Dünndarmtumor - Ursachen, Symptome und Behandlung

Bei Dünndarmtumoren kann es sich sowohl um gut- als auch um bösartige Tumoren im Abschnitt des Dünndarms handeln. Welche Ursachen zur Bildung von Dünndarmtumoren beitragen, ist noch nicht eindeutig geklärt; es gibt jedoch gewisse Risikfaktoren. Wie die Erkrankung verläuft, hängt davon ab, ob es ein gut- oder bösartiger Tumor ist. Zu den verschiedenen Symptomen zählen Polypen, Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung. Lesen Sie hier alles Wissenswerte über den Dünndarmtumor.

Die Entstehung eines Dünndarmtumors und wie man ihn erkennen und behandeln kann

Krankheitsbild

Als Dünndarmtumoren bezeichnet man alle gut- sowie bösartigen Tumore im Abschnitt des Dünndarms. Bei ihrer Entstehung spielen einige Risikofaktoren eine Rolle, auch wenn die tatsächliche Ursache unbekannt ist.

Im Anfangsstadium und bei kleiner Größe verursachen sie in der Regel noch keine Beschwerden. Bei einem Dünndarmtumor besteht die Gefahr eines Darmverschlusses, welcher einer sofortigen Behandlung bedarf.

Gutartige Dünndarmtumore

Gutartige Dünndarmtumore kommen häufiger vor als bösartige. Sie können sich aus unterschiedlichen Geweben ableiten und sowohl solitär, also einzeln, als auch multipel, also in größerer Anzahl, auftreten.

Auch wenn sie sich nicht in anderen Organen verbreiten und Metastasen bilden, kommt es aufgrund der Größe irgendwann zu Beschwerden. Es besteht zudem die Gefahr, dass sie entarten.

Zu den gutartigen Dünndarmtumoren zählt man

  • das Adenom (leitet sich aus der Schleimhaut ab)
  • das Angiom (leitet sich von den Gefäßen ab)
  • das Fibrom (leitet sich aus dem Bindegewebe ab)
  • das Hamartom (leitet sich aus verschiedenen Geweben ab)
  • das Leiomyom (leitet sich aus den Muskeln ab)
  • das Lipom (leitet sich aus dem Fettgewebe ab) und
  • der neurogene Tumor (leitet sich von den Nerven ab)

Bösartige Dünndarmtumore

Bösartige Dünndarmtumore treten seltener auf und bilden sich entweder direkt im Dünndarm - in diesem Fall spricht man von primären Tumoren - oder es sind Metastasen anderer Krebsarten (sekundär). Man unterscheidet:

  • das Karzinoid (leitet sich von bestimmten hormonbildenden Zellen ab)
  • das Karzinom (leitet sich aus der Schleimhaut ab)
  • das Lymphom (leitet sich aus dem Lymphgewebe ab) sowie
  • das Sarkom (leitet sich aus dem Binde- und Muskelgewebe ab).

Ursachen

Dünndarmtumore kommen nur relativ selten vor. Ärzte vermuten, dass der Grund darin liegt, dass die Nahrung nur kurze Zeit im Dünndarm verweilt, bis sie weitertransportiert wird. Fremdstoffe wie Chemikalien oder Konservierungsstoffe können daher nur kurzzeitig die Darmschleimhaut angreifen.

Oftmals sind Dünndarmtumore vererbt. Sie sind häufig Begleiterkrankungen einiger Erbkrankheiten. Krebs im Dünndarmbereich bildet sich oft aufgrund chronischer Darmerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn oder dem Peutz-Jeghers-Syndrom. Auch familiäre Polyposis-Syndrome, die zur verstärkten Bildung von Polypen führen, können das Risiko, an Dünndarmkrebs zu erkranken, erhöhen.

Egal ob die Tumore gut- oder bösartig sind, sie wachsen ständig. Je früher sie erkannt werden, desto besser können sie behandelt werden.

Verlauf

Grundsätzlich stehen die Heilungschancen besser, wenn es sich um einen gutartigen Tumor handelt. Ein bösartiger Dünndarmtumor kann bereits gestreut haben und somit Metastasen in anderen Organen gebildet haben, was eine Heilung oftmals schwierig gestaltet.

Da die Tumore im Dünndarmbereich längere Zeit keine oder nur unspezifische Symptome verursachen, werden sie oftmals erst dann diagnostiziert, wenn bereits Komplikationen eingetreten sind. Diese Komplikationen stellen meist lebensgefährliche Erkrankungen dar, die sofort ärztlich behandelt werden müssen. Dazu zählt unter anderem der Darmverschluss.

Patienten mit gutartigen Dünndarmtumoren können in der Regel geheilt werden. Besteht ein bösartiger Dünndarmtumor hängt die Heilungsrate davon ab, ob der Tumor bereits gestreut hat und ob eine vollständige Entfernung im Rahmen einer Operation erfolgen kann.

Ist die Behandlung eines bösartigen Tumors abgeschlossen, erfolgt meist eine mehrwöchige Behandlung in einer Rehabilitationsklinik. Die Patienten lernen während dieser stationären Weiterbehandlung mit ihrer Erkrankung umzugehen und können sich von dem schweren operativen Eingriff erholen.

Symptome

Unter der Diagnose Dünndarmtumor versteht man sowohl gutartige Tumore als auch bösartige Krebsgeschwülste. Beide Tumorarten verursachen unterschiedliche Beschwerden.

Dünndarmpolypen

Gutartige Tumore, die so genannten Dünndarmpolypen, verursachen in vielen Fällen keinerlei Beschwerden. Nur selten sind Blutauflagerungen auf dem Stuhlgang zu beobachten.

