei spielt auch eine gute Einstellung der auslösenden Erkrankung eine wichtige Rolle. Weil ältere Menschen häufig bereits wegen anderer Erkrankungen mehrere Medikamente einnehmen müssen, können Epilepsie-Medikamente (Antikonvulsiva) zu unerwünschten Wechselwirkungen führen, über die man mit dem Arzt sprechen sollte.

Auch vertragen ältere Menschen Standardmedikamente, die bei jüngeren Epilepsiepatienten gute Erfolge zeigen, nicht mehr in gleicher Weise: Der Abbau vieler gebräuchlicher Antikonvulsiva im Körper ändert sich mit zunehmendem Alter: Die Nierenfunktion nimmt zum Beispiel ab, und die Eiweißbindung ist verringert, sodass die Medikamentendosierung entsprechend sensibel angepasst werden muss. Bei der Behandlung von Altersepilepsie ist die regelmäßige Einnahme der Arznei äußerst wichtig.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Ratgeber aus Ihrer Apotheke / Ausgabe 9B/2009.

Weitere Quellen: Werhahn, Konrad J.: Altersepilepsie. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(9): 135–42; Renée Dillinger-Reiter, Mainz: Epilepsie im Alter. Ärztebl. RLP, 60 (9), 16 - 18, 2007

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