23. Februar 2011
Unter einer rheumatischen Endokarditis versteht man eine postinfektiöse Entzündung der Herzinnenhaut. Sie entwickelt sich meist im Rahmen eines rheumatischen Fiebers.
Die rheumatische Endokarditis ist eine Form von Endokarditis, also einer Entzündung des Endokards (Herzinnenhaut). Sie entwickelt sich meist als Zweitkrankheit infolge eines rheumatischen Fiebers.
Besonders betroffen von einem rheumatischen Fieber sind Kinder und Jugendliche. Das liegt vor allem daran, dass es in diesem Alter häufig zu bakteriellen Infektionen wie Angina (eitrige Mandelentzündung), Mittelohrenentzündungen (Otitis media) oder Scharlach kommt. Behandelt man diese Erkrankungen nicht rechtzeitig mit Antibiotika, besteht die Gefahr, dass sich rheumatisches Fieber entwickelt. Durch die gute Behandlung von Infekten, tritt diese Krankheit in Deutschland heutzutage nur noch selten auf.
Bakterien wie Streptokokken sind in der Regel nur indirekt für eine rheumatische Endokarditis verantwortlich. Vielmehr handelt es sich um einen Fehler des körpereigenen Immunsystems. Wie andere Bakterien auch, verfügen die Streptokokken an ihrer Zelloberfläche über besondere Strukturen. Diese werden vom Abwehrsystem erkannt und bekämpft, indem es Antikörper bildet. Dabei kommt es jedoch zu einer Autoimmunreaktion. So verwechselt das Immunsystem die Oberfläche der körpereigenen Zellen mit denen der Streptokokken, wodurch die Zellen im Herzinneren oder in den Gelenken ebenfalls angegriffen werden. Dies hat dann Entzündungen in den Gelenken sowie der Herzinnenhaut zur Folge. Es kommt zum rheumatischen Fieber.
Ein rheumatisches Fieber kann nach einem krankheitsfreien Zeitraum von ca. ein bis drei Wochen auftreten und bis zu drei Monate dauern. Zu den Symptomen eines rheumatischen Fiebers gehören Knötchen unter der Haut, die man als Rheumaknötchen bezeichnet, eine Herzentzündung sowie eine akute Entzündung der großen Gelenke mit Fieber und Gelenkschmerzen. Darüber hinaus werden die Herzklappen in Mitleidenschaft gezogen, die dann nicht mehr voll funktionsfähig sind. Des Weiteren kann es auch zu Beeinträchtigungen des Perikards (Herzbeutel) und des Myokards (Herzmuskel) kommen.
Um eine rheumatische Endokarditis zu diagnostizieren, hört der untersuchende Arzt das Herz ab und achtet dabei auf mögliche krankhafte Geräusche der Herzklappen. Wurde auch der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen, lässt sich dies ebenfalls durch typische Geräusche feststellen. Gut erkannt werden können die Veränderungen an den Herzklappen durch eine Echokardiographie, bei der man das Herz mit Ultraschall untersucht. Auch der Nachweis von Antikörpern im Blut des Patienten ist hilfreich für die Diagnosestellung. Ferner nimmt man einen Abstrich von der Rachenschleimhaut vor, um die verursachenden Bakterien nachzuweisen. Allerdings lässt sich die Erkrankung nicht immer auf diese Weise feststellen, da die eigentliche Entzündung beim Ausbruch des rheumatischen Fiebers meist schon zurückgegangen ist.
Um eine rheumatische Endokarditis zu behandeln, verabreicht man dem Patienten Antibiotika wie Penicillin, um auf diese Weise die Streptokokken zu bekämpfen. Des Weiteren erhält der Patient entzündungshemmende Präparate wie Acetylsalicylsäure oder Kortison. Außerdem ist strenge Bettruhe erforderlich. Wurde eine Herzklappe geschädigt, kann sogar ein operativer Eingriff notwendig sein.
Zur Vorbeugung einer weiteren rheumatischen Endokarditis verabreicht man jüngeren Patienten über mehrere Jahre Penicillin. Eine solche Behandlung kann bis ins Erwachsenenalter nötig sein. Auch im Anschluss daran müssen immer dann Antibiotika zur Anwendung kommen, wenn die Gefahr besteht, dass schädliche Bakterien in den Körper gelangen, was zum Beispiel bei chirurgischen Eingriffen oder Zahnbehandlungen der Fall sein kann.
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