Werden die Polypen längere Zeit nicht behandelt, vergrößern sie sich und können den Dünndarm einengen, was zu Koliken führen kann. In seltenen Fällen kann auch ein kompletter Verschluss des Dünndarms auftreten.

Bösartige Tumore

Bösartige Tumore im Dünndarmbereich äußern sich durch

Auch Verdauungsstörungen wie Durchfall und Verstopfung können auftreten. Auch hier treten nach einiger Zeit Blutungen in Verbindung mit dem Stuhlgang sowie Koliken und selten auch ein Dünndarmverschluss auf.

Diagnose

Schildert ein Patient diese Beschwerden, führt der Arzt zuerst eine körperliche Untersuchung durch. Dabei tastet er auch intensiv den Bauch ab.

Oftmals können die Tumore durch die Bauchdecke bereits ertastet werden. Auch eine Ultraschalluntersuchung führt der Arzt in der Praxis durch. Viele Tumore können bei dieser Untersuchung diagnostiziert werden.

Für eine sichere Diagnostik wird jedoch eine Röntgenaufnahme des Dünndarmes angefertigt. Vor der Untersuchung wird dem Patienten über einen dünnen Schlauch durch den Mund ein Kontrastmittel verabreicht, das die Tumore dann auf dem Röntgenbild gut sichtbar macht.

Endoskopische Untersuchungen

Der Dünndarm wird nur in seltenen Fällen mit Hilfe der Endoskopie untersucht. Bei der Magenspiegelung erfolgt die Untersuchung von oben durch den Mund.

Dem Patienten wird dazu vor der Untersuchung ein Spray in den Rachen gesprüht, das den Würgereiz hemmt. Der Arzt führt dann einen langen Schlauch, das Endoskop, durch den Mund ein.

Während der Magenspiegelung werden auch die Speiseröhre und der Magen begutachtet. Das Endoskop reicht bis zum obersten Teil des Darmes, dem Zwölffingerdarm. Der Dünndarm kann während der Magenspiegelung nicht begutachtet werden.

Eine Darmspiegelung wird von unten über den Enddarm durchgeführt. Der Patient muss in Vorbereitung zur Untersuchung eine Flüssigkeit trinken, die eine abführende Wirkung hat.

Wenn der Darm gereinigt ist, erhält der Patient eine Beruhigungsspritze. Das Endoskop wird über den Enddarm eingeführt und bis zum Dickdarm vorgeschoben. Auch hier kann der Dünndarm somit nicht begutachtet werden.

Eine besondere Form der Endoskopie, die so genannte Kapselendoskopie, kann jedoch auch den Dünndarm sichtbar machen. Der Patient schluckt dazu vor der Behandlung eine kleine Kapsel, die eine Kamera enthält.

In der Kapsel befindet sich auch ein Sender, der die Bilder auf einem Datenträger speichert. Die Kapsel durchläuft den kompletten Darm (einschließlich des Dünndarms) und wird mit dem Stuhlgang auf normalem Wege wieder ausgeschieden.

Nach einigen Stunden gibt der Patient den Datenträger wieder in der Arztpraxis ab. Am Computer kann sich der Arzt nun die Bilder ansehen und eine Diagnose stellen.

Ergeben all diese Untersuchungen keine eindeutigen Ergebnisse, erfolgt oftmals auch ein operativer Eingriff im Rahmen einer Laparoskopie oder einer Laparotomie. Bei der Laparoskopie werden lediglich winzige Schnitte im Bereich des Bauches gesetzt, durch die die benötigten Instrumente eingeführt werden.

Bei der Laparotomie wird ein normaler Bauchschnitt gesetzt. Der Chirurg kann dann den Dünndarm genau betrachten und eine sichere Diagnose stellen, wenn die anderen Untersuchungsverfahren dazu alleine nicht ausreichend waren.

Behandlung

Dünndarmpolypen, gutartige Tumore im Dünndarm, werden in der Regel im Rahmen einer Operation entfernt. Dies gilt besonders dann, wenn sie Schmerzen und Blutungen verursachen.

Dünndarmkrebs wird ebenfalls operativ entfernt. Während der Operation entfernt der Chirurg nicht nur den Tumor selbst, sondern auch gesundes Gewebe darum herum, um sicher alle Krebszellen entfernt zu haben.

Oftmals erfolgt im Anschluss an die Operation eine Chemo- oder Strahlentherapie. Sehr große bösartige Tumore werden oft vor der Operation mit einer Chemo- und Strahlentherapie behandelt und auf diese Weise verkleinert, um sie dann leichter entfernen zu können. Kann der bösartige Tumor nicht komplett entfernt werden, hat der Patient in der Regel keine Heilungschancen.

Vorbeugung

Vorbeugen kann man der Entstehung eines Dünndarmtumors nicht. Liegen jedoch entsprechende chronische Darmerkrankungen vor, sollte man sich regelmäßig ärztlich untersuchen lassen, um einen Tumor möglichst frühzeitig feststellen zu können.

Quellen:

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  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
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  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165
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  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
  • Hannes Leischner: BASICS Onkologie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2016, ISBN 3437423290
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  • Christoph Wagener, Oliver Müller: Molekulare Onkologie: Entstehung, Progression, klinische Aspekte, Thieme Verlagsgruppe, 2009, ISBN 3131035137
  • Kurt Possinger, Anne Constanze Regierer, Jan Eucker: Klinikleitfaden Hämatologie Onkologie: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2018, ISBN 3437242962

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